Plakolm: Zivildienst als Chance, Männer in Pflegeberufe zu bringen

Politik / 22.05.2022 • 09:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Staatssekretärin Claudia Plakolm will die Pflegelehre für Zivildiener interessanter machen. <span class="copyright">BKA</span>
Staatssekretärin Claudia Plakolm will die Pflegelehre für Zivildiener interessanter machen. BKA

Die Pflegelehre startet als Modell 2023. Die Jugendstaatssekretärin will auch Zivildiener dafür interessieren.

Wien Staatssekretärin Claudia Plakolm (27, ÖVP), seit Anfang Dezember für Jugendpolitik verantwortlich, erhält im Zuge der Regierungsumbildung zusätzliche Themen: Die Agenden für den Zivildienst und das Ehrenamt werden zu ihr ins Kanzleramt transferiert. Zusätzlich ist sie künftig für das Thema Lehre zuständig.

Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) wollte bereits vor Monaten bei der Pflegelehre Vorarlberg als Modellregion etablieren. Nun gibt es im Pflegepaket einen bundesweiten Vorstoß: Die Pflegelehre soll als Modellversuch im Herbst 2023 starten.

Männer für Pflege interessieren

Um die Ausbildung auch für junge Männer zu attraktivieren, schlägt Plakolm im Gespräch mit den VN vor, dass Zivildienern die Kompetenzen, die sie während des Zivildienstes erwerben, auf die neue Pflegelehre angerechnet werden. Den Zivildienst sieht die Staatssekretärin als “Headhunter für den Sozialbereich”, wie sie sagt: “Ich sehe das auch als große Chance, dass wir Burschen und Männer in Sozial- und Gesundheitsberufe bringen.”

Je nachdem, ob man Pflegeassistent oder Pflegefachassistent werden will, dauert die Ausbildung drei oder vier Jahre. Der Lehrplan wird derzeit erstellt und soll in den nächsten Monaten vorliegen. Plakolm plädiert dafür, den Fokus in der Ausbildung auch auf kaufmännische Aspekte zu legen, um nach dem Abschluss mehr berufliche Optionen zu öffnen.

Doch im Sozialbereich ist die psychische Belastung groß, der Einstieg mit 15 Jahren in dieses Berufsfeld umstritten. Wie eine Studie des Europäischen Zentrums für Sozialpolitik und -forschung, eine den Vereinten Nationen angeschlossene zwischenstaatliche Organisation, zeigte, berichten Beschäftigte unter 25 Jahren zu einem Drittel überdurchschnittlich oft von psychischen Belastungen. Kritik am Berufseinstieg mit 15 Jahren kann Plakolm aber nicht nachvollziehen: „Jungen Menschen ist es wichtig, einen sinnerfüllenden Job zu haben.“ Diskussionen über bestimmte Altersgrenzen zu führen, sei deshalb nicht zielführend: „Es wird 15-Jährige geben, die reifer sind als manche 17-Jährige. Und es redet ja niemand davon, einen 15-jährigen in der Palliativpflege einzusetzen.“

Keine Lockerung der Staatsbürgerschaft

Eine Lockerung der Staatsbürgerschaftskriterien, um die Zahl der Wehrpflichtigen zu steigern, ist für Plakolm keine Option: „Ich würde eher an den Tauglichkeitskriterien schrauben.“ Österreich liegt in der Europäischen Union auf dem vorletzten Platz, was den Zugang zur Staatsbürgerschaft anbelangt. 580.000 Einwohner unter 30 Jahren haben eine nicht-österreichische Nationalität. Dennoch: „Es gibt bestimmte Kriterien, für mich stehen die nicht zur Debatte“, hält Plakolm fest.

Auch eine gänzliche Abschaffung der Wehrpflicht kann sich Plakolm, die bereits 2013 bei der Volksbefragung zum Thema gegen ein Berufsheer votierte, nicht vorstellen: „Jeder Zivildienstleistende ist für unser Sozialsystem unabkömmlich und wird enorm wertgeschätzt.“

Verabschiedung von der Krise

Die vergangenen Jahre haben bei den Jungen Spuren hinterlassen. Gemäß einer aktuellen Studie der Beratungsfirma Deloitte blicken viele junge Menschen pessimistisch in die Zukunft: 40 Prozent der 19- bis 27-Jährigen gaben zum Beispiel an, häufig besorgt und gestresst zu sein, zwei Drittel sehen die Welt angesichts des Klimawandels an einem Kipppunkt. Dennoch stört sich Plakolm an der Bezeichnung „Generation der Krise“. Die letzten Jahre seien nicht leicht und sehr prägend gewesen, „aber ich glaube, dass wir uns jetzt langsam von den Krisen verabschieden müssen, indem wir Chancen daraus machen.“ VN-JUS, MAX