Kulis, Socken und Kräuter: Was Sie sich zum Wahlkampfabschluss erhoffen können

Politik / 06.06.2024 • 17:58 Uhr
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Dieses Bild gehört zum Jahr 2024: Mit drei Urnengängen in Vorarlberg werden heuer auch drei Tranchen an Wahlplakaten im Land hängen. VN/Roland Paulitsch

Wie die Parteien den EU-Wahlkampf angelegt haben – und warum in Vorarlberg im Vergleich wenig Plakate zu sehen waren.

Bregenz, Wien Ein Blick auf die Social-Media-Accounts heimischer Politikerinnen und Politiker. Da ist etwa Gesundheitsminister Johannes Rauch, der Studierenden mit Kopfhörern im Ohr beim Vorbeigehen grüne Flyer in die Hand drückt („Hi! Sonntag! Danke!“); da ist Verfassungsministerin Karoline Edtstadler, die bedauert, einem Imbiss-Verkäufer aufgrund der frühen Uhrzeit keinen Döner abzukaufen, ihm dennoch einen Kugelschreiber mit ÖVP-Logo in die Hand drückt; da ist FPÖ-Spitzenkandidat Harald Vilimsky, der ihm Wohlgesinnte („Du magst Verbrennermotoren und bist auch der Auffassung, dass es nur zwei Geschlechter gibt?“) auf ein kostenloses Bier ins Schweizerhaus im Wiener Prater einlädt. Der Wahlkampf ist an einem Höhepunkt angelangt. Wie haben ihn die Parteien eigentlich angelegt?

„Fineliner für die richtige Wahl“

Die FPÖ hat laut allen Umfragen beste Chancen, bei der Europawahl am Sonntag Platz eins einzufahren. Laut der Bundespartei wurden in Österreich 2400 großformatige Plakate und 35.000 kleinere verteilt. Das sind jene, die zum Beispiel an Laternenmasten hängen. Von einem Sprecher der Landespartei heißt es zu den VN, dass der EU-Wahlkampf grundsätzlich von der Bundespartei organisiert und finanziert werde. „Für uns werden zusätzliche Kosten in Höhe von circa 15.000 Euro anfallen.“ In Vorarlberg stehen 15 große und hängen rund 300 kleine Plakate. Die Wahlkampfgeschenke würden zentral aus Wien organisiert. „Es sind dies Info-Flyer mit dem Wahlprogramm in Kurzfassung und blaue Fineliner für die richtige Wahl.“

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Für eine starke europäische Zukunft werben Neos und Grüne. VN/Roland Paulitsch

Laut einem Sprecher der Neos-Bundespartei hängen fünf Prozent aller 1500 großflächigen Plakate in Vorarlberg, also etwa 75 Stück. Hierzulande wirbt auch eine Person, die nicht mehr bei der Europawahl antritt, für eine Stimme für die Neos. Landessprecherin Claudia Gamon, die bisher im EU-Parlament sitzt, ist nur auf den Postern in Vorarlberg abgebildet. Inklusive eigenem Wording: Sie wirbt für ein „Vereinigtes Ländle für Europa“. Als Wahlkampfgeschenke gibt es die Klassiker – Kugelschreiber und Feuerzeuge – sowie etwa Socken im EU-Blau mit Sternen.

Spitzenkandidatin plakatiert

Die Volkspartei hat für den Europawahlkampf ein eigenes Budget im Land aufgestellt, wie ein Sprecher der Landespartei festhält. Für regionale Aktivitäten hat sie zwischen 25.000 und 30.000 Euro eingeplant. In Vorarlberg stehen 20 große Plakate, 200 weitere kleine hängen an Laternen und Bäumen – von einigen lacht auch die Spitzenkandidatin im Land, Bundesrätin Christine Schwarz-Fuchs. Auf anderen ist die zweite Kandidatin der ÖVP Vorarlberg zu sehen, Gerda Schnetzer-Sutterlüty. Für den Eigengebrauch gibt es bei der ÖVP Traubenzucker, Streichhölzer und türkise Handtücher.

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Die Parteien – wie hier SPÖ und ÖVP – plakatieren in Vorarlberg auch die Kandidatinnen und Kandidaten, die aus dem Land kommen. VN/Roland Paulitsch

Bei den Grünen befinden sich derzeit 53 große Plakate in Vorarlberg, 300 Mal hängen zudem kleinere Sujets im Land: „Die Anzahl dieser Hohlkammern ist eine Vorgabe des Bundeslandes Vorarlberg“, heißt es dazu von einer Sprecherin der Bundespartei. „Darüber hinaus werden Sackerl, vegane Bio-Gummibärchen, Kugelschreiber, diverse Postkarten sowie Türhänger verteilt.“ Hinzu kommen weitere Geschenke, die Landesparteien direkt verteilen („Äpfel, Blumen, Kräuter und Ähnliches“), außerdem verlosen die Grünen einige Socken („Fürs Klima, gegen Rechts“) in den sozialen Medien.

„Hauen und Stechen“ bei der Nationalratswahl

Die SPÖ verteilt Kinder-Ausmalbücher, Buntstifte und geröstete Kerne in der Republik; in ganz Österreich hängen laut einer Sprecherin rund 1600 größere Plakate und 8000 kleinere Dreiecks-Ständer: „Darüber hinaus haben die Länder für ihre Kandidaten oft noch eigene Plakate.“ Hinzu kommen Printinserate in den Tageszeitungen, das seien aber wenige: „Jedenfalls zweistellig und weit unter 100.“ Von den größeren Plakaten stehen nur 17 Stück – also rund ein Prozent aller – in Vorarlberg.

Wahlplakate EU-Wahl, Fotos von diversen Wahlplakaten bzw. auch von Stra§en mit vielen Wahlplakaten
Lena Schilling von den Grünen hängt über Harald Vilimsky von der FPÖ. VN/Roland Paulitsch

Diese Zahlen würden bei allen Parteien vom Einfluss der Landespartei im Bund und von der Anzahl der wählbaren Kandidaten abhängen, sagt der Politikwissenschaftler Peter Filzmaier den VN: „Das Hauen und Stechen um wählbare Listenplätze wird sich eher auf die Nationalratswahl konzentrieren. Denn da geht es tatsächlich darum, für das Bundesland direkt etwas zu erreichen.“

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Bei der letzten Europawahl schrammte die ÖVP an den 40 Prozent vorbei, so knapp wird es heuer wohl nicht. VN/Roland Paulitsch