Kommentar: Kinderfeindlich
Ein Gast mit einem Hund sei ihm lieber als einer mit Kind, hat Mario Pulker, Österreichs oberster Gastronom in der Wirtschaftskammer, laut „Standard“ gesagt: Während ersterer brav Wasser trinke, jage der Nachwuchs durch Gaststuben, ziehe an Tischdecken und leere Salzstreuer aus.
Selbstverständlich: Es soll wirbelfreie Lokale geben. In einer Gesellschaft aber, in der Kinder so, wie sie sind, einfach nur als Störfaktor gelten, gibt es ein größeres Problem; ist es vielleicht eine Erklärung dafür, dass es sich junge Paare zweimal überlegen, ob sie noch eine Familie gründen sollen, trägt es möglicherweise zur niedrigsten Geburtenrate seit Jahrzehnten bei.
Umgekehrt muss betont werden, dass sich noch nie so viele Lokale bemüht haben, kinder- und familienfreundlich zu sein wie heute. Das ändert aber nichts daran, dass es diese feindlichen Tendenzen eben auch gibt, die weit über das hinausgehen, was Pulker zum Ausdruck bringt.
Sie äußern sich unterschiedlich, durch sie werden Generationenkonflikte befeuert: Was ist etwa in die Bundesregierung gefahren, so zu sparen, dass es ausgerechnet größere Familien, die ganz besonders für Zukunft stehen, am härtesten trifft? Was ist das für ein Verantwortungsbewusstsein gegenüber Jüngeren, in Bezug auf Klimapolitik Entschlossenheit durch „Hausverstand“ zu ersetzen, der nur ein Vorwand dafür ist, sich weniger anzustrengen? Dasselbe gilt für das, was Fiskalratschef Christoph Badelt als „demographische Bombe“ bezeichnet: Ausgaben für Pensionen, Gesundheit und Pflege steigen in einem Ausmaß, das für nachfolgende Generationen nicht zumutbar ist. Es wird in Kauf genommen. Man sagt nicht „Kinder sind uns egal“. Man lässt es einfach darauf hinauslaufen.
Ja, es ist noch schlimmer: Jüngeren wird ein Vorwurf daraus gemacht, wenn sie zum Beispiel allein schon aufgrund der Tatsache, dass sie sich Eigentum ohne Erbe ohnehin nie leisten können, Teilzeit arbeiten. Damit werde man den Sozialstaat nicht auf dem gewohnten Niveau halten können, heißt es dann – obwohl er in Wirklichkeit vor allem durch unterlassene Reformen gefährdet wird.
Wie könnte man derlei überwinden? Experten des Parlaments haben sich mit Grundlagen für eine nachhaltige Politik auseinandergesetzt und sind auf den schönen Begriff „Kathedralendenken“ gestoßen. Minister und Abgeordnete arbeiten nachvollziehbarerweise ja eher nur auf den nächsten Wahltag hin. Bauleute haben sich einst aber an die Errichtung riesiger Gotteshäuser gemacht, obwohl sie wussten, dass sie deren Fertigstellung nicht mehr erleben werden.
In Bezug auf Generationen muss dieses Denken nicht erfunden werden: Eltern und Großeltern wollen das Beste für ihre Kinder und Enkeln. Es müsste daher nur zu einem Ziel erklärt werden, dem Politik verpflichtet ist. Es müsste lediglich regelmäßig mit Hilfe von klugen Leuten überprüft und offengelegt werden, was dazu fehlt oder nötig wäre. Wetten: Dadurch würde der Druck, sich ernsthaft um möglichst gute Verhältnisse auch in 30, 40 oder 50 Jahren zu bemühen, entscheidend erhöht werden.
Johannes Huber betreibt die Seite dieSubstanz.at – Analysen und Hintergründe zur Politik.
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