Fehlkalkulation bei Personalbedarf erhitzt die Gemüter – ein Faktencheck

Politik / HEUTE • 16:25 Uhr
Fehlkalkulation bei Personalbedarf erhitzt die Gemüter – ein Faktencheck

Land Vorarlberg und Regierungschef Markus Wallner haben die Berichterstattung zur Fehlkalkulation beim Personalbedarf des Landes scharf kritisiert. Die Opposition wiederum schießt seither gegen den Landeshauptmann. Das sind die Fakten.

Schwarzach Das Land hat großzügig Mitarbeiter für Covid-Entschädigungszahlungen eingestellt. Dabei war der Bedarf viel kleiner. Bereits Monate vor dem Auslaufen der befristeten Verträge war die eigentliche Arbeit erledigt. Ein VN-Exklusivbericht über die teure Fehlkalkulation beim Personalbedarf hat letzte Woche für viel Wirbel gesorgt und die Opposition auf den Plan gerufen. Die Kritik am Land und dem für Personal zuständigen Landeshauptmann Markus Wallner wird immer lauter.

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Der Regierungschef wiederum wehrt sich gegen die Berichterstattung und weist die Darstellung gegenüber der Austria Presseagentur (APA) als „in weiten Teilen falsch“, „sehr verzerrt“ und „objektiv nicht belegbar“ zurück. Auch in einer offiziellen Mitteilung des Landes Vorarlberg heißt es wörtlich, man „widerspreche der unbelegten Behauptungen einer Fehlkalkulation ausdrücklich“. Ein Faktencheck:

Behauptung 1: Das Land hat sich beim Personalbedarf für die Covid-Entschädigungszahlungen vertan. Bewertung: richtig und belegt

Im Kern der VN-Berichterstattung geht es um den Personalbedarf für die Pandemie-Aufarbeitung. Das Land hat speziell für Covid-Entschädigungszahlungen über die Bezirkshauptmannschaft Bludenz eine große Zahl an Mitarbeitern befristet eingestellt. Im Herbst 2024 war die Arbeit beendet, die Verträge liefen jedoch noch bis ins erste Halbjahr 2025. Rund 60 Mitarbeiter wurden in dieser Zeit in verschiedene Abteilungen im Amt der Landesregierung versetzt. Einen Nachweis zu diesen Behauptungen gibt es über zwei unterschiedliche Beantwortungen nach dem Informationsfreiheitsgesetz, öffentlich einsehbar auf der Homepage von “Frag den Staat”.

Fehlkalkulation bei Personalbedarf erhitzt die Gemüter – ein Faktencheck
Beantwortung einer Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz zu Dienstnehmerstatstik des Landes Vorarlberg im November 2025. Quelle: Frag den Staat

Zudem bestätigte die Landespressestelle die Vorgänge in einer Medienanfrage am 17. Dezember 2025 wörtlich: „Zur Abwicklung der hohen Zahl an Entschädigungszahlen im Zuge der COVID-19 Pandemie im Rahmen der mittelbaren Bundesverwaltung wurden zahlreiche Mitarbeiter befristet speziell für diese Aufgabe aufgenommen. Diese Mitarbeitende waren bei der Bezirkshauptmannschaft Bludenz angesiedelt. Im Herbst 2024 konnte die Arbeit beendet werden und die Mitarbeitenden wurden bis zum Ablauf ihrer Befristungen im 1. Halbjahr 2025 in verschiedene Abteilungen im Amt der Landesregierung versetzt.“ (Zitat Ende).

Fehlkalkulation bei Personalbedarf erhitzt die Gemüter – ein Faktencheck
Beantwortung Medienanfrage am 17. Dezember 2025. Quelle: Landeskommunikation Vorarlberg.

Behauptung 2: Fehlkalkulation hat hohe Kosten verursacht. Bewertung: richtig und größtenteils belegt

Belegt ist, dass 59 befristet angestellte Mitarbeiter nach Abschluss der ursprünglichen Aufgaben weiterbeschäftigt wurden. Diese Zahl wird vom Land selbst genannt und durch mehrere Quellen bestätigt. Ebenso belegt ist, dass für diese Mitarbeiter während der verbleibenden Vertragslaufzeit andere Aufgaben innerhalb der Landesverwaltung gesucht wurden. Nicht öffentlich belegt ist die konkrete Höhe der dadurch entstandenen Mehrkosten. Aussagen aus verschiedenen Abteilungen der Landesverwaltung deuten darauf hin, dass es in diesem Zeitraum keinen akuten zusätzlichen Personalbedarf gab. Die Aussage, dass durch die Weiterbeschäftigung von 59 Mitarbeitern über einen Zeitraum von mehreren Monaten hohe zusätzliche Kosten entstanden sind, ist sachlich plausibel. Eine genaue finanzielle Bewertung ist mangels veröffentlichter Zahlen jedoch nicht möglich. Die Behauptung ist daher „teilweise belegbar“.

Behauptung 3: Das Land hat es bei Personaleinsparungen nicht eilig. Bewertung: größtenteils richtig

Seit Anfang 2025 kündigt das Land Vorarlberg Personaleinsparungen an. Landeshauptmann Markus Wallner nannte im April des Vorjahres gegenüber den VN konkrete Zielzahlen: 100 Stellen sollten noch innerhalb der laufenden Legislaturperiode eingespart werden, bis 2035 insgesamt 300 Stellen. In der aktuellen VN-Berichterstattung wurde festgehalten, dass entsprechende Einsparmaßnahmen bislang nicht umgesetzt worden seien – es noch nicht einmal Gespräche mit den Abteilungen gegeben habe. Grundlage dafür war eine Antwort der Landespressestelle auf die Frage, bis wann sich eine Reduktion der Stellen bemerkbar machen würden.

Fehlkalkulation bei Personalbedarf erhitzt die Gemüter – ein Faktencheck
Beantwortung Medienanfrage am 17. Dezember 2025. Quelle: Landeskommunikation Vorarlberg.

Zitat: „In den nächsten Monaten werden im Zuge des laufenden Reformprozesses mit allen Abteilungen und Dienststellen Gespräche zur Aufgabenreduktion und einer damit einhergehenden Stellenreduktion in den nächsten Jahren geführt“. Tatsächlich haben aber bereits Gespräche mit Abteilungen stattgefunden. Gleichzeitig ist laut aktuellem Beschäftigungsrahmenplan dokumentiert, dass im laufenden Jahr landesweit 6,95 Vollzeitäquivalente eingespart werden sollen. Das entspricht rund sieben Prozent der angekündigten Zielgröße für die kommenden drei bis fünf Jahre. Die Einschätzung, dass die Einsparungen langsamer voranschreiten als ursprünglich angekündigt, ist damit größtenteils richtig und belegbar.

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