Gedenken mancher Art

VN-Kommentar von Walter Fink.
Am vergangenen Dienstag, dem 27. September, wurde der von den Vereinten Nationen eingeführte Internationale Holocaust-Gedenktag begangen. An diesem Tag vor achtzig Jahren wurde das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, in dem während der NS-Zeit mehr als eineinhalb Millionen Kinder, Frauen und Männer umgebracht wurden, von der Roten Armee befreit. Veranstaltungen erinnerten in ganz Österreich daran, der Nationalrat hielt eine Sondersitzung – und auch in Vorarlberg wurde des Tages gedacht.
In Sachen Gedenkkultur hat sich in jüngerer Zeit, vor allem während des vergangenen Gedenkjahres, die Marktgemeinde Rankweil hervorgetan. In vielen Veranstaltungen wurde der brutalen Diktatur gedacht, in der „Reihe Rankweil“ wurde das Buch von Meinrad Pichler – „Rankweil 1938 – 1945“ – aufgelegt, das sich eingehend mit dieser Zeit und auch mit den handelnden Personen dieser Zeit beschäftigt, ein künstlerischer Wettbewerb zu diesem Gedenken wurde ausgelobt. Als Siegerprojekt wurde die Arbeit „memoria x pulvere“ (Erinnerungen aus Staub) des Künstlers Stefan Amann gekürt, das am vergangenen Dienstag präsentiert wurde. Dabei wurde auf fünf Friedhöfen in Rankweil jeweils ein Mahnmal aus Ton angebracht, das eine ganz klein, andere größer bis zu wirklich groß. Es handelt sich beispielsweise um eine nicht beschriftete Tafel (St. Peter), eine Stele (Waldfriedhof) oder um Erinnerungsstücke in einem großen Wandgrab in St. Michael. „Ton ist eines der ältesten Materialien der Menschheit. Er ist formbar, verletzlich und zugleich beständig – eine passende Metapher für das, woran wir erinnern wollen“, meinte Stefan Amann bei der Besichtigung. Erklärungen zum Projekt kann man sich bei allen Tontafeln mit dem Handy herunterladen. Die Präsentation von „memoria x pulvere“ war wieder ein Anlass, zu dem man der Gemeinde Rankweil gratulieren muss.
Am Abend des Gedenktages wurde in der St. Martinskirche in Dornbirn in einer Veranstaltung an den von den Nazis umgebrachten Provikar Carl Lampert erinnert: „Das Vermächtnis des Unverstellten“ war der Titel, Anlass war auch das Stück über Lampert, das derzeit am Landestheater läuft. Am Anfang einfühlsame Orgel von Rudolf Berchtel mit Fotos von Carl Lampert und Alt-Dornbirn, dann las Nico Raschner, der auch im Theater Carl Lampert verkörpert, in großartiger Weise Briefe Lamperts bevor das Tanin-Streichquartett das unvergleichliche „El cant dels ocells” (Der Gesang der Vögel) von Pablo Casals spielte. Dann, als wichtigsten, vielleicht etwas zu kurz gekommenen Teil das Gespräch mit Bischof Beno Elbs, Intendantin Stephanie Gräve und Historiker Meinrad Pichler unter der umsichtigen Leitung von Markus Linder. Schließich noch Interviews mit Verwandten von Carl Lampert.
Es war ein Tag, von dem man auch in Vorarlberg sagen konnte, dass er dem Anlass, dem so wichtigen Erinnern an die NS-Zeit, gerecht wurde. Und das ist nicht ganz leicht, besteht doch bei solchen Anlässen immer die Gefahr der zu großen Worte, die dann das Erinnern kleiner werden lassen. Dem sind wir am Gedenktag glücklicherweise entkommen.