Kommentar: Bitterer Beigeschmack
Bei einem ORF-Beitrag über einen Polizeieinsatz in Feldkirch ging es augenscheinlich darum, dass vier junge Frauen versucht hatten, sich Eintritt in die Polizeiinspektion zu verschaffen, um zu ihren dort angehaltenen Freunden gelangen zu können. Da sie offenbar keinen Bezug zur laufenden Amtshandlung hatten, wurde sie verständlicherweise dazu aufgefordert, die Inspektion zu verlassen. Statt der Aufforderung Folge zu leisten, begann das aufgebrachte Frauenquartett die Polizisten wüst zu beschimpfen. Die damit konfrontierten Polizisten sahen sich damit gezwungen, ihre Anordnung im wahrsten Sinne des Wortes durchzusetzen. Dabei kam eine der Frauen zu Sturz. Das alles hatte eine unbeteiligte Frau gefilmt und dem ORF zugespielt – mit dem Hinweis, dass sie grundsätzlich gegen Polizeigewalt sei.
Soweit eine harmlose Angelegenheit, die nur dadurch einer größeren Öffentlichkeit bekannt wurde, weil der ORF-Vorarlberg daraus eine große Geschichte machte. Dieser Thematik einen siebenminütigen Beitrag zu widmen, zeugt angesichts der ansonsten durchschnittlich zwei- bis dreiminütigen Beiträge von einer besonderen Schwerpunktsetzung. Das erstaunt, gleicht die Sach- und Faktenlage ganz offensichtlich nur den üblichen Vorfällen, mit denen sich Polizisten Tag für Tag herumschlagen müssen.
Bezeichnend erschien bei diesem Beitrag die Tatsache, dass die deutlich hörbaren und letztklassigen verbalen Attacken der jungen Frauen gegenüber den Polizisten nur am Rande erwähnt wurden. Hochgespielt und mit zwei Expertenmeinungen untermauert wurde hingegen die angeblich unverhältnismäßige Gewaltanwendung durch die Polizei. Was also wollte der ORF Vorarlberg seinen Zusehern mitteilen? Dass es völlig in Ordnung ist, wenn Polizisten hysterisch auf das Übelste beschimpft werden? Dass sich eine amtshandelnde Person alles gefallen lassen muss oder es eine unverhältnismäßige Gewaltanwendung ist, wenn eine Frau zu Boden geht?
Übrig bleibt im Rückblick eigentlich nur der bittere Beigeschmack des Versuchs, gesetzlich legitimiertes Handeln an den Pranger zu stellen und staatliche Autoritäten zu untergraben. Diese Form von „Gesinnungsjournalismus“, wie dies zurecht viele Zuseher kritisieren, sollte eigentlich im öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht so viel Raum finden. Als klarer Befürworter des ORF fehlt auch mir offen gestanden das Verständnis dafür. Gerade Exekutivorgane sehen sich heutzutage in hohem Maß mit Aggression, Gewalt und wie in diesem ORF-Beitrag deutlich zu sehen mit wenig Verständnis für die Notwendigkeit ihres staatlichen Handelns konfrontiert.
Rainer Keckeis ist ehemaliger AK-Direktor Vorarlberg und früherer Feldkircher VP-Stadtrat.
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