“Elektromotoren wären für Rettungsfahrzeuge einfach zu schwach”

Politik / 27.02.2026 • 15:18 Uhr
"Elektromotoren wären für Rettungsfahrzeuge einfach zu schwach"
Janine Gozzi im VN-Interview: “Im Rettungsfonds wurden zwar Posten gestrichen, wir sparen aber außerhalb des Rettungsdienstes und schichten um.” VN/Rhomberg

Neues Rekordjahr beim Roten Kreuz! Rotkreuzchefin Gozzi im Interview über Veränderungen in Vergangenheit und Zukunft.

Feldkirch Das Rote Kreuz in Vorarlberg steht ebenfalls vor einem Sparkurs. Der Rettungsdienst soll davon aber nicht betroffen sein, bekräftigt Geschäftsführerin Janine Gozzi. Mit den VN sprach sie über Diplompflegepersonal im Notarztwagen, Elektromotoren in Rettungsautos und die Zahl der Zivildiener.

Im vergangenen Jahr zählte das Rote Kreuz 162.000 Einsätze. Sind das mehr als sonst?

Gozzi Es sind sehr viele. Vor fünf Jahren waren es 120.000. In den letzten sechs Jahren stieg die Zahl um fünf bis zehn Prozent jährlich. Im Vorjahr hat sich die Situation erstmals entspannt, aber es sind immer noch 2,5 Prozent mehr als im Jahr 2024. Wir hoffen, dass es sich einpendelt, wir sprechen schließlich von 500 bis 600 Einsätzen täglich.

Was bedeutet das für das Personal?

Gozzi Wir haben das Personal im Rettungs- und Krankentransportbereich seit 2019 verdoppelt. Das liegt nicht am Ehrenamt, das ist nicht zurückgegangen. Ehrenamtliche leisten weiterhin 150.000 Stunden pro Jahr.

Einen Teil der anderen Stunden leisten Zivildiener. Haben Sie genug?

Gozzi Wir haben 250 Plätze zur Verfügung, die wir besetzen können. Die geburtenschwachen Jahrgänge treffen uns besonders hart. Dazu kommt, dass andere Organisationen und das Bundesheer stärker um die Jungen werben. Wir sind froh, wenn wir 230 Stellen besetzen können. Dann fallen zehn mit der Zeit noch weg, am Ende haben wir 220 statt 250 im Einsatz. Wir haben aber das große Glück, dass wir mittlerweile 30 Stellen für das freiwillige soziale Jahr zur Verfügung stellen können. Die sind immer besetzt und kompensieren dieses Delta zumindest. Die Verlängerung des Zivildiensts begrüßen wir.

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Spüren auch Sie den Spardruck im öffentlichen Bereich?

Gozzi Wir spüren natürlich die Kürzungen im Rettungsfonds. Als Betriebswirtin finde ich es auch wichtig, dass man immer auf die Kosten achtet. Wir haben bei der Ausstattung und der Ausbildung ein sehr hohes Niveau, das behalten wir, da investieren wir. Im Rettungsfonds wurden zwar Posten gestrichen, wir sparen aber außerhalb des Rettungsdienstes und schichten um. In der Verwaltung schauen wir zum Beispiel, wo wir effizienter werden und sehen uns jede Nachbesetzung an.

"Elektromotoren wären für Rettungsfahrzeuge einfach zu schwach"
Gozzi: “Wir haben deshalb eine eigene Betriebstankstelle angeschafft und sind im Dieselbereich jetzt viel kostengünstiger unterwegs.” VN/Rhomberg

Bei so vielen Fahrzeugen spüren Sie auch die Energiekosten sicherlich besonders.

Gozzi Ja, der Treibstoffpreis hat sich fast verdoppelt. Wir haben deshalb eine eigene Betriebstankstelle angeschafft und sind im Dieselbereich jetzt viel kostengünstiger unterwegs.

Ist Elektromobilität keine Option?

Gozzi Im Fahrzeugpool stellen wir um, das sind aber Pkw. Im Behelfskrankentransport werden wir auch in die Richtung gehen, das sind ebenfalls Pkw. Die anderen Fahrzeuge wären mit einem Elektromotor einfach zu schwach für den Einsatz. Aber wir prüfen ständig, was sich auf dem Markt tut.

Die Ladedauer ist sicher auch ein Thema?

Gozzi Ja, wie auch die Größe des Akkus. Ein Auto mit fünf Tonnen wird unpraktikabel, vor allem in den Talschaften. Ich kann einem Patienten nicht sagen: Ich muss jetzt mal zehn Minuten laden, dann können wir weiter.

"Elektromotoren wären für Rettungsfahrzeuge einfach zu schwach"
Gozzi: ” Man kann natürlich immer einen ganzen OP einbauen. Den müsste dann halt jemand bedienen können, sonst bringt er nicht viel.” VN/Rhomberg

Im Herbst wurde Kritik laut, dass Vorarlberger Rettungsautos schlechter ausgestattet sind als jene im grenznahen Ausland. Tun Sie was dagegen?

Gozzi Wir haben schon die modernsten und neuesten Fahrzeuge innerhalb Österreichs und im Vergleich zum grenznahen Bereich. Kein Auto ist älter als vier Jahre. Seit 2025 wird jedes Auto mit elektrischen Fahrtragen ausgestattet. Wir sind auf jenem Stand der Technik, der gesetzlich machbar ist. Man kann natürlich immer einen ganzen OP einbauen. Den müsste dann halt jemand bedienen können, sonst bringt er nicht viel.

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Derzeit werden Rufe laut, die Ausbildung zu verlängern. Im Ausland kann sie bis zu drei Jahre dauern.

Gozzi Schon seit vielen Jahren fordern wir eine Novellierung des Bundesgesetzes. Es braucht einen Berufsschutz für Rettungssanitäter. Wichtig ist auch mehr Durchlässigkeit. Wenn eine diplomierte Pflegekraft bei uns mitarbeiten möchte, hat sie schon eine hohe Ausbildung, da müsste sie gewisse Module nicht mehr machen. Und wir finden es wichtig, dass die dreistufige Ausbildung um eine vierte Stufe ausgeweitet wird.

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Bessere Ausrüstung kostet Geld. Sind Sie da auch abhängig von der Politik?

Gozzi Wir arbeiten gerade mit dem Land an einer neuen Leistungsvereinbarung, in der auch die Art der Fahrzeuge festgeschrieben wird. Es ist ja nicht so, dass der hohe Standard von Land und Gemeinden nicht gewollt ist. Sonst würden bei uns Autos fahren, die 50 Jahre alt sind, wie in Deutschland.

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In der aktuellen Budgetlage dürfte es aber nicht einfach sein, eine neue Leistungsvereinbarung zu verhandeln?

Gozzi Natürlich nicht, aber wir haben das gleiche Ziel, nämlich die bestmögliche Versorgung sicherzustellen. Die Vereinbarung sollte heuer im Herbst fertig sein.

Dazu kommt: Nicht jeder Krankentransport ist notwendig.

Gozzi 38 Fahrzeuge führen pro Jahr rund 85.000 Transporte durch. Es kommt zu bestimmten Uhrzeiten zu Engpässen: Ordinationen haben Öffnungszeiten, Spitäler bestellen am liebsten alle gleichzeitig ein. Nur ganz wenige Abteilungen takten ihre Patienten stundenweise. Wenn ich 60 Patienten habe, die um 9 Uhr irgendwo sein sollten, aber nur 40 Fahrzeuge, dann geht sich das nicht aus. Darum machen wir Mehrfachtransporte und appellieren, dass die Krankenhäuser nicht zehn Patienten um 9 Uhr in die Ambulanz bestellen. Zudem soll heuer das digitale Krankentransportanmeldesystem eingeführt werden.

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VN/RhombergGozzi zum Selbstbehalt für Krankentransporte: “Davon merken wir nichts.”

Die ÖGK hat einen Selbstbehalt eingeführt. Hat sich diese Maßnahme ausgewirkt?

Gozzi Davon merken wir nichts.

Was bedeutet die Entscheidung der KHBG, dass keine Diplomierten mehr in den Notarztfahrzeugen mitfahren?

Gozzi Beim Roten Kreuz steht jedem Notarztfahrzeug ein Notfallsanitäter zur Verfügung. In Vorarlberg ist historisch gewachsen, dass an manchen Standorten zusätzlich Pflegekräfte mitgefahren sind. Das ist sonst in ganz Österreich nicht der Fall, die Sterblichkeitsrate ist dort aber nicht höher. Für uns ändert sich also nichts, außer dass der Notfallsanitäter seine Kompetenzen endlich anwenden kann.

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