Kommentar: Infantile Spiele
Falls ich das an dieser Stelle noch nicht verraten hab. Ich schaue leidenschaftlich gerne Fußball. Aber selten. Irgendwie fehlt die Zeit. Und die Frankfurter Eintracht nimmt ihre Fans ja jedes Jahr auf emotionale Achterbahnfahrt, auch wenn der Trainer nicht immer aus Altach stammt, wie Adi Hütter.
Wenigstens die Fußball-Weltmeisterschaft gönne ich mir ab und zu. Letztes Mal schon mit ziemlich schlechtem Gewissen, wenn man nur daran dachte, wie die WM in Katar mit dem großen Geld des Öl-Business und der Sklavenarbeit auf den Baustellen erkauft worden ist. Nun also soll die nächste in zwei Wochen beginnen. Und wird unter wirklich ganz eigentümlichen Bedingungen abgehalten. Über die man schon gar nicht reden möchte. Als man vor Jahren die Spiele an die USA, Kanada und Mexiko vergeben hat, konnte sich wohl kaum jemand vorstellen, dass die USA den Kanadiern inzwischen mit einer Annexion drohen und die Nachbarn im Süden mit einem Tornado von Beleidigungen überziehen würden. Nun führen die USA auch noch einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg mit rätselhaften Zielen und ungewissem Ausgang gegen den WM-Teilnehmer Iran, der in Kalifornien sein erstes Spiel gegen Neuseeland austragen wird. Was da wohl los sein wird.
2018 hat Trumps früherer Chefideologe Steve Bannon das Grundprinzip von Trumps Politik auf eine einfache Formel gebracht, die bis heute gilt: „Flood the Zone with Shit“. Und so werden wir bis heute mit unappetitlichen News aus dem weißen Haus überflutet. Jeden Tag eine neue Begründung, warum man Venezuela und dann den Iran überfallen hat, und bald auch Kuba oder Grönland oder Dänemark oder Kanada oder Mexiko? Und darüber, wie Steve Bannon oder Trumps heutiger Chefideologe Peter Thiel in Europa Wahlen zugunsten von AFD, FPÖ oder Le Pen manipulieren wollen. Und natürlich gibt es jeden Tag neue Nachrichten über ein bald geschlossenes Abkommen zwischen den USA und dem Iran, und ein paar Raketenangriffe zur akustischen Untermalung. Vielleicht ein Abkommen, in dem Trump und die Mullahs in Zukunft gemeinsam als Piraten in der Straße von Hormus Schutzgelder kassieren, wie Trump, der alte Witzbold, es schon mal launig angekündigt hat?
Die Kerosinpreise treibts in jedem Fall in die Höhe. Und wer weiß bei so viel „shit“, noch, was ernst gemeint ist und was nur dazu dient, die Allmacht zu zeigen, alles in goldene Wasserhähne zu verwandeln. Nachdem aus dem Friedensnobelpreis nichts wurde, bekam Trump wenigstens den Friedenspreis der FIFA von dessen Präsident Infantino überreicht. Noch so ein größenwahnsinniges kleines Kind. Und wir schauen zu und drücken Österreich die Daumen. Klar.
Hanno Loewy ist Autor und Literaturwissenschaftler.
Kommentar