Anpfiff für die Konjunkturerholung

Laut Wifo und IHS erholt sich die Wirtschaft langsam, aber das Budget bleibt ein Sorgenkind.
Wien “Österreich ist nicht mehr Tabellenletzter”, sagte Wifo-Chef Gabriel Felbermayr bei der gemeinsamen Präsentation der aktuellen Konjunkturprognose mit dem IHS. Für einen Weltmeistertitel wird es aber noch länger nicht reichen. Die heimische Wirtschaft kommt nach zwei schwierigen Jahren zwar wieder langsam in Bewegung. Die Erholung fällt aber verhalten aus – und bei den Staatsfinanzen bleibt der Aufholbedarf groß.
Trotz des eingeleiteten Sparkurses wird das Budgetdefizit in den kommenden Jahren nur langsam kleiner. Wifo und IHS erwarten für 2026 ein gesamtstaatliches Defizit von vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), 2027 soll es auf 3,7 Prozent sinken. Damit bleibt Österreich weiterhin deutlich über der von der Europäischen Union erlaubten Drei-Prozent-Grenze. Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) will diese Marke 2028 erreichen.
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Positive Signale
Für den Finanzminister gibt es dennoch positive Signale. Die Budgetlage verbessert sich unter anderem durch geringere Förderungen im Umweltbereich, eine nur teilweise Inflationsanpassung bei Pensionen und öffentlichen Gehältern sowie zusätzliche Einnahmen etwa durch die verlängerte Stabilitätsabgabe und die Paketabgabe.
Bei der Konjunktur fällt der Ausblick vorsichtig positiv aus. Österreichs Wirtschaft soll heuer trotz internationaler Krisen real um 0,8 Prozent laut IHS beziehungsweise 0,9 Prozent laut Wifo wachsen. Das Wifo bestätigte damit seine Prognose, das IHS erhöhte die Wachstumserwartung um 0,3 Prozentpunkte. “Das ist nicht stürmisch, das ist ganz passabel angesichts der Krisen”, sagte Felbermayr. Auch der Iran-Krieg belastete zuletzt über höhere Energiepreise die Stimmung, der Preisschock blieb laut IHS aber deutlich geringer als nach dem Ukraine-Krieg. Mit sinkenden Energiepreisen soll die Wirtschaft ab der zweiten Jahreshälfte wieder an Schwung gewinnen. Für 2027 erwarten die Institute ein Wachstum von rund einem Prozent.
84 Prozent Schuldenquote kommendes Jahr
Gleichzeitig steigen aber die Belastungen. Die Zinskosten nehmen zu, die Staatsschulden wachsen weiter. Die Schuldenquote dürfte laut den Prognosen bis 2027 auf knapp 84 Prozent des BIP steigen. Bereits nach der Präsentation des Doppelbudgets hatten Wifo, IHS, Fiskalrat und die Nationalbank Zweifel geäußert, ob die Maßnahmen für eine Rückkehr zur Drei-Prozent-Grenze ausreichen. Felbermayr bezeichnete das Erreichen des Ziels 2028 am Donnerstag als “schwierig, aber durchaus möglich”.
Private Haushalte unter Druck
Für die Bevölkerung bedeutet die Prognose keine Entspannung. Die hohe Inflation belastet weiterhin die Haushalte. Die Realeinkommen schrumpfen heuer, wodurch der private Konsum gedämpft wird. Die Inflation soll heuer bei rund drei Prozent liegen und im kommenden Jahr deutlich zurückgehen – auf etwa 2,3 Prozent laut IHS beziehungsweise 2,4 Prozent laut Wifo.
Auch der Arbeitsmarkt bleibt angespannt. Die schwache Wirtschaftsentwicklung der vergangenen Jahre wirkt nach. Die Arbeitslosenquote stieg von 6,3 Prozent im Jahr 2022 auf 7,4 Prozent im Jahr 2025. Für heuer erwarten Wifo und IHS noch einen Anstieg auf 7,5 Prozent, erst 2027 soll die Quote wieder leicht auf 7,3 Prozent sinken. Das entspräche rund 10.000 Arbeitslosen weniger im kommenden Jahr.
Der ÖGB warnt in diesem Zusammenhang vor zusätzlichen Sparmaßnahmen. “Kürzungsfantasien und Lohnzurückhaltung wären jetzt pures Gift für die wirtschaftliche Erholung”, erklärte ÖGB-Bundesgeschäftsführerin Helene Schuberth. Wer in einer Phase der Stabilisierung Einschnitte bei Pensionen oder im Gesundheitsbereich fordere, gefährde den Aufschwung. Stattdessen brauche es eine Stärkung der Kaufkraft, höhere Realeinkommen und verlässliche soziale Netze.