Kommentar: Und morgen drei Monate Ferien?
Unter normalen Umständen müsste man die politische Debatte über eine Vorverlegung der Sommerferien nicht einmal ignorieren: Am Höhepunkt einer Hitzewelle ist hier versucht worden zu zeigen, dass man eh etwas tut. Auch wenn Leute wie Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) und der Kärntner Landeshauptmann Daniel Fellner (SPÖ) daran mitgewirkt haben, kann man davon ausgehen, dass das spätestens im Herbst vergessen sein wird. Zu groß sind die Widerstände.
Schlimm? Woher! Der Vorstoß steht für den Umgang mit der Klimakrise. Maßnahmen zu ihrer langfristigen Eindämmung werden ebenso vernachlässigt wie solche zu ihrer Bewältigung. Erst wenn es zu spät ist, wacht man auf und überlegt sich, was man tun könnte.
Spätestens im Herbst wird der Vorstoß vergessen sein. Schlimm? Woher!
Heraus kommt eben eine Vorverlegung der Sommerferien: Es ist unbestritten, dass Temperaturen von über 30 Grad in Schulen unzumutbar sind, für Schülerinnen und Schüler genauso wie für Lehrerinnen und Lehrer. Zumal es zunehmend wärmer wird, der Frühling klimatisch immer früher endet und der Herbst später beginnt, müsste man die Ferien aber nicht verschieben, sondern verlängern. Auf zum Beispiel drei Monate. Was aus vielen Gründen unmöglich ist. Schon die bestehenden gut zwei Monate stellen erwerbstätige Eltern vor Herausforderungen.
Abgesehen davon wird hier seitens der Politik der Eindruck erweckt, es sei zuletzt ausschließlich in Schulen heiß geworden: Was ist mit Spitälern, Pflegeheimen etc.? Das Problem ist größer, hier geht es auch um Menschen, für die extreme Temperaturen lebensbedrohlich sind.
Wichtiger als eine Debatte über Schulferien wäre es, sich drei Ebenen umfassender Klimapolitik zu widmen. Um hinten anzufangen: Wie können möglichst alle Gebäude in wenigen Jahren klimafit in dem Sinne gemacht werden, dass sie ordentlich gedämmt und allenfalls mit Klimaanlagen ausgestattet sind? Ob Schulen, Pflegeheime oder Privathaushalte? Wobei es hier vor allem auch um jene geht, die wenig Geld haben: Diese Krise darf nicht dazu führen, dass sich Ungleichheiten ausweiten, dass es denen ganz unten noch übler geht.
Zweitens: Wie kann die Schubumkehr in der Umwelt- und Naturschutzpolitik gestoppt werden? Notwendig ist schließlich nicht mehr, sondern weniger Bodenversiegelung. Nachhaltigkeit statt vorgeblichen Hausverstands. Oder besser: ein Bemühen, bei jedem Bauvorhaben nicht nur einem Interesse gerecht zu werden, sondern mehreren, die zum Beispiel sowohl auf Standortsicherung als auch auf den Erhalt möglichst lebenswerter Bedingungen ausgerichtet sind.
Drittens: Was muss passieren, damit der Ausstieg aus Verbrennungsmotoren nicht länger als Bedrohung, sondern als Chance begriffen wird? In den vergangenen Monaten hätte sich eine solche geboten. Aufgrund stark erhöhter Spritpreise hat die Nachfrage nach E-Autos zugenommen. Da wäre jedoch viel mehr möglich gewesen. Politische Akzente wie die Spritpreisbremse verhinderten das jedoch genauso wie geplante Maßnahmen. So werden elektrische Firmenwagen im Zuge der Budgetsanierung weniger attraktiv gemacht – als wolle man sie nicht haben.
Johannes Huber betreibt die Seite dieSubstanz.at – Analysen und Hintergründe zur Politik.
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