Nach Tirols Aberkennung wächst der Druck auf Hermann Gmeiners Heimatgemeinde

Vergangene Woche erkannte der Tiroler Landtag Hermann Gmeiner den “Ring des Landes” ab. In Vorarlberg ist vieles noch im Fluss – oder vor allem für das Land vorerst abgeschlossen.
Alberschwende Vergangene Woche hat der Tiroler Landtag die Ehrungen für die ehemaligen Verantwortlichen von SOS-Kinderdorf, Hermann Gmeiner und Helmut Kutin, einstimmig postum aberkannt. Grund war der Bericht der Reformkommission der SOS-Kinderdörfer, der 16 Verdachtsfälle von sexuellem und schwerem sexuellem Missbrauch gegen Gmeiner sieht. Kutin wird regelwidriges Verhalten und mutmaßliches Wissen um Missbrauchsvorwürfe angelastet. Die Aberkennung sei “keine Auslöschung historischer Leistungen”, das Land dürfe aber Gewalt gegen Schutzbefohlene nicht symbolisch legitimieren.
Imst wiederum benennt die nach Gmeiner benannte Schule und Straße nun nach dem Ortsteil Sonnberg um. Und auch in Alberschwende ist man mitten in einem größeren Aufarbeitungsprozess, bei dem die Bevölkerung wie auch Experten eingebunden sind.
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Aufarbeitungsprozess
Am 8. Juli stellen sich Historiker Horst Schreiber, Landesmuseumdirektor Michael Kasper, Angelika Wehinger als Leiterin des Gewaltschutzzentrums des ifs Vorarlberg und Künstler Stefan Amann der Diskussionsrunde mit der Bevölkerung. Dabei will man sich auch der Frage stellen, wie man mit dem Denkmal und dem nach Hermann Gmeiner benannten Saal weiter verfahren will. Beginn ist um 19 Uhr in der Aula der Mittelschule.
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Ehrenzeichen
Im Dezember distanzierten sich die Landesregierung und der Landesehrenzeichenrat von der Verleihung der Ehrenzeichen an Hermann Gmeiner und Natalie Beer. “Wenn der Landesehrenzeichenrat und die Landesregierung sich distanzieren, dann ist das recht eindeutig”, sah Wallner durch diese Distanzierung zumindest eine symbolische Aberkennung der beiden Ehrenzeichen.
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Symbolisch, da das Ehrenzeichengesetz des Landes Vorarlberg keine Aberkennung vorsieht. Abseits davon lässt das relativ kurze Gesetz Interpretationsspielraum: So liest man vor allem in den Reihen der Landesregierung das Gesetz durchaus so, dass die Auszeichnung mit dem Tod des Ehrenträgers erlischt. Vor allem die Grünen wünschen jedoch die Möglichkeit einer Aberkennung, vor allem mit Blick auf die bekennende Nationalsozialistin und Dichterin Natalie Beer.
Umbenennungen
In Dornbirn ist die Umbenennung des Hermann-Gmeiner-Parks beschlossene Sache: Er wird Selma Mitteldorf gewidmet, einer Vorkämpferin der Säuglingsfürsorge. Sie wurde ein Opfer der nationalsozialistischen Rassenpolitik. In diesem Zug wird auch die Ludwig-Kofler-Straße zu Hugo-Lunardon-Straße umbenannt. Ersterer war ein aktiver Unterstützer des NS-Regime, zweiterer widersetzte sich dem Nationalsozialismus. Beim Hermann-Gmeiner-Weg ist man nach Anrainerkritik noch in Gesprächen. Sobald eine Lösung gefunden ist, werden neue Schilder aufgestellt.