Hermann-Gmeiner-Saal bekommt neuen Namen – Die Büste bleibt die heikelste Frage

Nach acht Monaten sucht Alberschwende noch einen passenden Umgang mit Gmeiners Erbe. Doch der Saal wird umbenannt.
Alberschwende Acht Monate wurde diskutiert, abgewogen und zugehört. Beim Diskussionsabend am Mittwoch zeigte sich: In Alberschwende zeichnet sich ein Konsens ab, wie mit den Spuren Hermann Gmeiners umgegangen werden soll – auch wenn über einzelne Punkte weiter kontrovers diskutiert wird.

Fix ist: Der Hermann-Gmeiner-Saal soll einen neuen Namen erhalten. Die Besucher konnten ihre Favoriten nach der Veranstaltung bewerten. Beschlossen werden soll die neue Bezeichnung des Saals am kommenden Montag in der Gemeindevertretung. Hermann Gmeiner die Ehrenbürgerschaft abzuerkennen, ist rechtlich nicht möglich, daher soll das Gemeindeparlament eine offizielle Distanzierung beschließen.
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Was passiert mit der Büste?
Am emotionalsten verlief die Diskussion über die Büste Hermann Gmeiners, die im Bereich der Schulen steht. Viele Bürger machten in ihren Wortmeldungen deutlich, dass sie dort keinen Platz mehr für das bronzene Porträt sehen. Michael Kasper, Direktor des Vorarlberg Museums, und Künstler Stefan Amann plädierten hingegen dafür, die Büste nicht einfach zu entfernen, sondern sich künstlerisch mit ihr auseinanderzusetzen.

Da die Büste nahe der Schulen und der Spielgruppe steht, formulierten viele Gäste ihren Unmut über die langwierige Entscheidungsfindung. Ein Vorschlag aus dem Publikum, die Büste vorübergehend wie eine Baustelle einzuhausen und so den laufenden Aufarbeitungsprozess sichtbar zu machen, fand breite Zustimmung.

Gerüchten nicht nachgegangen
Historiker Dr. Horst Schreiber ordnete die Ergebnisse des jüngst veröffentlichten Untersuchungsberichts ein. Dieser kommt zum Schluss, dass es über Jahre Hinweise und Gerüchte über Gmeiner gegeben habe, denen nicht konsequent nachgegangen worden sei. Vielmehr sei versucht worden, seinen guten Ruf zu schützen. Neue Quellen würden auf schwere sexuelle Übergriffe hindeuten. Gleichzeitig betonte Schreiber, dass die Arbeit des SOS-Kinderdorfes differenziert betrachtet werden müsse. Für viele Kinder habe das Kinderdorf damals bessere Lebensbedingungen geboten als die damaligen Heime.

Jeannine Harlacher vom Verein Schmetterlinge schilderte eindrücklich, wie schwer es Betroffenen sexualisierter Gewalt fällt, über ihre Erlebnisse zu sprechen – und wie wichtig eine Gesellschaft ist, die zuhört und unterstützt.
Der Wunsch nach Entscheidungen
Seit der ersten Bürgerversammlung im Dezember 2025 traf sich die eigens eingerichtete Arbeitsgruppe, deren Arbeit Connie Feuerstein vorstellte, mehr als ein Dutzend Mal, dazu kamen zwei Sitzungen der sogenannten “20er-Runde”. Ziel war ein gemeinsamer Weg, der die Gemeinde nicht spaltet. Zum Abschluss erklärte Bürgermeister Klaus Sohm, weshalb die Aufarbeitung Zeit brauche: Neben zahlreichen Expertengesprächen seien auch demokratische Entscheidungsprozesse notwendig.

Moderator Markus Barnay brachte die Stimmung des Abends schließlich auf den Punkt: Nach acht Monaten liege nun ein doch recht klares Meinungsbild auf dem Tisch, und jetzt brauche es halt Entscheidungen. “Das werdet ihr in der Gemeindevertretung ja wahrscheinlich hinkriegen?”, fragte er. Er erntete damit allgemeines Schmunzeln und kräftigen Applaus. MSO






