Wolfgang Burtscher

Kommentar

Wolfgang Burtscher

Kommentar: Sommergespräche

Politik / 19.07.2026 • 12:42 Uhr

Wann war für Politiker (m/w) ein Sommergespräch erfolgreich? Ein Zauberwort heißt Agenda Setting, also selbst ein Thema setzen. Weniger wichtig sind die Antworten auf die gestellten Fragen. Der legendäre Bundeskanzler Bruno Kreisky hat dies als erster in Österreich perfekt beherrscht. Nicht die Fragen haben die Gespräche geprägt, sondern die von Kreisky ausgesandten Botschaften. Ein Sommergespräch ist gelungen, wenn danach über die Botschaften gesprochen wird. Wie haben Vorarlbergs Spitzenpolitiker in den Gesprächen in diesem Blatt abgeschnitten? Beim Agenda Setting am besten Christof Bitschi mit einer zugespitzten Kernbotschaft: Der Vorarlberg-Kodex wird zu lasch umgesetzt. Eine konfliktträchtige Schlagzeile, leicht zitierbar, und verbunden mit einer grundsätzlichen Kritik an der Bundesregierung. Markus Wallner hingegen setzte weniger auf eine einzelne Schlagzeile, sondern auf eine politische Erzählung: Vorarlberg muss sparen, reformieren und gleichzeitig Zukunftsinvestitionen setzen. Das ist klassisches Agenda Setting eines Regierungschefs, mit dem Nachteil, dass die Botschaften weniger spektakulär sind. Am ehesten bleibt noch sein Eintreten für das Modell 8+2 beim Präsenzdienst haften. Claudia Gamon blieb konsequent bei wenigen Themen: Ehrlichkeit bei den Finanzen, Reformen, Bildung und wissenschaftliche Modernisierung. Das klang zwar glaubwürdig, bleibt aber im Gedächtnis des Publikums wenig hängen. Das Grünen-Duo Hammerer/Zadra hat viele Themen angesprochen, aber keine klare dominante Botschaft vermittelt. Mario Leiter würde gut daran tun, von Bruno Kreisky zu lernen. Er sprach engagiert und authentisch über Wohnen und soziale Gerechtigkeit. Aber es fehlte der eine Satz, der picken bleibt und vermittelt, welches Angebot er dem Wähler für den Herbst machen will.

Über den Erfolg eines Sommergesprächs entscheiden auch: Führungsstärke und Glaubwürdigkeit. Da hat Wallner, natürlich, gepunktet. Er hat kritische Fragen wie über die Spitäler ohne Ausweichmanöver beantwortet, bei ihm durchaus nicht üblich. Aber er ist eher der Verwalter, neue Akzente sind Mangelware. Selbstbewusst und angriffslustig ist Mario Leiter aufgetreten. Er hat, unfreiwillig, bestätigt, dass er ein Ablaufdatum hat, wenn er sagt, er sei ein glühender Verfechter junger Menschen in der Politik. Da gehört er wohl nicht mehr dazu. Gamon wiederum wirkte sicher, mit präziser Argumentation, aber weniger emotional als etwa Leiter. Christof Bitschi: sachlich, aber eher defensiv und als Regierungsmitglied deutlich vorsichtiger als früher. Bei Hammerer und Zadra zeigt sich: Es gibt Teamgeist, aber es fehlt eine wirkliche Führungsfigur. 

Bei Sommergesprächen gewinnt man selten neue Wähler. Aber man kann die eigenen verlieren. Politiker achten deshalb darauf, dass ihre Botschaften bei der eigenen Klientel ankommen. Also: Leiter versuchte die eigenen Leute, so viele sind es ja nicht mehr, durch scharfe Oppositionskritik bei der Stange zu halten.  Hammerer/Zadra natürlich mit Umweltfragen. Den Grün-Wählern ist vermutlich egal, dass ihre Parteispitze Antworten auf Finanzierung und Umsetzung ihrer Themen schuldig bleibt. Bitschis Balance zwischen Regierungspolitik und dem FPÖ-Profil, also alles einmal ablehnen, wollte nicht so richtig gelingen. Das ist den eigenen Fans aber eher egal. Gamon mit dem Fokus auf ein reformfreudiges und wirtschaftsliberales Publikum. Wallner setzte auf Stabilität, Erfahrung und Verlässlichkeit, um seine Stammwähler zu binden. Am Ende gilt für jedes Sommergespräch dieselbe Frage: Ist es den Politikern gelungen, den eigenen Anhängern Zuversicht zu vermitteln und den Eindruck zu hinterlassen, dass sie mit Überzeugung und Motivation in den politischen Herbst gehen?

Wolfgang Burtscher, Journalist und ehemaliger ORF-Landes­direktor, lebt in Feldkirch.