Peter Bußjäger

Kommentar

Peter Bußjäger

Kommentar: Googeln kostet

Politik / 23.07.2026 • 15:54 Uhr

Die oberösterreichische Gemeinde Kronstorf an der Enns war bis vor kurzem in Österreich wenig bekannt. Seit der Google-Konzern in diesem Ort ein Rechenzentrum errichtet, ist die Aufregung groß. Kritisiert wird etwa der enorme Flächen- und Stromverbrauch und dass das zur Kühlung benötigte Wasser mit einer Temperatur von 30 Grad wieder in die Enns zurückgeleitet wird.

Soweit bekannt, wurde die Bewilligung in Einklang mit den österreichischen Rechtsvorschriften erteilt: Google hat sich das Grundstück schon vor langer Zeit gesichert, die benötigte Flächenwidmung liegt vor, bau- und gewerberechtliche Genehmigung sind einschließlich der Bewilligung für die Aus- und Einleitung des Kühlwassers in die Enns erteilt. Dies erfolgte wohl auch deshalb, weil der Anteil des Kühlwassers am Gesamtdurchfluss der Enns minimal bleibt, nämlich etwa 0,1 Prozent.

Eine sogenannte Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) war nicht erforderlich. Prompt meldeten sich Politiker, die reflexartig eine Verschärfung des Gesetzes einmahnten. Dabei ist es gerade erst ein paar Monate her, dass unsere Bundesregierung, allen voran Staatssekretär Schellhorn, UVP-Verfahren beschleunigen und vereinfachen wollte. Aber was zählen solche Versprechungen, wenn gerade eine „neue Sau durchs Dorf getrieben“ wird.

Die Industrie sollte keinen Boden versiegeln, nicht stören und möglichst keine Energie verbrauchen. Am besten, so hat man den Eindruck, sollte sie nicht existieren, aber trotzdem zum Wohlstand des Landes beitragen. Beides gleichzeitig wird aber nicht zu haben sein.

Vielleicht macht Kronstorf aber wenigstens deutlich, dass die „digitale Transformation der Gesellschaft“, wie Googeln und die Nutzung Künstlicher Intelligenz hochtrabend genannt werden, nicht zum Nulltarif zu bekommen sind. Vor allem die Künstliche Intelligenz, ohne welche heute kaum noch eine Recherche erfolgt, treibt den Stromverbrauch gewaltig an. Der Bau von Rechenzentren ist nur eine Konsequenz dieser Entwicklung. Es ist gut, wenn die einen oder anderen dieser Infrastrukturen auch in Österreich errichtet werden.

Peter Bußjäger ist Professor am Institut für Öffentliches Recht der Universität Innsbruck.