Sparbudget trifft Frauen härter

Das Doppelbudget belastet Frauen stärker als Männer, vor allem durch Kürzungen bei Sozialleistungen.
Wien Frauen haben weniger Einkommen – und tragen trotzdem einen größeren Teil der Budgetsanierung. Das zeigt eine neue Analyse des Momentum Instituts zum Doppelbudget 2027/28. Frauen verfügen in Österreich über rund 40 Prozent der Einkommen, tragen von 2027 bis 2031 aber 46 Prozent der Netto-Budgetkonsolidierung.
“Frauen haben deutlich weniger Einkommen zur Verfügung und schultern trotzdem einen überproportionalen Teil der Budgetsanierung”, sagt Nicolas Prinz, Ökonom und Mitautor des Reports. “Wer bei Sozialleistungen kürzt, kürzt deshalb nicht geschlechtsneutral. Die bestehenden Einkommensunterschiede werden durch dieses Budget eher größer als kleiner.”
Gemessen am verfügbaren Einkommen verlieren Frauen durch die geplanten Maßnahmen im Durchschnitt der Jahre 2027 bis 2031 0,86 Prozent ihres Einkommens, Männer 0,70 Prozent. Die Kürzungen treffen Frauen mit 1,58 Prozent ihres Einkommens stärker als Männer mit 1,43 Prozent. Gleichzeitig profitieren Männer etwas stärker von zusätzlichen Ausgaben und Steuersenkungen.
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Wo Frauen besonders betroffen sind
Der Grund liegt vor allem darin, wo der Staat spart. Die fünf Sparmaßnahmen, die Frauen gemessen an ihrem Einkommen besonders stark treffen, kommen allesamt aus dem Sozialbereich. Dazu gehören höhere Arbeitslosenversicherungsbeiträge für Geringbezahlte, das Aussetzen der Inflationsanpassung bei Familienleistungen und beim Kinderabsetzbetrag, Kürzungen bei Kuren sowie Änderungen beim Altersteilzeitgeld.
“Bei Frauen spart die Regierung besonders häufig bei sozialen Leistungen und niedrigen Einkommen. Männer werden stärker über Maßnahmen belastet, die hohe Einkommen treffen. Das ist ein entscheidender Unterschied für die Verteilungswirkung des Budgets”, sagt Prinz.
Besonders deutlich wird die Schieflage bei den Arbeitslosenversicherungsbeiträgen für Geringbezahlte: Rund 1,5 Millionen Menschen sind betroffen, etwa 68 Prozent davon Frauen. Das entspricht rund einer Million Frauen. Im Vollausbau zahlen sie dadurch jährlich rund 441 Millionen Euro zusätzlich, Männer weniger als 200 Millionen Euro. Die Situation am Arbeitsmarkt ist besonders für ältere Arbeitnehmerinnen angespannt: Bereits jetzt gehen jede dritte Frau und jeder vierte Mann aus der Arbeitslosigkeit in die Pension.
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Mehr zahlen, mehr zurückbekommen
Das Bild ist nicht einfach: In absoluten Euro-Beträgen tragen Männer aufgrund ihrer höheren Einkommen mehr zur Budgetsanierung bei. Gleichzeitig profitieren sie auch stärker von Entlastungen. Männer sind vor allem von Maßnahmen betroffen, die höhere Einkommen treffen – etwa von der höheren Höchstbeitragsgrundlage, der Besteuerung von E-Auto-Sachbezügen oder höheren Beiträgen auf Luxuspensionen.
Der entscheidende Unterschied ist deshalb nicht nur, wer mehr Euro zahlt, sondern wie stark diese Zahlungen das jeweilige Einkommen treffen. Frauen tragen über den gesamten Zeitraum 43 Prozent der Kürzungen, erhalten aber nur 40 Prozent der zusätzlichen Ausgaben und Steuersenkungen. “Die Aufteilung des Sparpakets zwischen Frauen und Männern zu gleichen Teilen ist nicht automatisch fair. Entscheidend ist nicht, wie viele Euro Frauen und Männer beitragen, sondern die wirtschaftliche Ausgangslage”, betont Prinz.
Nur 11 von 96 Maßnahmen genauer geprüft
Besonders kritisch sieht das Momentum Institut den Budgetprozess selbst. Obwohl der Staat gesetzlich verpflichtet ist, die tatsächlichen Auswirkungen auf die Gleichstellung zu berücksichtigen, wurden in der Wirkungsfolgenanalyse des Budgets nur 11 von 96 Maßnahmen genauer auf ihre Auswirkungen auf Frauen und Männer untersucht.