Irlands geheimnisvoller Osten

Die Region im Norden Dublins hat zahlreiche Schätze zu bieten, die darauf warten, entdeckt zu werden.
Irelands Ancient East, Irlands alter Osten, nennt sich die noch weitgehend unberührte Region nördlich und südlich von Dublin. Unser erstes Ziel führt uns von Dublin zum legendären, aber bei Touristen noch vergleichsweise unbekannten Uisneach Hill. Guide und Archäologe Justin Moffatt erwartet uns bereits voller Vorfreude. Seine Begeisterung für seine Arbeit kann man schon nach wenigen Sätzen und beim Blick in seine leuchtenden Augen erkennen. „Ich kann nicht glauben, wie schön das Wetter heute ist. Wir werden die ganze Insel überblicken können“, erzählt er uns mit einem Lachen, bevor er uns mit auf einen Fußmarsch über die idyllischen, leuchtend grünen Felder und Wiesen nimmt. Uisneach wirkt auf den ersten Blick wie eine normale landwirtschaftliche Fläche. Zufrieden grasende Kühe schauen uns neugierig an, als wir an ihren Weiden vorbei bis zum Catstone, dem Fels der Teilung, spazieren. Während wir die malerische Landschaft mit ihren sanften Hügeln und den zierlichen Bäumen bewundern und die Aussicht auf angebliche 22 Grafschaften genießen, erzählt uns Justin spannende Geschichten über die alten Steinmauern und den riesigen Felsen, an dem einst fünf irische Provinzen aufeinandertrafen und unter dem Ériu eine Königin der irischen Mythologie ruhen soll. Zugegeben, man muss vielleicht ein bisschen Sinn für Sagen und Märchen mitbringen, um die Faszination dieses Ortes zu spüren, aber wer Irland bereist wird schnell merken, dass diese Sagen ein wichtiger Teil der irischen Kultur sind. Es ist kein Zufall, dass man auf der Fahrt durch das Land überall die hübschen Bäume und Büsche auf den Äckern sieht. Kein Bauer würde sich trauen, sie zu fällen, sind sie doch von Elfen bewohnt, die nicht gestört werden dürfen. Ganze Straßenprojekte wurden in den letzten Jahren schon gestoppt, um die sagenumwobenen Bewohner nicht zu verärgern, denn wer sie stört muss mit bösen Überraschungen rechnen. Und auch wenn die Iren dafür oft belächelt werden: Es ist nicht zuletzt dieser Aberglaube, der dafür verantwortlich ist, dass die Insel noch heute so ursprünglich und naturbelassen ist, ist auch Justin überzeugt. Bei der Fahrt zu unserem nächsten Stopp im Osten Irlands wird uns schnell klar, wovon er redet. Kilometerlang schlängelt sich die schmale Straße vorbei an wunderschönen, unverbauten Seen, an denen Angler ihr Glück versuchen, und über Hügel, die höchstens von Kühen und Schafen bewohnt werden. Dazwischen
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