Fahrt auf dem Canal de Garonne

07.06.2019 • 09:04 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Mit dem Hausboot lässt sich der Südwesten Frankreichs entspannt erkunden.

Urlaube mit dem Hausboot liegen im Trend und im Südwesten Frankreichs lässt sich die gemächliche Fahrt wunderbar mit Kultur, Natur und Kulinarik verbinden. Neu-Aquitanien heißt die erst 2016 gegründete französische Region, die Aquitanien, Limousin und Poitou-Charentes zusammenfasst und heute die größte Region Frankreichs ist. Während der Canal du Midi, der Toulouse mit dem Mittelmeer verbindet, den Meisten ein Begriff ist, gilt der Canal láteral à la Garonne, kurz Canal de Garonne, noch als Geheimtipp. Eine gute Autostunde südlich von Bordeaux befindet sich am Hafen des beschaulichen Örtchens Le Mas d’Agenais eine der Basen von Le Boat, einem Anbieter, der Hausboote in ganz Europa und Kanada vermietet.

In der Station werden wir bereits erwartet. Die „Magnifique“, wie der vielversprechende Name unseres Bootes lautet, steht schon bereit und die Übergabe kann beginnen. Führerschein braucht man für die Fahrt keinen. Nach einer ausführlichen Einschulung und der Ernennung eines offiziellen Kapitäns, der für die Dauer der Fahrt die Verantwortung trägt, können auch wir als Ungeübte mit dem Hausboot über den Kanal gleiten. Unser Zuhause für die nächsten Tage hält, was der Name verspricht. An Bord gibt es vier Kabinen mit eigenen Badezimmern, eine großzügige Küche und natürlich ein Deck, an dem man bei gutem Wetter unter dem Sonnenschirm den Urlaub genießen kann. Nach einem kurzen Einkauf im Supermarkt, um für die Fahrt gerüstet zu sein, besuchen wir erstmal Le Mas d‘Agenais, dessen Highlight neben dem typisch südfranzösischen Flair, das bei uns sofort Urlaubsstimmung aufkommen lässt, die frisch restaurierte Kirche Saint-Vincent ist, in der sich ein echter Rembrandt befindet.

Leinen los!

Nach einer Nacht im Hafen geht die Fahrt mit dem Hausboot endlich los. „Leinen los?“ fragt Katja, die als Erstes das Steuer übernimmt. „Leinen los!“, rufe ich freudig von hinten zurück und blicke ein letztes Mal auf den kleinen Hafen. Links von uns fließt die Garonne, die aufgrund vieler Eigenheiten und der launischen Wasserführung für Schiffe nur sehr schwer befahrbar ist. 1856 wurde deshalb der Kanal in Betrieb genommen, der neben der Eisenbahn einen wichtigen Wasserweg für Handelsschiffe bildete. Damals zogen Pferde die Kähne flussaufwärts. Heute fahren nur noch Touristenboote auf dem Kanal. Die sogenannten Treidelpfade, auf denen früher die Pferde gingen, dienen als Rad- und Wanderwege.

Während Katja mit 8 km/h auch schon die erlaubte Höchstgeschwindigkeit erreicht hat, werfe ich einen Blick auf die detaillierte Flusskarte, in der alle Schleusen und Anlegeplätze eingezeichnet sind. Auf beiden Seiten des Kanals ragen die Bäume in die Höhe und verschiedenste bunte Vögel begleiten uns auf unserem Weg. Bei der Fahrt mit dem Hausboot geht es nicht darum, möglichst viele Kilometer zurückzulegen. Vielmehr zählen hier die Ruhe und die Nähe zur Natur, die uns den Alltagsstress in kürzester Zeit vergessen lassen.

Teamwork an den Schleusen

Etwas Arbeit kommt dann aber bei der ersten Schleuse, die nicht lange auf sich warten lässt, doch auf uns zu. Mit einem freudigen „Bonjour“ begrüßt uns Thierry, den wir bereits am Tag zuvor beim Abendessen kennengelernt haben, als wir gerade dabei sind, in der Schleuse unser Boot anzulegen. Gemeinsam mit seiner Frau führt der gebürtige Belgier im ehemaligen Schleusenwärterhaus ein Restaurant. Da die Schleusen heute automatisch funktionieren, werden für die leerstehenden Häuser neue Pächter

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