VN-Reisebericht: Neuseelands Nordinsel

Reise / 04.01.2020 • 16:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
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Goldfarbene Strände, saftig grüne Weiden, blau schimmernde Gletscherfelder. Und manchmal faucht ein Vulkan.

Wellington In Momenten wie diesen ist man heilfroh um jedes Pfund auf den Rippen. Denn bei Sturmböen bis zu 100 Kilometer in der Stunde müsste ein Leichtgewicht befürchten, wie ein Stück Papier davonzusegeln. So kauern wir am Boden, um dem wütenden Sturm möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten. Wir sind unterwegs auf dem Tongariro Trail. Trittfestigkeit und eine gute Kondition braucht man für den 20 Kilometer langen Trail, der über den Ngauruhoe Vulkan führt. Mit Erreichen des Gipfels landet man auf der windgeschützten Seite des Bergs. Uff, geschafft. Lohn der Aufregung ist der Blick auf eine fast außerirdisch wirkende Lavalandschaft und smaragdgrüne Kraterseen, die Emerald Lakes. Kein Wunder, dass die kargen Lavafelder in den „Herr der Ringe“-Filmen als Ort für Mordor herhalten mussten. Unser sturmumtoster Vulkan durfte den Schicksalsberg mimen. Am Ufer eines Sees legen wir die dringend herbeigesehnte Rast ein, bevor wir die zweite Hälfte der Wegstrecke bergab in Angriff nehmen. In der Ferne können wir den riesengroßen, tiefblauen Kratersee Lake Taupo ausmachen, unser nächstes Etappenziel.

Wir sind auf der Nordinsel Neuseelands unterwegs. Und wie vermutlich für jeden der jährlich 3,5 Millionen Besucher geht auch für uns ein lang gehegter Reisetraum in Erfüllung. Schnell vergessen ist die rund 30-stündige Anreise aus Deutschland und der bei zwölf Stunden Zeitunterschied unvermeidliche Jetlag. Bereits nach den ersten zwei Tagen in der Metropole Auckland, wo rund ein Drittel der 4,5 Millionen Einwohner Neuseelands leben, hat uns der Kiwi-Charme am Wickel. Multi-Kulti-Flair, lässiger Lebensstil, todschicke Bars und Restaurants und power-geladene Leute, die mit einer Extraportion Freundlichkeit und guter Laune gesegnet sind. Die Region rund um Auckland wird von 48 Vulkangipfeln dominiert, von denen aus sich spektakuläre Rundumblicke über die Stadt und den Hafen öffnen. „City of Sails“ wird Auckland wegen der weltweit höchsten Segelboot-Dichte pro Kopf auch genannt.

Kaum haben wir mit dem Campmobil die Stadt in Richtung Süden verlassen, tauchen wir ein in saftiges Grün und Ginstergelb. Schaf-, Rinder- und Pferdeweiden und dschungelartige Wälder flankieren die Straße. Was man auf den ersten Blick für Palmen halten mag, sind die bis zu zehn Meter hohen Silberfarne – Neuseelands Nationalpflanze. Auf der Fahrt zu unserem ersten Übernachtungsziel in Wohakune ist der Landschaftsgenuss durch die Umstellung auf Linksverkehr ein wenig eingeschränkt. Doch bald legen sich die Norvosität und die Unsicherheit. Der Ort Wohakune liegt am Rande des Tongario Nationalparks. Er ist nicht nur Ausgangspunkt zum Tongariro Trail. Auch Neuseelands höchster Vulkan, der Ruapehu (2797 Meter), ist in der Nähe. An seinen Flanken breitet sich das größte Skigebiet auf der Nordinsel aus. Auch nach Ende der Skisaison im Oktober gelangt man mit dem Sessellift zur Bergstation und kann den Ausblick in die grüne Ebene genießen. Vulkane, Geysire und heiße Quellen, blubbernde Schlammlöcher – im Inneren der Nordinsel wimmelt es nur so davon. Überall faucht und raucht es, schießen Wasser-Rauch-Säulen in den Himmel.

Der Ruapehu ist mit 2797 Metern der höchste Vulkan Neuseelands und ein beliebtes Skigebiet.<span class="copyright">Shutterstock</span>
Der Ruapehu ist mit 2797 Metern der höchste Vulkan Neuseelands und ein beliebtes Skigebiet.Shutterstock

Von Whakatane aus geht es mit dem Schiff in die Bay of Plenty nach White Island, Neuseelands einzigem aktiven Meeresvulkan. Für die Inselwanderung über die verkarsteten Gesteinsfelder werden Helme und Gasmasken verteilt. Kein Gag, sondern notwendige Maßnahme, denn die Dämpfe beißen sich in die Atemwege. Mit jeder Minute wächst der Respekt vor den Naturgewalten. Das laute Fauchen und Zischen erweckt den Eindruck, gleich würde die Erde aufbrechen. Auf der Rückfahrt zum Festland bekommt man mit etwas Glück Wale zu sehen.

Unbedingt probieren sollte man am Meer auch die Coromandel-Muscheln mit ihrer typisch grünlichen Schale. Gegart in Zwiebel-Weißweinsoße, dazu ein Knoblauchbrot… das Leben kann so schön sein. Doch irgendwann ist die Reise zum anderen Ende der Welt zu Ende, es geht wieder in Richtung Heimat. Mit wunderschönen Bildern im Kopf und einem Rest Muskelkater in den Beinen. Brigitte von Imhof (SRT)

Neuseeland

Hauptstadt Wellington

Bevölkerung 4,794 Millionen

Kontinent Ozeanien

Beliebte Reiseziele Queenstown, Auckland, Rotorua, Christchurch

Währung Neuseeland-Dollar

Amtssprachen Englisch, Maorische Sprache, Neuseeländische Gebärdensprache

Die All Blacks sind Neuseelands Rugby-Helden. <span class="copyright">Shutterstock</span>
Die All Blacks sind Neuseelands Rugby-Helden. Shutterstock
Einheimische wie Urlauber nutzen die Halbinsel Coromandel, um sich zu entspannen. <span class="copyright">Shutterstock</span>
Einheimische wie Urlauber nutzen die Halbinsel Coromandel, um sich zu entspannen. Shutterstock