Zwischen den Kontinenten

Reise / 10.01.2020 • 10:01 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Die isländische Silfra-Spalte zählt zu den aufregendsten Tauch- und Schnorchelspots der Welt.

Das Außenthermometer zeigt 19 Grad. Minus 19 Grad. Und es geht zum Schnorcheln. Nicht in einem der vielen isländischen Warmwasser-Schwimmbäder oder in der dampfenden blauen Lagune, sondern bei zwei Grad Wassertemperatur in der berühmten Silfra-Spalte am Thingvellir-See – mitten in der Wildnis. Doch so unscheinbar der Wasserlauf in der leicht welligen Schneelandschaft aussehen mag: Wegen des extrem klaren Wassers und weil hier zwei Kontinente auseinanderdriften, gilt diese als einer der besten Tauch- und Schnorchel-Spots der Welt. Im Sommer strömen hier – erst recht seit Island so enorm boomt – nicht nur Wassermengen durch den natürlichen Kanal, sondern auch jede Menge Touristen. Im Winter hingegen ist wenig los und die Temperaturen im Wasser sind ohnehin das ganze Jahr über gleich kalt. „Es ist der kälteste Tag, an dem wir das je gemacht haben“, sagen Max und Ian, die Trockenanzüge von M bis XXL reichen, steif gefrorene Tauchanzüge mit warmem Wasser spülen und vor allem skeptische Teilnehmer überzeugen. Letztlich willigen alle in das bizarre Vorhaben ein. Guide Gaddi verrät noch Tricks für „untenrum“: „Thermowäsche, doppelte Socken und auf keinen Fall Baumwolle“, denn wenn das nass wird, kühlt der Körper sehr schnell aus. Auskühlen – da bekommt man beim Umziehen auf dem Parkplatz inmitten des Nationalparks einen Vorgeschmack. Einige aus der Gruppe lassen im beheizten Van die Hosen runter, doch nicht für alle ist Platz. Also streifen manche in der Kälte, die selbst für isländische Verhältnisse eisig ist, Schneehose, Jacke und Pullover ab und hüpfen rasch in den XXL-Teddybärenanzug und in den superengen Neoprenanzug. Dann watscheln sie wie behäbige Michelin-Männchen los und kommen schon nach drei Minuten am Einstieg an. Wäre da nicht die stählerne Plattform, würde man die Spalte kaum als solche erkennen. Schließlich sieht sie aus wie ein größerer Bach, der sich hier durch die niedrig bewachsene Landschaft schlängelt. Doch der wenige bis maximal zehn Meter breite Wasserlauf, der nach einigen

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