Ein Berg wie gemalt

Reise / 14.02.2020 • 09:34 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Magisches Japan: Die halbe Welt möchte den Fuji besteigen. Neuerdings gibt es eine viel komfortablere Variante.

Um sieben Uhr früh, wenn der See noch daliegt wie ein Tischtuch, kein Lüftchen die spiegelglatte Oberfläche bewegt, und nur das Eintauchen der Paddel zu hören ist, dann ist das eine magische Zeit am Kawaguchi-See. Noch wabern Nebel über dem Wasser. An manchen Stellen können wir kaum die eigene Nase vor unseren Augen sehen. Doch wir wissen: Irgendwo da hinten muss er sein, der Berg. Aber fangen wir von vorne an: Wir sind um kurz nach sechs aufgestanden. Verschlafen sind wir im Bus vom Hoshinoya Fuji Resort die engen Kehren zum See hinuntergeschaukelt. Der Guide hat uns eine kurze Einweisung gegeben: im Kanu nicht zu hektisch das Gewicht verlagern, gleichmäßig rudern, nicht aufstehen. Und jetzt gleiten wir quasi lautlos über das spiegelglatte Wasser. Während alle Welt den Fuji besteigen will, haben wir eine viel komfortablere (und fotogenere) Möglichkeit gewählt, dem Berg nahezukommen: mit dem Kanadier, dem Kanu, auf einem der schönsten Seen Japans.

Der Everest Japans

Der Fuji ist das Wahrzeichen des Landes und eine Vergleichsgröße wie das Matterhorn, der Kilimandscharo und der Mount Everest. Er ist sozusagen der Everest Japans. Nur ästhetischer, wohlgeformter, ja quasi perfekt. Japaner verehren den 3776 Meter hohen Berg genau deswegen: wegen seiner makellosen Form. Seit Jahrhunderten ist der Fuji ein Objekt von religiöser Bedeutung und künstlerischer Inspiration. Er taucht als Kulisse in Romanen auf, sein Bild ziert Postkarten, T-Shirts und Reisschüsseln, seine Schönheit wird in zahlreichen Büchern gepriesen und in Liedern besungen. Der japanische Dichter Matsuo Basho (1644–1694) schrieb einst über den höchsten Berg Japans: „Wolken und Nebel zaubern in jedem Augenblick hundert Kulissen.“ Heute will gefühlt ganz Japan auf den Berg. Im Sommer, wenn der Aufstieg während weniger Wochen

Fortsetzung auf Seite G2