Leben und leben lassen

Reise / 29.04.2022 • 10:16 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Leben und leben lassen

Amsterdam: Die niederländische Metropole überrascht mit einer gelungenen Mischung aus Alt und Neu.

Dieses legendäre Hotel hat eine etwas anrüchige Nachbarschaft, aber so ist das halt in Amsterdam. Dem von der Accor-Hotelgruppe zur Legende erhobenen „Sofitel The Grand“ im ehemaligen Rathaus der Stadt, wo niederländische Geschichte geschrieben wurde und sich der Hochadel ein Stelldichein gab, ist es auch kein bisschen peinlich, dass sich gleich nebenan im Rotlichtviertel die Frauen im Schaufenster ausstellen und aus den Coffee-Shops die Marihuana-Schwaden wabern. Im Gegenteil. Dort, wo das Leben braust, ist Amsterdam ganz bei sich. „Der Red Light District“, sagt Sebas van der Sangen, „ist Teil dessen, was wir den roten Teppich der Stadt nennen.“ Der Niederländer mit dem blonden Lockenkopf ist überzeugter Amsterdamer, der diese Stadt liebt, die so lebendig ist trotz der jahrhundertealten Bauten an den Grachten. Er liebt „das magische Gefühl am Abend auf dem Boot, wenn alles erleuchtet ist und die Häuser im Wasser Kopf stehen“. Er liebt es, sich treiben zu lassen durch die Cafés und Bars, die es zuhauf gibt in Amsterdam und die einfach gemütlich sind. „Das ist Leben“, sagt er, „das macht mich glücklich.“

Glücklich scheinen die meisten Menschen zu sein in dieser Stadt, die so gar nichts Museales hat. Mürrische Gesichter sieht man hier kaum. Vielleicht liegt es daran, dass Amsterdam sich in seinem Herzen an das „menschliche Maß“ gehalten hat, dass es auf jede Hochstapelei verzichtet und stattdessen Wert legt auf die richtige Mischung zwischen Geschäften, Restaurants, Wohnhäusern und allem, was dazugehört. Das sind in Amsterdam vor allem Fahrräder. Rund eine Million gibt es davon in der Stadt, viele mit angehängtem Kinderwagen oder auch Lastenräder. Und alle – nicht nur die teuren E-Bikes – sind mit einer schweren, dicken Kette versehen, mit der ihre Besitzer das Zweirad an Brückengeländer oder an Straßenlaternen ketten. So ein Drahtesel ist schließlich schnell entwendet und landet dann womöglich in einer der Grachten. Tag für Tag ziehen die Grachtenreiniger Fahrräder aus dem Wasser. Anders als in den meisten europäischen