Statt Pomp Volksnähe und Bescheidenheit

Spezial / 19.03.2013 • 22:18 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Menge auf dem Petersplatz empfing Papst Franziskus wie einen Popstar, der antwortete mit entsprechender Geste: Daumen hoch statt segnende Gebärde. Foto: AP
Die Menge auf dem Petersplatz empfing Papst Franziskus wie einen Popstar, der antwortete mit entsprechender Geste: Daumen hoch statt segnende Gebärde. Foto: AP

Papst Franziskus begeistert mit schlichter Feier und programmatischer Predigt.

Rom. (VN-tm) Keine roten Schuhe und nur ein einfaches Messgewand statt der golddurchwirkten Kasel. Sein Papamobil hat das Panzerglas verloren, und der Fischerring ist „second hand“, tat schon Paul VI. gute Dienste. Der erste Jesuit an der Spitze von 1,2 Milliarden Katholiken gestaltete seine Amtseinführung bewusst schlicht und volksnah. Wie Johannes Paul II. es schon tat, unterbricht Franziskus die lange Fahrt kreuz und quer über den Petersplatz immer wieder, um Behinderte zu umarmen, dargebotene Kinder zu küssen. Er schüttelt Hände, winkt, segnet und hält schon mal mit verschmitztem Lächeln den Daumen nach oben: „Alles klar?“ Aber ja.

Und was sagt er vor rund 150 Delegationen aus aller Welt, vor 250.000 Gläubigen, die den Petersplatz füllen, und Millionen Menschen, die in Rom und via Internet und Fernsehen weltweit zusehen, als der Nachfolger Petri inthronisiert wird?

Alle sind als Hüter berufen

In seiner ersten öffentlichen Predigt als Papst unterstreicht Franziskus „einfache“ Werte. Und er weitet den Blick über das Christentum hinaus. der Papst spricht von einer Aufgabe, die allen Menschen zufällt: „Die Berufung zum Hüten geht (…) nicht nur uns Christen an; sie hat eine Dimension, die vorausgeht und die einfach menschlich ist, die alle betrifft.“ Diese Berufung bestehe darin, „die gesamte Schöpfung, die Schönheit der Schöpfung zu bewahren“ – so wie es der heilige Franziskus von Assisi zeige. Die Hüteraufgabe aller bestehe darin, vor jedem Geschöpf Gottes Achtung zu haben und vor der Umwelt, in der wir leben. Die Menschen zu hüten heiße, „sich um alle zu kümmern, um jeden Einzelnen, mit Liebe, besonders um die Kinder, die alten Menschen“ und die Schwachen, die „oft in unseren Herzen an den Rand gedrängt werden“, zählt Franziskus auf.

Der Papst spricht von der elterlichen Sorge für die Kinder und deren Fürsorge für die eigenen Eltern. „Im Grunde ist alles der Obhut des Menschen anvertraut, und das ist eine Verantwortung, die alle betrifft. Seid Hüter der Gaben Gottes!“, ruft er den Menschen zu. Denn andernfalls „gewinnt die Zerstörung Raum, und das Herz verdorrt“, in jeder Epoche der Geschichte gebe es solche „,Herodes’, die Pläne des Todes schmieden“ und „das Gesicht des Menschen zerstören und entstellen“. Franziskus wendet sich mit einem Appell an die Verantwortungsträger in Politik und Gesellschaft: „Alle Verantwortungsträger auf wirtschaftlichem, politischem und sozialem Gebiet, alle Männer und Frauen guten Willens möchte ich herzlich bitten: Lasst uns Hüter der Schöpfung, des in die Natur hineingelegten Planes Gottes sein, Hüter des anderen, der Umwelt; lassen wir nicht zu, dass Zeichen der Zerstörung und des Todes den Weg dieser unserer Welt begleiten!“

Keine Angst vor der Zärtlichkeit

Eng verknüpft der Papst hier die Sorge um die Umwelt mit der Sorge um sich selbst: Friede und Liebe beginnen im Innern des Menschen. Franziskus: „Um zu ‚behüten‘, müssen wir auch auf uns selber achtgeben. Erinnern wir uns daran, dass Hass, Neid und Hochmut das Leben verunreinigen! Hüten bedeutet also, über unsere Gefühle, über unser Herz zu wachen, denn von dort gehen unsere guten und bösen Absichten aus: die, welche aufbauen, und die, welche zerstören! Wir dürfen keine Angst haben vor der Güte, ja, nicht einmal vor der Zärtlichkeit!“

Im Grunde ist alles der Obhut des Menschen anvertraut, und das ist eine Verantwortung, die alle betrifft. Seid Hüter der ­Gaben Gottes.

Papst Franziskus