Zwischen Fake News und Kampagnenjournalismus

Spezial / 18.06.2017 • 17:28 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Kobuk ist ein Medienwatchblog von Studierenden am Publizistikinstitut der Uni Wien, unter der Leitung von Helge Fahrnberger und Yilmaz Gülüm. Die meisten ­Geschichten von Kobuk betreffen den Boulevardjournalismus: Österreich und oe24.at waren bisher 207 Mal Thema, Kronen Zeitung und krone.at 157, Heute und heute.at 141 Mal.

Kobuk ist ein Medienwatchblog von Studierenden am Publizistikinstitut der Uni Wien, unter der Leitung von Helge Fahrnberger und Yilmaz Gülüm. Die meisten ­Geschichten von Kobuk betreffen den Boulevardjournalismus: Österreich und oe24.at waren bisher
207 Mal Thema, Kronen Zeitung und krone.at 157, Heute und heute.at 141 Mal.

Helge Fahrnberger, Leiter des Medienwatchblogs Kobuk, über die Rolle klassischer Medien.

Welche Rolle spielen Fake News in klassischen Medien?

Fahrnberger: Der Begriff Fake News kann vieles abdecken: Einen Propagandabegriff, der den Lügenpresse-Vorwurf nährt oder die simple Feststellung, dass manche Nachrichten nicht stimmen oder die Tatsache, dass auf gewisse Meldungen bewusst, manipulativ eingegriffen wird. Letzteres ist auch in klassischen Medien nichts Neues. Kampagnenjournalismus gibt es schon lange, vor allem im Boulevard. Dieser bekommt durch Social Media nur eine neue Dynamik.

Welche Themen tauchen in diesem Zusammenhang immer wieder auf?

Fahrnberger: Die Kriminalitätsberichterstattung zum Beispiel. Sie wird im Boulevard nicht nur zugespitzt, sondern häufig verfälscht. Die „Kronen Zeitung“ berichtete einmal, dass die Anzahl der Raubüberfälle im Vergleich zum Vorjahr um bis zu 700 Prozent gestiegen ist. Wie kam sie auf dieses Ergebnis? Die Zeitung hat nur jene Raubüberfälle auf niederösterreichische Trafiken herausgefiltert. Diese sind binnen eines Jahres von eins auf acht gestiegen. Die Zahl aller Raubüberfälle hingegen hat eigentlich stagniert. So werden Nachrichten konstruiert, das hat Methode.

Welche Motive stecken dahinter?

Fahrnberger: Ich vermute, dass manchmal ein politisches Interesse dahintersteckt, mit gewissen Zielen, zum Beispiel einer restriktiveren Gesetzgebung. Das wichtigste Motiv ist meiner Meinung nach aber, dass Zeitungen mit diesen Kampagnen eine emotionale Bindung mit dem Publikum erreichen und es glauben machen wollen, dass nur diese eine Zeitung die Wahrheit erzählt und alle anderen etwas verschweigen. Das resultiert in Reichweite, Deutungshoheit und letzten Endes geschäftlichem Erfolg.

Hat sich die Rolle der klassischen Medien verändert?

Fahrnberger: Grundsätzlich sollte sich Journalismus nach wie vor damit beschäftigen, die Realität möglichst getreu abzubilden und sich der Wahrheit anzunähern. Das ist besonders im Zeitalter digitaler Mundpropaganda wichtig. Durch die Digitalisierung ändert sich diese Rolle nicht. Es ändern sich lediglich die Methoden, Informationen aufzubereiten.