Hackmair: „Alles im Leben hat seinen Sinn“

Für Ex-Fußballer Peter Hackmair ist die Aussage mehr als nur ein Lebensmotto.
Fussball. Vier Jahre sind vergangen, da lag ihm die Fußballwelt zu Füßen. Vier Jahre in einem Fußballerleben, die er voll ausgekostet hat und die dann abrupt geendet haben. Doch Peter Hackmair passt so gar nicht in das Klischee eines Fußballprofis. Dies wird im Gespräch mit dem 25-Jährigen schnell spürbar. Kein Lamentieren ob der schweren Verletzungen – Knorpelschaden nach zwei Kreuzbandverletzungen, die seine Fußballerkarriere beendeten. Nein, der 25-Jährige macht zwar deutlich, wie sehr er sein Leben als Profi genossen hat, dennoch ist sein Blick nach vorn gerichtet. Und weil der Oberösterreicher seine Gedanken schon immer gerne zu Papier gebracht hat, gibt es seine Geschichte nun in Buchform zum Nachlesen.
Sie machen so gar nicht den Eindruck eines geknickten Fußballers, der jäh aus seinem Traum gerissen wurde.
Peter Hackmair: Diese Phase hatte ich mit 21 Jahren nach meiner ersten Verletzung. Das war vor der Heim-EM, und ich gehörte als einer der wenigen U-20-Spieler zum erweiterten Kader. Das war eine harte Zeit, zumindest anfangs. Dennoch ist auch damals für mich keine Welt zusammengebrochen. Ich denke, mein Zuhause hat mir da geholfen. Aber auch meine Frau, mit der ich bereits zusammen war. Es war der Zeitpunkt, als ich gespürt habe, dass es noch was anderes gibt außer Fußball. Es hat im Leben alles seinen Sinn.
Sie galten als hoffnungsvolles Talent. Ehemalige Mitspieler sind heute Stammspieler im Nationalteam. Verspüren Sie da keinen Neid?
Hackmair: Heute? Nein. Vielleicht ein wenig in der Zeit meiner ersten schweren Verletzung. Immerhin war ich Führungsspieler mit besten Aussichten auf das A-Nationalteam und einen Auslandstransfer. Aber heute kann ich sagen, dass ich stolz bin, mit Spielern wie Sebastian Prödl oder Zlatko Junuzovic zusammengespielt zu haben. Ich verspüre vielmehr Freude, wenn ich dem Nationalteam zusehe. Mit zumindest der Hälfte der Spieler habe ich ja zusammen gespielt.
Während Ihre ehemaligen Teamkollegen in Linz gegen die Elfenbeinküste spielten, haben Sie in der HAK Bregenz Ihr Buch vorgestellt. Wie viel Wehmut spielt da mit?
Hackmair: Gar keine. Ich habe vor zwei Jahren begonnen, meine Gedanken in Form eines Tagesbuchs zu Papier zu bringen. Das war nach meinem zweiten Kreuzbandriss. Für mich war es eine Art Therapie, denn ich habe schon immer gerne geschrieben. So ist ein Mix mit autobiografischem Hintergrund entstanden. Im Frühjahr ist dann der Gedanke entstanden, meine Erlebnisse als Buch zu veröffentlichen. Wirklich schnell ist es dann gegangen, nachdem ich meine Karriere als Fußballer endgültig beendet hatte.
Wie war die Resonanz auf Ihr Buch?
Hackmair: Viele haben natürlich gemeint, Fußballprofi und Autor passen nicht zusammen. Aber es gab auch viele positive Rückmeldungen. Vor allem bei jungen Leuten. Mir war es wichtig zu erzählen, was es heißt, sich seinen Traum zu verwirklichen. All die Dinge, die dafür wichtig sind. Aber man sollte auch flexibel genug sein, um seinen Weg zu ändern. Es ist einfach so, dass ich gerne Dinge weitergebe bzw. weitererzähle. Vielleicht sind es ja die Gene meiner Mutter, die Lehrerin ist, die mir diesbezüglich sehr geholfen haben.
Haben die Verletzungen den Menschen Peter Hackmair verändert?
Hackmair: Ich will nicht sagen verändert. Schon als Profi habe ich ein Studium (Anm. d. Red.: Wirtschaftsstudium) begonnen, weil mir einmal am Tag Training zu wenig war. Ich wollte auch geistig gefordert sein. Vielleicht haben die Verletzungen mir geholfen, mich zu entwickeln. Letztendlich kann ich es nicht sagen.
Welche Ziele haben Sie?
Hackmair: Ich habe aufgehört, mir langfristige Ziele zu stecken. Kurzfristig freue ich mich auf eine Weltreise mit meiner Frau. Daneben habe ich viele Ideen im Fußball und außerhalb. Generell kann ich sagen, dass ich gerne mit Jungen arbeite. In Schulen fühle ich mich sehr wohl. Aber eigentlich bin ich offen für alles.
Zur Person
Peter Hackmair
War Mitglied des U-20-Teams, das 2007 bei der WM Platz vier belegte.
Geboren: 26. Juni 1987
Ausbildung: HAK-Matura
Laufbahn: SV Ried, FC Wacker Innsbruck
Familie: verheiratet (Marie-Therese)
BL-Spiele/-Tore: 120/5
Erfolge: Platz 3 U-19-EM 2006; Platz 4
U-20-WM 2007
Verletzungen: Kreuzbandriss (zwei Mal), Schambein, Knorpelschaden