Marc Girardelli

Kommentar

Marc Girardelli

Die Bedingungen waren zweifelhaft

Sport / 06.02.2013 • 22:32 Uhr

Die Skidamen haben es heuer wirklich nicht leicht. Schon in Cortina mussten sie sich nahezu im Blindflug ins Ziel tasten. Und jetzt noch diese ewige Warte-Partie beim WM-Super-G in Schladming. Nach fast vier Stunden ging das Rennen dann doch noch los und man konnte sich denken, dass es kaum regulär sein kann. Dies wurde dann auch der großen Favoritin zum Verhängnis. Mit blendender Zwischenzeit kostete Lindsey Vonn eine schlechte Landung nach einem Sprung nicht nur die Medaille, sondern auch die gesamte Saison.

Bei den Männern waren die Verhältnisse dann etwas besser, aber die aufgeweichte Piste bot nur den ersten acht bis zehn Läufern wirklich faire Verhältnisse. Danach wurde es sichtbar schlechter, was vor allem für Wellen und Schläge galt. Wobei „sichtbar“ nur für den Fernsehzuschauer galt.

Als ehemaliger Rennläufer kann ich sagen, dass bei solchen Lichtverhältnissen die Wellen und Schläge kaum auszumachen sind. Da helfen auch die blauen Linien nicht viel. Vor allem bei einem Tempo um die 100 Stundenkilometer muss jeder bis an die Grenzen gehen, sich psychisch überwinden, damit er jede Kurve mit vollem Risiko nimmt. Jeder Laie konnte feststellen, wer die Hosen voll hatte und wer sich wirklich überwinden konnte. Trotz intensiver Kurs-Besichtigung erschrickt man während des Laufs richtiggehend vor den Schlaglöchern, die sich vor einem auftun.

Es gab und gibt aber immer wieder Rennläufer, die bei schlechtester Sicht so fahren, als ob strahlender Sonnenschein herrschen würde. So einer war z. B. Pirmin Zurbriggen. Er zwang mich immer wieder, die Rennen in halsbrecherischer Art und Weise zu fahren, um ihm die Stirn bieten zu können.

Der Nachfolger von Pirmin, Carlo Janka, scheint diese Eigenschaft nicht zu besitzen. Mit Startnummer 30 fuhr er eine wunderschöne, weite Linie, umfuhr die schwierigen Löcher und Schläge großräumig.

So kommt man zwar auch ins Ziel, aber garantiert nicht schnell.