Eine WM mit Ladehemmung
Alles sprach für einen österreichischen Erfolg in der Herren-Abfahrt. Doch es lag nicht nur an der schlechten Sicht und der durch die vielen künstlichen Wellen und Sprünge sehr selektiven und unheimlich kräfteraubenden Strecke, dass es für Rot-Weiß-Rot wieder nichts wurde. Obwohl diese vielen kleinen und größeren Bodenwellen die Ursache der mannigfaltigen Probleme von fast allen Athleten waren. Kein einziger, außer vielleicht Aksel Lund Svindal, hatte im Zielhang überhaupt noch die Kraft, eine ordentliche Kurve zu ziehen. Ein Dominik Paris wollte dort schon zum Bremsen ansetzen, als es ihm die Skier verschlug und er fast zu Sturz kam. In seiner Panik fuhr er gerade die letzte große Linkskurve und schaffte es ohne Bremser bis ins Ziel. Dies rettete ihm die Silbermedaille. Viele andere Läufer verschätzten sich nach einer der vielen Kuppen und fuhren in die verkehrte Richtung. Dies führte teils zu Ausfällen wie beim Titelverteidiger Erik Guay und eben auch zu schweren Fehlern wie jenem von Matthias Mayer. Es war ganz klar ein Vabanque-Spiel zwischen „den Ski laufen lassen“ und „trotzdem alle Tore erwischen“. Nachdem diese Problematik von den Trainern erkannt worden war, funkten sie ihren Cracks an den Start, sie sollen unbedingt „die Linie halten“, um Fehler zu vermeiden. Dies hatte sich Klaus Kröll zu Herzen genommen und fuhr auf einer sauberen Linie, mit viel Kanteneinsatz, auf den vierten Platz. Ich bin überzeugt, mit seinem Können, gekoppelt mit der Einstellung von Mayer, wäre es Svindal wesentlich schwerer gefallen, Gold zu holen.
Bei der Damen-Abfahrt war der Aggressionsfaktor wichtiger als bei den Herren. Bei fantastischen Wetter- und Pistenverhältnissen stürzten erschreckend viele Läuferinnen – fast schon wie damals bei der legendären Planai-Abfahrt 1974, als Franz Klammer den ersten seiner 24 Siege erringen konnte. Gott sei Dank endete die Fahrt der Damen hier in Sicherheitsnetzen und nicht in Strohballen und Waldlichtungen wie damals.
Warum dominieren solche Außenseiterinnen wie Marion Rolland und Nadia Fanchini gerade hier bei der WM? Das kann nur an deren Unbeschwertheit liegen. Zumindest hat es Rolland hier weiter geschafft als bei den Olympischen Spielen 2010, als sie fünf Meter nach dem Start stürzte und sich einen Kreuzbandriss zuzog.
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