Im Gedenken an einen Großen

Sport / 01.01.2015 • 20:48 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Bild aus dem legendären WM-Spiel gegen Deutschland 1978 in Cordoba: Bruno Pezzey (Mitte) im Luftduell mit dem Deutschen Rolf Rüssmann (r.) und Teamkollege Robert Sara. Foto: apa
Bild aus dem legendären WM-Spiel gegen Deutschland 1978 in Cordoba: Bruno Pezzey (Mitte) im Luftduell mit dem Deutschen Rolf Rüssmann (r.) und Teamkollege Robert Sara. Foto: apa

In der Silvesternacht 1994 schied Bruno Pezzey viel zu früh aus dem Leben.

Schwarzach. Eine Nachricht erschütterte am Silvestertag 1994 Österreichs Sportwelt: Bruno Pezzey, einer der Größten des heimischen Fußballs, war als 39-Jähriger während einer Eishockey-Juxpartie in Innsbruck auf dem Eis zusammengebrochen und wenig später an Herzversagen in der Uniklinik Innsbruck gestorben. Am Mittwoch jährte sich zum 20. Mal der Todestag des langjährigen ÖFB-Teamliberos.

Ein Star in Deutschland

Der Vorarlberger gilt trotz seines frühen Todes als eine der prägenden Figuren des österreichischen Nachkriegsfußballs. Pezzey war Mitglied der „Cordoba“-Nationalmannschaft, die im WM-Turnier 1978 in Argentinien Titelverteidiger Deutschland 3:2 besiegte. Insgesamt 84 Mal trug der 1,88 m große Abwehrrecke den Teamdress und erzielte neun Tore.

Auch seine Vereinskarriere war mit zahlreichen Höhepunkten gesegnet: Pezzey errang unter anderem 1980 den UEFA-Cup mit Eintracht Frankfurt und vier österreichische Meistertitel mit Innsbruck (1975, 1977, 1989, 1990). In der deutschen Bundesliga, in der er 255 Spiele für die Eintracht und Werder Bremen bestritt, wurde er zum besten Legionär gewählt und in Welt- und Europa-Auswahlen einberufen.

Geadelt von Weggefährten

Pezzey war einer der besten Fußballer, die Österreich je hervorbrachte, was auch der rot-weiß-rote Jahrhundertfußballer Herbert Prohaska bestätigte. Er wählte den Vorarlberger in Österreichs „Jahrhundert-Mannschaft“, zusammen mit Ernst Happel, Ernst Ocwirk, Franz Hasil, Matthias Sindelar, Andreas Herzog, Hans Krankl, Walter Zeman, Gerhard Hanappi und seiner Person. Auch Ex-ÖFB-Teamchef Josef Hickersberger, der sich einst für Heribert Weber und gegen Pezzey als WM-Libero 1990 entschied, adelte seine Ex-Teamkollegen von 1978: „Pezzey war als spielender Vorstopper und danach als Libero und Beckenbauer-Kopie seiner Zeit weit voraus.“ Im Juli 1990 beendete Pezzey seine 17 Jahre dauernde Profi-Laufbahn in Innsbruck. Auch nach seiner aktiven Karriere blieb er dem Fußball erhalten. Nachdem er 1993 als Assistent von Teamchef Herbert Prohaska das ÖFB-Team betreut hatte, trainierte er bis zu seinem Tod die U21-Nationalmannschaft. Er galt als völlig gesund, als er fünf Minuten vor Ende der Eishockey-Partie einer Firmenauswahl mit den Worten „Ich fühle mich müde“ zur Bande fuhr und dort zusammenbrach.

Einer der Beliebtesten

Wiederbelebungsversuche durch den Notarzt und anschließend in der Innsbrucker Uniklinik blieben erfolglos. Pezzey hinterließ nicht nur Frau und zwei Töchter, sondern auch eine ebenfalls tief betroffene große Freundes-, Kollegen- und Fangemeinde. Der Lauteracher war nicht nur ein großartiger Fußballer, sondern zählte auch aufgrund seines freundlichen Charakters, seiner Fairness und Bescheidenheit zu den beliebtesten Sportlern des Landes.

Die Bruno-Pezzey-Sportanlage in seinem Geburtsort, das im Dezember veranstaltete Gedächtnis-Hallenturnier mit den Größen vergangener Zeiten und die Bruno-Verleihung der Spielergewerkschaft für die aktuellen Besten erinnern heute noch an Vorarlbergs Fußball-Legende.

Ex-Sportler setzen sich ein

In Österreich setzt sich die Heartbeat Foundation für mehr Herzsicherheit im Sport ein, um auf die tückische Todesursache plötzlicher Herztod hinzuweisen. Sie führt seit dem Vorjahr Herzsicherheitsprojekte durch. Kooperationspartner sind unter anderem die Bundesliga-Klubs Rapid und Grödig, als Botschafter fungieren Alexander Antonitsch, Stephan Eberharter und Toni Polster. In Österreich stirbt alle 30 Minuten ein Mensch an den Folgen von Herz-Kreislaufproblemen.

Die Heartbeat Foundation bemüht sich deshalb über lokale Herzsicherheitsprojekte, die Vereine und den Sport an sich dauerhaft herzsicher zu machen, um damit die Wichtigkeit der Laienreanimation in der Bevölkerung zu verankern.

Pezzey war als spielender Verteidiger seiner Zeit weit voraus.

Josef Hickersberger
Bruno Pezzey (Nummer fünf) neben Klaus Fischer. Foto: Krug
Bruno Pezzey (Nummer fünf) neben Klaus Fischer. Foto: Krug
Pokalsieger mit der Eintracht.Fotos: gepa/2
Pokalsieger mit der Eintracht.
Fotos: gepa/2
Bruno Pezzey im Werder-Dress.
Bruno Pezzey im Werder-Dress.
Die VN-Sport-Aufmacherseite vom 2. Jänner 1995.
Die VN-Sport-Aufmacherseite vom 2. Jänner 1995.

Zur Person

Bruno Pezzey

Seit dem 23. Jänner 2013 ziert ein Abbild von Bruno Pezzey eine der zwölf „Säulen der Eintracht“ in der U-Bahn-Station Willy-Brandt-Platz in Frankfurt

Geboren: 3. Februar 1955 in Lauterach

Verstorben: 31. Dezember 1994

Position: Verteidigung, Mittelfeld

Laufbahn: FC Lauterach, FC Vorarlberg, SSW Innsbruck, Eintracht Frankfurt, SV Werder Bremen, FC Swarowski Tirol

ÖFB-Nationalteam: 84 Spiele/9 Tore zwischen 1975 und 1990

Deutsche Bundesliga: 255 Spiele/44 Tore

Österreichische Bundesliga: 86/5

UEFA-Cup: 15/4

Pokal der Landesmeister: 12/0

Pokal der Pokalsieger: 2/0