Marc Girardelli

Kommentar

Marc Girardelli

Trendwende und ein kleiner Boom

Sport / 16.02.2015 • 19:58 Uhr

Auch wenn am Schluss Marcel Hirscher im Slalom eine sicher geglaubte Goldmedaille verspielte, war die Ski-WM in Vail und Beaver Creek für Österreich ein Medaillenregen, wie es ihn seit 14 Jahren nicht mehr gegeben hat. Und der auch so nicht erwartet wurde. In der Erfolgsbilanz fällt der Vergleich mit Schladming 2013 klar zugunsten von Vail aus.

Was unterscheidet die WM in Amerika sonst noch von den Heimspielen in der Steiermark? Wer selber in Vail dabei war, für den war der Unterschied sehr gut zu erkennen. In Schladming waren alle Rennläufer in unmittelbarer Nähe des Renn-Ortes an der Planai einquartiert, es bedurfte nur weniger Minuten mit dem Auto, bis man an der Gondel war. In Vail hingegen waren die Mannschaften auf mehrere Orte in der Umgebung verteilt. Bis auf ganz wenige Ausnahmen musste der Sporttross jeden Morgen eine halbe Stunde entweder mit dem Auto oder dem Bus nach Beaver Creek anreisen. Die Kontrollen waren penibel, keiner konnte ohne die entsprechende Legitimierung durch die Eingänge. Die Kontrolleure waren alle sehr freundlich, aber bestimmt. Jede Tasche wurde mehrfach durchsucht. Selbst Annemarie Moser-Pröll wurde von der Security abgewiesen, als sie sich einmal vor dem Österreich-Haus nicht ausweisen konnte. Ich traf sie dann, in lustiger Runde, im Schweizerhaus an, wo man sie mit offenen Armen willkommen geheißen hatte.

Die WM-Stimmung war diesmal wesentlich besser als noch 1999 oder gar 1989. Damals wussten nur die österreichischen Skilehrer, dass um Medaillen gefahren wurde. Die amerikanischen Instrukteure regten sich sogar darüber auf, dass eine Piste für zwei Wochen gesperrt war. Heuer konnte man sogar viele begeisterte Zuschauer im Ziel ausmachen. Nicht nur, weil schulfrei war, sondern weil sich viele Einheimische für die Rennen interessierten. Die Stimmung war hervorragend, nicht zuletzt darum, weil Lindsey Vonn, Mikaela Shiffrin, Ted Ligety oder Bode Miller mittlerweile so viele Fans in den USA haben, dass sie einen kleinen Ski-Boom auslösen könnten.

Ich hoffe insgeheim, dass der unerwartete Medaillenregen der ÖSV-Asse unsere Jugend in Österreich motivieren wird, um auch eine Trendwende im Skiverband einzuleiten.

Die Stimmung bei der Ski-WM war diesmal wesentlich besser als noch 1999 oder 1989.

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