Die Experten sind ratlos
Im Ski-Weltcup kommt vermehrt Kritik im Zusammenhang mit massiv auftretenden Rückenproblemen bei einigen Rennläufern auf. So entschied sich unter anderem Carlo Janka, gar keine Riesenslaloms mehr zu fahren – wegen nicht enden wollenden Schmerzen im Rücken. Der Riesentorlauf war seine Paradedisziplin.
Sogar Vorfahrer Ted Ligety bleibt von diesem mysteriösen Problem nicht verschont und sucht seit Mitte November eine Lösung, wie er mir kürzlich selber erklärte. Das sind aber nur zwei von etlichen Athleten, die momentan mit Rückenschmerzen ihre Rennen zu bewältigen versuchen.
Was ist die Ursache dieser plötzlichen Probleme im Rückenbereich? Im Jahr 2013 wurden die Radien der Ski von 27 Meter auf 35 Meter abgeschwächt, um die ständigen Knieprobleme in den Griff zu bekommen. Nun schlägt das Pendel in die andere Richtung – und die Rückenpartien werden über die Maßen beansprucht. Seit Kurzem versucht man Antworten auf diese Fragen zu bekommen. Doch auch Experten wie Exrennläufer Bernhard Russi, Trainer Mathias Berthold oder FIS-Direktor Markus Waldner scheinen diesem Problem ratlos gegenüber zu stehen.
Am plausibelsten scheint eine Aussage von Ligety, der die neuen Radien schon zu Beginn kritisierte. Er behauptet, dass die alten Radien von 27 Meter einen parallelen Schwung mit beiden Skiern durch die Kurve ermöglicht hatten. Mit dem neuen Radius von 35 Meter geht das nicht mehr und man müsse während der Kurve Korrekturbewegungen mit viel Kraft ausführen, um das Carving-Moment zu garantieren. Um schnell Ski zu fahren, darf es im Schwung nicht zu Rutschphasen kommen. Diese Korrekturen während der Druckphase verändern die Haltung des Rennläufers in einem denkbar ungünstigen Moment. Das ist mit einer schweren Last zu vergleichen, die man vom Boden hochheben will und bei der man sich während des Hebevorganges verdrehen muss. Jeder von uns hat in solch einer Situation schon einmal einen Stich im Rücken verspürt. Diese Lasten sind ein Klacks gegenüber der Belastung in einem Skirennen.
Die Carving-Technik dürfte den Körper generell zu viel belasten. Muskeltraining scheint die einzige Lösung, um für die Beanspruchungen im Rennen gerüstet zu sein. Vielleicht ist das der Grund, weshalb Marcel Hirscher vor jedem Start ein Aufwärmtraining für seinen Rumpfbereich praktiziert, das jedem Bodybuilder zur Ehre gereicht.
Die Carving-Technik dürfte den Körper zu viel belasten. Muskeltraining scheint die einzige Lösung, um für die Beanspruchungen gerüstet zu sein.
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