Sanfter Umstieg des Torjägers

Sport / 04.08.2016 • 23:21 Uhr
2007 als Austrianer mit Ribeiro (r.)
2007 als Austrianer mit Ribeiro (r.)

Abschied als Profi, aber der Fußball bleibt das Lebenselixier von Altachs Patrick Seeger.

Altach. Seine Antritte waren energisch, selbst zwei Kreuzbandrisse konnten ihn nicht stoppen. Doch mit 29 Jahren hat sich Patrick Seeger von der großen Fußballbühne verabschiedet. Leise, wie es seinem Naturell entspricht. „Vielleicht hat mir in gewissen Phasen auch der Egoismus gefehlt“, sagt er heute, schon mit ein bisschen Abstand zu seiner Profizeit. Der Umstieg, so verrät er, sei gar nicht einmal so schwer gefallen. Kein Wunder, bleibt der Fußball doch ein Teil seines Lebens. Sportlich? Da hat er in der Altacher Regionalligamannschaft eine Führungsrolle übernommen. Beruflich? Blickt er als neuer Mitarbeiter im SCRA-Office auch hinter die Kulissen im Geschäft mit dem runden Ball. „Spannend“, sagt der Wirtschafts-BWL-Student, der kurz vor seinem Bachelor-Abschluss steht.

Einige Auf und Ab erlebt

Eigentlich, so erzählt er, habe er schon früh gewusst, dass „mit mir nicht mehr geplant wird“. Ein Wechsel war dann kurz ein Thema, aber auch schnell wieder verworfen, als das Altacher Angebot für den Doppeljob kam. Seither kümmert er sich um Ticketing, hat u. a. das Sommercamp organisiert und mitgestaltet, ist in das Marketing eingebunden und hat nun auch das Fördertraining ins Leben gerufen.

Im Gespräch mit dem Feldkircher, der im Fußball viele Auf und Ab kennengelernt hat, wird schnell spürbar, dass ihm der neue Lebensabschnitt passt. Dass im Hinterkopf noch der Schritt in Richtung Trainerausbildung „arbeitet“, zeigt aber auch, wie verbunden er mit dem Fußball ist. Nicht verwunderlich für einen Vollblutstürmer, der als 15-Jähriger in die Akademie eintrat. 2005 unterschrieb er seinen ersten Profivertrag bei Austria Lustenau, nur zwei Jahre später wurde er als „Youngstar des Monats April“ gewählt.

So war der Weg nach Salzburg zu den Red Bull Juniors nur der logische Weg. Damals kreuzten sich erstmals die Wege von Adi Hütter und Patrick Seeger. „Ich habe ihn immer sehr geschätzt. Er war es auch, der mir wieder die Chance eröffnete, nach Altach zu kommen und die Erfolge hier zu feiern“, spricht er mit großer Hochachtung vom heutigen YB-Trainer. In Salzburg aber erlebte Seeger auch die Kehrseite im Leben eines Fußballprofis kennen. Zwei Kreuzbandrisse innerhalb eines Jahres waren doch einschneidende Erlebnisse, auch wenn er es heute relativ locker nehmen kann. „In der Betreuung war ich damals in Salzburg in besten Händen. Und ich hatte viel Zeit, körperlich an mir zu arbeiten.“ Zudem begann er ein Fernstudium. „Das war zeitlich nicht immer leicht, aber mir wurde damals durch die Verletzungen einfach vor Augen geführt, wie schnell alles vorbei sein kann.“

Den Weg zurück in die Spur fand er schließlich beim FC Lustenau, zusammen mit Spielern wie Stefan Schwab oder Christoph Schwößwendter, die nunmehr beide bei Rapid spielen. „Es war ein tolles Jahr, wir hatten eine eingeschworene Truppe und mit Kogler und Geiger die idealen Trainertypen.“

Spaß an der neuen Arbeit

Die sportlichen Höhepunkte sollten schließlich in Altach folgen. Erste-Liga-Meistertitel 2014, Platz drei in der Bundesliga 2015 und vier Europa-League-Spiele. Nun der Einstieg in ein anderes Arbeitsleben. „Es macht Spaß“, sagt er und freut sich schon auf das Projekt Fördertraining, das er in Zusammenarbeit mit dem Verein für Kinder im Alter von neun bis zwölf Jahren entwickelte – alles dazu bzw. Anmeldungen auf www.scra.at.

Man muss Trainer nicht immer verstehen, aber akzeptieren.

Patrick Seeger
Mit Altach im Meisterjahr 2014.
Mit Altach im Meisterjahr 2014.
In Guimaraes gehörte Patrick Seeger (links gegen Luis Rocha) zu den Matchwinnern im SCRA-Dress. Foto: gepa
In Guimaraes gehörte Patrick Seeger (links gegen Luis Rocha) zu den Matchwinnern im SCRA-Dress. Foto: gepa
Blau-Weißer Himmelsstürmer 2011.
Blau-Weißer Himmelsstürmer 2011.
Kreuzbandriss 2009.
               fotos: Hofmeister/2, Stiplovsek/2

Zur Person

Patrick Seeger

Jeder, der ein Ziel hat, soll es probieren und selbst Erfahrung sammeln

Geboren: 25. August 1986 in Feldkirch

Ausbildung: HAK-Matura, BWL-Fern-
studium

Laufbahn: Altenstadt, AKA Vorarlberg, SC Austria Lustenau, RB Juniors, FC Lustenau, SCR Altach, Admira Mödling, SCR Altach

Freundin: Veronika Dobler

BL- bzw. EL-Spiele/-Tore: 57/5 bzw. 189/54