Toni Innauer

Kommentar

Toni Innauer

Einklang von Sport und Musik

Sport / 02.09.2016 • 21:42 Uhr

Bei diesem vom ORF wiederbelebten Radioformat werden Kindheitserinnerungen wach. Die beiden Phänomene eignen sich bestens zum unterhaltsamen Hörfunk-Pas-de-deux. Musiktitel wie „The winner takes it all“ oder „Es tuat so weh, wenn ma verliert“ verstärken die Emotionen. Sie helfen sogar, erlebte Enttäuschungen abzubauen und ironisierend auf emotionale Distanz zu bringen.

Unter der Oberfläche der Bereiche sind, neben den augenscheinlichen Unterschieden, beim feinen Abtasten aber auch faszinierende Gemeinsamkeiten zu entdecken. So provokant das für manch musisches Ohr klingen mag, die spürbarste Verwandtschaft liegt im Geistigen!

Die viel zu selten stattfindenden Gespräche zwischen Musikern und Profisportlern landen sehr schnell bei den anspruchsvollen, langwierigen und teilweise monotonen Lernprozessen, besonderen Methoden, der Bedeutung von Talent, Beharrlichkeit und Begeisterung. Sportler wie Musiker wissen um die entscheidende Bedeutung eines inspirierenden Umfelds und das Glück einer idealen Meister-Schüler-Beziehung. Bald kommen Menschen, die einen beträchtlichen Teil ihres Lebens zum Wahrnehmen, Erlernen und Ausformen schwierigster motorischer Abläufe verwendet haben, zum Thema Belastung. Dosierung, Pausen und Übertraining sind Kategorien beider Welten. Bei den Themen Lampenfieber, Trainingsweltmeister, Flow oder mentale Stabilität treffen sich die Virtuosen beider Bereiche erneut. Vom Durchstöbern der Sportpsychologie und neuerdings der Gehirnforschung erhofft man sich Erkenntnisse und Unterstützung, wenn Muskelkraft, Ausdauer, Geschicklichkeit und Schnelligkeit allein nicht ausreichen. Gerade in Sportarten mit höchsten koordinativen Leistungsansprüchen werden die strukturellen Ähnlichkeiten zu Lernverhalten und Darbietungen von instrumentalen und singenden Künstlern sehr deutlich.

Künstler wie Sportler arbeiten mit einem bei ihnen besonderes ausgeprägten Anteil ihrer Gehirnleistungen, dem „prozeduralen Gedächtnis“: Es sorgt dafür, dass dem Virtuosen während seines Leistungsvollzuges die vielschichtigen Nuancen seiner Aufgabe im richtigen Moment einfallen, ohne dass er sie auswendig aufsagen könnte. Ein Ereignis (Tonfolge oder Übungselement im Sport) löst automatisch die Erinnerung an die nächste, oft und oft geübte Sequenz – manchmal erst im allerletzten Moment – aus. Wohl jenen, die sich voller Selbstvertrauen auf diese besondere geistige Fähigkeit verlassen und sich ganz dem Stück bzw. der sportlichen Aufgabe hingeben und „im Flow“ bleiben können.

So provokant das für manch musisches Ohr klingen mag, die spürbarste Verwandtschaft liegt im Geistigen.

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