Es war nur ein kurzer Sommer
Es gibt sicherlich viele Leute, die den Winter herbeisehnen, doch heuer war der Sommer sogar für mich sehr kurz. Trotzdem finden am Wochenende die ersten Weltcuprennen in Sölden statt, dieses Mal mit tief winterlichen Bedingungen und hervorragenden Schneeverhältnissen. Gerade recht für das 50-jährige Jubiläum des Weltcups.
Doch wie schon letztes Jahr können einige Topleute nur neidvoll zusehen, weil sie immer noch an ihren schweren Verletzungen laborieren. So ist die frisch verheiratete Anna Veith zwar auf gutem Weg zurück, aber Sölden kommt für sie noch zu früh. Und das liegt sicherlich nicht am Honeymoon. Die einstige Weltcupsiegerin trainiert lieber noch so lange, bis sie wirklich wieder auf ihrem Topniveau ist. Wenn sie ihr Comeback feiert, möchte sie alle anderen in Grund und Boden fahren. Auch Lindsey Vonn wartet lieber noch, bis ihre Parade-Disziplinen in Nordamerika anstehen. Sie möchte sich heuer voll auf die Speed-Disziplinen konzentrieren. Ihr ultimatives Ziel scheint der Allzeit-Rekord von Ingemar Stenmark mit seinen 86 Weltcupsiegen zu sein. Alle anderen Stars in Sölden tummeln sich hingegen auf einem menschlicheren Niveau und sind trotzdem bis in die Haarspitzen motiviert. Lara Gut genauso wie Eva-Maria Brem, die beide in Sölden zu den Favoriten gehören. Nicht zu vergessen Mikaela Shiffrin, die hier schon gewonnen hat und als nächstes Ziel den Gesamtweltcupsieg anpeilt. Diesen wird sie aber nur realisieren können, wenn sie auch im Riesenslalom Siege einfährt.
Bei den Männern dürfte das Feld wesentlich dichter gestaffelt sein. Alle warten mit Spannung auf den Ansturm auf die Festung Marcel Hirscher. Aspiranten gibt es heuer genug. Alexis Pinturault, Henrik Kristofferson und auch Aleksander Aamodt Kilde mischen hier sicherlich kräftig mit. Hirscher, nun schon fünf Jahre in Serie der unantastbare König im Skiweltcup ist, wird sich nicht spielen dürfen. Die Jugend will ihn vom Thron stürzen. Was ich so aus dem Hirscher-Lager gehört habe, ist er aber noch nicht bereit, das Zepter freiwillig aus der Hand zu geben. Da hat mir sein Vater Ferdl im Sommer einen zu konzentrierten Eindruck gemacht, als ich beide mal beim Training beobachten konnte.
Daran wird auch der andere Marcel aus Vorarlberg nichts ändern können. Mathis wurde wieder ins ÖSV-Aufgebot für Sölden aufgenommen. Es wäre toll, wenn er wieder an die Resultate anschließen könnte, die er vor einigen Jahren bereits erreichte.
Alle warten mit Spannung auf den Ansturm der Festung Marcel Hirscher. Aspiranten gibt es heuer genug.
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