Die Champions brauchen Druck
Aus österreichischer Sicht ist der Riesenslalom ganz gut gelaufen. Und Marcel Hirscher konnte seine Skeptiker eines Besseren belehren. Zumindest hat ihm im Riesenslalom kein Belgier ins Handwerk gepfuscht. Eine herausragende Leistung hat aber Roland Leitinger geliefert, der mit Startnummer 22 noch fast den König in Bedrängnis gebracht hätte. Eine Leistung der Sonderklasse, von beiden.
An den letzten zwei Tagen der Weltmeisterschaft sind nun die Slalomartisten gefordert. Keine Athletin bisher hat diese Disziplin so geprägt, wie Mikaela Shiffrin. Seit vier Jahren gewinnt sie fast jedes Rennen, das sie beendet. Alle Großevents inklusive. Daneben ist sie so natürlich und höflich geblieben, das es schon fast beängstigend wirkt. Ihr direktes Umfeld schirmt sie professionell ab, wenn nicht gar schon überprofessionell. Das kennt man sonst nur von Eislaufmüttern, doch die junge Amerikanerin scheint das wenig zu stören. Es werden Wetten abgeschlossen, mit wie viel Vorsprung sie den Slalom gewinnt, nicht ob sie ihn gewinnt. Der Druck auf ihren zierlichen Schultern muss astronomisch sein.
Ähnlich hoch wie der auf Hirschers vor dem gestrigen Riesenslalom. Aber richtige Champions brauchen extremen Druck, um noch besser zu werden. Mit diesem Sieg sind die Karten für den Herrenslalom wieder neu gemischt. Hirscher kann gewinnen, muss es aber nicht, wie 2013 in Schladming. Nun kann Henrik Kristoffersen beweisen, wie er mit Druck fertig wird.
Es werden Wetten abgeschlossen, mit wie viel Vorsprung Shiffrin den Slalom gewinnt, nicht ob sie ihn gewinnt.
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