„Der Confed-Cup ist eine gute Bühne“

Im Exklusiv-Interview erzählt Altachs Spieler beim Confed-Cup über die große Fußballwelt.
Moskau/Altach. Dank der Mithilfe von Altach-Kicker Louis Mahop konnten die Vorarlberger Nachrichten Nicolas „Moumi“ Ngamaleu telefonisch eine Stunde nach dem 1:1-Remis Kameruns gegen Australien beim Confed-Cup erreichen. Zu Beginn des Gesprächs schwang noch etwas Wehmut mit, da Kamerun zwei Punkte liegengelassen hatte, doch mit Fortdauer kam der 22-jährige Stürmer des SCR Altach, Österreichs einziger Bundesligaspieler mit Einsatz in Russland, in bessere Stimmung.
Moumi Ngamaleu, wie geht es Ihnen nach dem 1:1 mit Kamerun gegen Australien?
Ngamaleu: Ich denke, wir hätten uns drei Punkte verdient gehabt, waren über die 90 Minuten die aktivere Mannschaft. Bitter dazu, dass wir den Ausgleich durch einen Elfmeter erhalten haben. Aber auf diesem Niveau werden Fehler ganz schnell bestraft. Deshalb bin ich jetzt noch etwas etwas enttäuscht.
Auch enttäuscht, dass Sie nicht, wie gegen Chile, eingetauscht wurden?
Ngamaleu: Natürlich hätte ich gerne wieder ein paar Minuten oder länger für mein Land gespielt. Aber ich weiß schon, dass ich noch viel zu lernen habe – vor allem auf diesem Niveau. Ich bin einfach dankbar, dass ich beim Nationalteam Kameruns dabei sein kann, dass ich mich unter Teamchef Hugo Broos weiterentwickeln und mir von den besten Spielern meiner Heimat etwas abschauen kann.
Wie lange sind Sie überhaupt schon mit dem Nationalteam unterwegs?
Ngamaleu: Direkt nach dem Ende der Bundesliga-Saison mit Altach bin ich nach Yaounde gereist. Dort bin ich dann zum Nationalteam gestoßen. Es stand ja noch das Afrika-Cup-Qualifikationsmatch gegen Marokko an, das wir mit 1:0 gewinnen konnten. Und dann ging schon die Vorbereitung auf den Confed-Cup 2018 in Russland los.
Wie hat es sich angefühlt, als Sie genannt wurden für den Confed-Cup?
Ngamaleu: Das war natürlich eine super Sache und hat mir gezeigt, dass ich gut gearbeitet habe. Unser Teamchef legt nämlich sehr viel Wert darauf, wie man sich in den Trainings präsentiert. Und deshalb glaube ich auch, dass ich in der nächsten Partie gegen Deutschland wieder ein paar Minuten Einsatzzeit bekomme.
Wie waren denn die Minuten am Platz gegen Chile? Immerhin standen Sie am Platz mit einem gewissen Alexis Sanchez von Arsenal London.
Ngamaleu: Natürlich war das ein herrliches Gefühl, ich war voller Stolz, bei so einem großen Turnier für mein Land aufzulaufen. Aber ich war so fokussiert auf meinen Einsatz und meine Leistung, da schaut man sich am Platz nicht die Gegner an. Nach dem Spiel lässt man es dann nochmal durch den Kopf gehen.
Am Sonntag geht es gegen die Deutschen, den Weltmeister. Was geht ihnen da durch den Kopf?
Ngamaleu: Wann bekommt man schon mal die Chance, gegen den Weltmeister zu spielen? Das ist schon eine einzigartige Sache. Deshalb brenne ich umso mehr auf einen Einsatz.
Mit wie vielen Gedanken sind Sie derzeit überhaupt bei Ihrem Klub SCR Altach? Da hat sich auch einiges getan seit Saisonende.
Ngamaleu: Ich bin über fast alles informiert, weil ich jeden Tag mit Louis (Mahop, Anm. d. Red.) telefoniere. Er hält mich über Altach am Laufenden, ich ihn über unsere Equipe. Deswegen weiß ich schon einiges über unseren neuen Trainer Klaus Schmidt und auch die Neuverpflichtungen. Und ich habe mitbekommen, gegen wen wir in der Europa-League-Quali spielen. Aber von dieser Mannschaft habe ich noch nie was gehört (schmunzelt). Leider werde ich wohl in der ersten Runde nicht dabei sein, wegen des Confed-Cups. Aber ich bin sehr zuversichtlich, dass die Jungs auch ohne mich weiterkommen.
In der zweiten Runde der Europa League könnten Sie ja wieder dabei sein. Kommen Sie überhaupt wieder zurück nach Altach?
Ngamaleu: Ich habe einen Vertrag beim SCR Altach. Und der Klub ist ja auch mitverantwortlich für meine Entwicklung. Deshalb verdanke ich den Menschen in Altach viel. Aber es ist wahr, es haben mich mittlerweile schon einige Klubs kontaktiert. Das Nationalteam Kameruns und der Confed-Cup sind eine sehr gute Bühne. Und ich will mich da natürlich von meiner besten Seite zeigen.
Ihr neuer Trainer hat gesagt, dass er zittert, wenn Sie in Russland zum Einsatz kommen. Denn dann könnte es sein, dass er nicht mehr mit Ihnen arbeiten kann.
Ngamaleu (schmunzelt): Wir alle wissen, wie schnell es gehen kann Im Fußball. Aber wie gesagt: Ich habe ja einen Vertrag in Altach. Und in den Telefonaten mit Sportdirektor Georg Zellhofer hatte ich bis jetzt nichts Neues zu berichten.
Abschließend: Welche Erfahrungen nehmen Sie mit vom Confed-Cup?
Ngamaleu: Dass, wenn du bei so einem großen Turnier mit dem Nationalteam unterwegs bist, alles viel größer abläuft. Und vom Sportlichen, dass du am Spielfeld immer voll konzentriert sein musst. Denn auf diesem Niveau spielt die Intelligenz die größte Rolle. Du musst immer antizipieren, immer einen Gedanken schneller sein, sonst schlägt der Gegner zu. Das ist übrigens in den Trainings mit der Nationalmannschaft genauso.
Zur Person
Nicolas „Moumi“ Ngamaleu
Der Stürmer stieß im Frühjahr 2016 als Testspieler zum SCR Altach. Der damalige Trainer Damir Canadi und Sportdirektor Georg Zellhofer erkannten sofort das Talent und nahmen ihn bis 2019 unter Vertrag.
Geboren: 9. Juli 1994
Geburtsort: Yaounde (Kamerun)
Position: Stürmer
Laufbahn: Canon Yaounde (2011 – 2013), Cotonsport Yaounde (2013 – 2016), SCR Altach (seit 2016)
Nationalteam: Kamerun (6 Spiele/2 Tore)