Das Peter-Prinzip
. . . ist eine These von Laurence J. Peter, die besagt, dass „in einer Hierarchie […] jeder Beschäftigte dazu [neigt], bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit aufzusteigen“.
In meinen Anfangsjahren als Sportdirektor sehnte ich mich gelegentlich zurück auf den Trainerturm und fragte mich, ob ich selber in Peters Falle getappt war.
Wo ich auch hinkomme, wird derzeit über Ursachen der Springerkrise spekuliert. Eine schwächelnde Nationalmannschaft ist dabei das Auffälligste, aber aufgrund des vorhandenen Potenzials, mittelfristig nicht das größte Problem. Vom Verein über die Trainingsgruppen bis zu Sportleiter Ernst Vettori und Sportdirektor Hans Pum aber muss jeder Stein umgedreht werden und es gäbe vieles zu entdecken, das abhandengekommen ist bzw. in seiner Bedeutung und Wechselwirkung nie erkannt worden war.
Vermutlich hat das Peter-Prinzip schon am Höhepunkt der Superadler-Ära eine Mehrfachdynamik entwickelt, vor deren zeitlich verzögerten Auswirkungen wir nun stehen: Viele Jahre dominierten Österreicher in allen Altersklassen. Die Position des erfolgreichen Cheftrainers war zementiert. Erstklassige Trainer sahen sich, mangels heimischer Perspektiven gezwungen, ins Ausland zu wechseln. Es war nicht möglich, ihnen in Stams oder im Anschlussbereich jene Gagen zu bezahlen, mit denen sie zusätzlich zur spannenderen sportlichen Herausforderung gelockt wurden. Know-how floss ab und zu Hause tat sich ein schwarzes Personalloch auf, das überhastet gestopft werden musste. Erfolge und Bewunderung von außen ließen das kollektive Selbstvertrauen wuchern. Eine zweite Welle von Trainern wechselte, die bei uns passendere Rollen und Entwicklungsbedingungen vorgefunden hätten. Vergessen war, dass sogar Alex Pointner aus gutem Grund zwei lange, aber wichtige Jahre zappeln musste, bevor er das Team führen durfte. Schließlich wollten auch noch geniale Vereinstrainer auf der großen Bühne wirken. Dieser Komplexität waren sie nicht gewachsen und fehlen seither an der vormals einzigartigen Basis.
Manche Entwicklung ist aus österreichischer Sicht bedauerlich, einiges ist menschlich nachvollziehbar, aber vieles war nicht zu vermeiden. Sicher aber wurde es verabsäumt, eine ähnlich belastbare und kreative Skisprungachse zu schmieden, wie sie jahrelang mit Innauer, Pointner, Haim, Ganzenhuber, Dr. Pernitsch, Dr. Uhl und Vettori funktioniert hatte.
Übrigens, jeder abwandernde Trainer bekam folgenden Satz von mir ins Reisegepäck:
„Viel Glück, und es wird der Zeitpunkt kommen, an dem beide Seiten profitieren werden, wenn du mit wertvollen Erfahrung wieder zurückkehren wirst!“
„In meinen Anfangsjahren als Sportdirektor sehnte ich mich gelegentlich zurück auf den Trainerturm.“
Toni Innauer
sport@vn.at
Anton „Toni“ Innauer ist Skisprung-Olympiasieger, war Skisprungtrainer und ÖSV-Sportdirektor. Heute als Buchautor und Vortragender tätig.
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