Neo-Nürnberger Andreas Lukse: „Habe in Altach Freunde fürs Leben gefunden“

Sport / 11.07.2019 • 07:30 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Alles im Griff: Andreas Lukse hat sich an die Trainingsgegebenheiten beim 1. FC Nürnberg schon gewöhnt und das erste Spiel bereits absolviert. ZINK

Ehemaliger Altach-Torhüter über seine Zeit bei den Rheindörflern und seine Zukunft in Nürnberg.

Nürnberg Es fühlt sich für den 31-Jährigen irgendwie wie „daheim“ an, wenn er dieser Tage mit seinem Ex-Altach-Teamkollegen Nikola Dovedan (25) anlässlich des Trainingslagers in Maria Alm das Zimmer teilt. Zumal daneben das „Vorarlberger Zimmer“ mit Georg Margreitter (30) und Lukas Jäger (25) anschließt. Das Ländle ist zudem für die Familien des Trainerduos Damir Canadi (49) und Eric Orie (51) Lebensmittelpunkt. Wie schon in Altach arbeitet schließlich Michael Prokop als Teamentwickler beim Club. All das hat Andreas Lukse die Eingewöhnung natürlich erleichtert, wobei er sich selbst als kommunikativen Menschen bezeichnet.
Erst eine Woche beim Traditionsclub aus dem Frankenland, durfte der Torhüter gleich im ersten Test im Rahmen des Trainingslagers in Salzburg gegen Pinzgau/Saalfelden (2:0) über 90 Minuten ran. Kurios dabei: Sein letztes Spiel im SCRA-Dress absolvierte er für die Juniors Anfang Mai gegen den Westligisten. Nun feierte er gegen den vom Ex-DFB-Internationalen Christian Ziege trainierten Verein sein Debüt für den Club – und bewies: „Ich bin da, wenn ich gebraucht werde.“

Gratulation zum Wechsel! Wie waren die ersten Tage in Nürnberg?

Sehr aufregend, um nicht zu sagen turbulent. Ich bin erst am vergangenen Donnerstagabend in Begleitung von Hannes Aigner in Nürnberg angekommen. Am Freitag erfolgte dann der Medizincheck. Dabei wurde ich auf Herz und Nieren getestet, es dauerte nicht weniger als fünf Stunden. Alles verlief positiv, und so habe ich gleich danach meinen Vertrag unterschrieben. Am Nachmittag stand ich dann schon erstmals am Trainingsplatz.

Als Torhüter genießt man innerhalb einer Mannschaft eine Sonderrolle, auch im Trainingsbetrieb. Wie groß ist das Team, was sind Ihre Eindrücke?

Derzeit im Trainingslager sind wir ein eigenes Team von vier Torleuten, dazu kommt noch der Torhütertrainer. Wir fühlen uns als Mannschaft und pushen uns gegenseitig. Das ist ganz wichtig. Wir müssen uns ja nicht alle liebhaben, wichtig ist ein professionelles Klima. Im Training herrscht bei uns zuweilen richtig coole Länderspielstimmung (schmunzelt). Neben den beiden Deutschen Christian Mathenia (Anm. d. Red.: 27 Jahre) und Patric Klandt (35) ist auch der Tiroler Jonas Wendlinger (18), der Sohn von Ex-Formel-1-Fahrer Karl Wendlinger, dabei.

Ein Wort zu Ihrer Rolle: Sie sind als Nummer zwei hinter Christian Mathenia geholt worden. War das kein Problem für Sie?

Nein, denn es wurde bei den Verhandlungen von Anfang an so kommuniziert. Ich wusste, worauf ich mich einlasse. Aber egal in welcher Rolle, ich werde immer alles für den Verein geben. Ich will bereit sein, wenn ich gebraucht werde.

Und das Training selbst? Gibt es diesbezüglich große Unterschiede?

Das Training war schon in Altach qualitativ sehr hochstehend. Vielleicht ist es hier ein wenig intensiver. Der große Unterschied ist ein anderer, denn Nürnberg ist von den Gegebenheiten eine ganz andere Liga. Das Trainingszentrum mit dem Wellness- und Restaurantbereich hat mit Sicherheit Bundesliganiveau. Es gibt acht Rasenplätze, einen mit Rasenheizung, dazu einen Kunstrasenplatz. Jetzt kann ich auch sagen, dass man in Altach stolz darauf sein darf, wie sich die Cashpoint Arena entwickelt hat.

Stichwort Cashpoint Altach. Blicken wir ein wenig auf Ihre fünf Jahre in Vorarlberg zurück. Was nehmen Sie mit?

Ganz sicher Freunde fürs Leben. Bei keinem Klub, außer bei Rapid mit all der Nachwuchszeit, war ich länger als in Altach. Was in der Zeit erreicht und geschaffen wurde, ist einzigartig. Sowohl sportlich als auch infrastrukturell. Deshalb werde ich den Klub immer weiter verfolgen und ganz sicher öfters im Ländle vorbeischauen. Für mich war es eine absolut positive Zeit, in der ich sogar Nationalteamspieler geworden bin. Natürlich gab es auch schwierigere Zeiten für mich, wie die Verletzung mit der Schulter. Schlussendlich war einfach alles dabei.

Gibt es persönliche Highlights?

Da fallen mir auf Anhieb zwei ein. Der 4:1-Sieg in Guimaraes bleibt unvergesslich. Aber auch der 3:1-Sieg gegen Rapid mit Trainer Damir Canadi, mit dem wir uns 2016 zum Winterkönig gemacht haben, gehört dazu. 42 Punkte haben wir damals in der Hinrunde geholt, das ist auch im Nachhinein betrachtet einfach irre.

Und dennoch war für Sie klar, dass Sie Altach verlassen wollen?

Ich habe mich früh für einen Abschied entschieden. Natürlich war es ein Wagnis, als Nummer zwei im Sommer ohne Vertrag dazustehen. Aber ich wollte mir den Traum Ausland erfüllen. Dass es jetzt Deutschland geworden ist, ist umso schöner.

Und Sie haben einen Zweijahresvertrag unterschrieben. Macht Sie das stolz?

Was heißt stolz? Ich denke, ich habe es mir verdient, auch wenn es am Schluss für mich nicht mehr so gut gelaufen ist. Außerdem muss in zwei Jahren noch nicht Schluss sein.

Welche persönlichen Ziele haben Sie sich gesteckt?

Vor allem möchte ich mich schnell voll integrieren. Die Mannschaft hat es mir in den ersten Tagen sehr leicht gemacht. Wichtig ist auch, dass ich die Liga kennenlerne. Und dann heißt es, am Punkt X bereit zu sein.