Duell mit der Vergangenheit

Sport / 16.08.2019 • 20:47 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Gernot Plassnegger trifft mit der Austria auf seinen Ex-Klub Grazer AK.

Markus Krautberger

Lustenau „Man trifft sich im Leben immer zweimal“: Ein Spruch, den Gernot Plassnegger aktuell lebt. Denn wenn sich am Sonntag im Planet Pure Stadion die Lustenauer Austria und der GAK gegenüberstehen, kommt es zu einem Wiedersehen des Austria-Trainers mit seiner „alte Liebe“. Mit dem Grazer Traditionsklub verbindet ihn viel mehr als nur die Tatsache, einmal dort Spieler und Trainer gewesen zu sein. Der 41-Jährige war nämlich auch „Geburtshelfer“ des Klubs aus dem Norden von Graz. Nach dem Konkurs der Rotjacken 2013 war sich der gebürtige Trofaiacher nicht zu schade, beim Neustart des Vereins als Trainer in der untersten Spielklasse mitzuarbeiten.

Vier Mal Meister in vier Jahren

„Das lief damals kurios ab. Ich hatte gerade meine Karriere beendet und bekam einen Anfrage vom GAK-Neu, ob ich mir vorstellen könnte, als Trainer auszuhelfen. Ich habe nicht lange gezögert und war dabei, dachte mir aber, dass es eine eher lässige Geschichte wird,“ erinnert sich Plassnegger zurück. Lässig war die Geschichte dann aber erst Jahre später, als sich die „Roten“ wieder im bezahlten Fußball befanden. „Bis dahin war es ein harter Weg. Den ich aber sicher nicht missen möchte. Ich konnte so viele Erfahrungen sammeln. Und es war in jeder Liga, in der ich beim GAK Trainer war, eine wunderbare Zeit,“ so der heutige Austria-Coach, der mit dem GAK in vier Jahren vier Mal Meister wurde. In dieser Zeit erlebte der ehemalige ÖFB-Teamspieler mit, wie Fans, Verantwortliche, ehrenamtliche Helfer, Spieler und Trainer zu einer großen „Fußball-Familie“ zusammenwuchsen. „Das war schon genial, wie dort jeder jedem geholfen hat. Zum Start hat man uns ja in ganz Graz belächelt, uns hat es nur noch mehr angespornt“, denkt Plassnegger zurück, erinnert sich aber mit Schaudern, „dass wir als Kampfmannschaft in den ersten zwei Jahren immer nur mit kaltem Wasser duschen mussten – kein Geld. Heute kann ich darüber lachen, damals war das nicht so lustig.“

Dass er einmal als Profitrainer arbeiten würde, war damals überhaupt kein Thema für den ehemaligen Legionär beim VfL Wolfsburg: „Die Idee dazu ist erst mit den Jahren gekommen. Mir war es eigentlich immer wichtiger, Spaß an der täglichen Arbeit zu haben, mit jungen Menschen zu arbeiten und ihnen, so gut es ging, weiterzuhelfen. Das hat sich im Übrigen bis heute nicht geändert.“ Was für eine Wucht der neu gestaltete GAK schon damals hatte, zeigte sich, als 3200 Zuschauer beim Spitzenspiel der 1. Klasse in Graz kamen. „Die Fans waren immer die große Triebfeder des Klubs, ohne sie wäre der Aufstieg des Klubs nie möglich gewesen. Und die Vereinsverantwortlichen haben es sich auf die Fahnen geheftet, wirtschaftlich keine Risiken mehr einzugehen. Der Weg hat ihnen recht gegeben. Heute steht der Klub in der zweiten Liga. Das hat man geschafft, ohne wieder in die Schuldenfalle zu tappen.“

Wiedersehen macht Freude

Plassneggers Abgang vom GAK 2017 Richtung Lustenau war für den 41-Jährigen mit viel Wehmut verbunden, umso größer ist die Vorfreude auf ein Wiedersehen. „Es wird schön, viele altbekannte Gesichter wieder zu treffen, aber eines ist klar: Für 90 Minuten ruht die Freundschaft, denn ich will mit der Austria die drei Punkte,“ gibt sich der Austria-Coach fokussiert. Er weiß genau, was seine Mannschaft erwartet. Der GAK ist laut Plassnegger eine homogene Mannschaft, defensiv gut organisiert und verfügt über individuelle Klasse. „Wir stellen uns auf eine harte Partie ein, in der wir vom Start weg viel Intensität an den Tag legen müssen,“ weiß Plassnegger, der erstmals auf seinen unmittelbaren Nachfolger als GAK-Trainer, David Preiß, trifft. „Hut ab, wie David die Mannschaft auf die nächsten Ebenen gehievt hat. Ich werde ihm und dem Klub immer die Daumen drücken, nur eben nicht in zwei Spielen der Saison.“

„Ich drücke dem GAK immer die Daumen. Nur eben nicht in zwei Spielen der Saison.“