Marc Girardelli

Kommentar

Marc Girardelli

Zeitenwende

Sport / 23.10.2019 • 20:21 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Noch selten hat eine Weltcup-saison mit so vielen Fragezeichen begonnen wie die heurige. Nein, es geht nicht um den Klimawandel, sondern das Fehlen des größten Skirennfahrers aller Zeiten, Marcel Hirscher. Er traf relativ spät, im September, die Entscheidung, seine Karriere zu beenden. Das war für einige seiner ehemaligen Konkurrenten eine vorzeitige Weihnachtsbescherung. Endlich darf man wieder spekulieren, wer Chancen auf Kristall jeglicher Art hat: Alexis Pinturault, Henrik Kristofferson oder gar Marco Odermatt der neue Jungstar aus der Schweiz?

Doch wo bleiben die Österreicher? Die setzten ihre Schwerpunkte laut Cheftrainer Andreas Puelacher eher auf die Speed-Bewerbe. Was ich anstelle von Puelacher auch tun würde. Es ist unmöglich, eine Lücke, wie sie Hirscher hinterlässt, kurzfristig zu füllen. Auch Athleten wie Michael Matt, Marco Schwarz oder Manuel Feller können das nicht. Die Karten werden neu gemischt und mit etwas Glück sind durchaus ein paar Siege, eventuell die eine oder andere kleine Kristallkugel möglich.

Bei den Damen schaut es hoffnungsvoll aus, vor allem im Speed-Bereich. Immerhin konnte letzte Saison Nicole Schmidhofer die Abfahrtskugel holen. Stephanie Venier und Ramona Siebenhofer aus dem eigenen Lager liegen hier aber schon in Lauerstellung. Das dürfte eine interessante Speed-Saison werden.

In den technischen Bewerben schaut es dagegen etwas mau aus. Hier muss man gnädigerweise aber erwähnen, dass bei den Damen die überragende Dominatorin Mikaela Shiffrin das Handtuch noch nicht geworfen hat. Somit stellt sich dort meistens nur die Frage, wer wird Zweite hinter der Amerikanerin.

Von allen Athletinnen, die Chancen aufs Podest haben, bekam Katherina Liensberger kürzlich die größte Aufmerksamkeit. Durch ihren Materialwechsel zu Kästle-Ski hat sich in eine sehr schwierige Situation manövriert. Das wirkt sich unweigerlich auch auf die Leistung aus, denn das Training im Sommer und Herbst war für sie dadurch extrem erschwert. Hoffentlich kann sie das bewältigen, wenn sie denn die Chance bekommt, überhaupt mit dabei zu sein.

„Marcel Hirscher traf spät die Entscheidung, seine Karriere zu beenden. Das war für seine Ex-Konkurrenten eine vorzeitige Weihnachtsbescherung.“

Marc Girardelli

sport@vn.at

Marc Girardelli zählt mit fünf Gesamt-Weltcupsiegen zu den erfolgreichsten alpinen Rennläufern im Skizirkus.