Golfer Manuel Trappel: Ein Rücktritt ohne Wehmut

Sport / 19.12.2019 • 13:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Gut 20 Jahre lang widmete Manuel Trappel dem Golfsport. Als Höhepunkt der Karriere steht der Gewinn des Europameistertitels 2011. <span class="copyright">gepa</span>
Gut 20 Jahre lang widmete Manuel Trappel dem Golfsport. Als Höhepunkt der Karriere steht der Gewinn des Europameistertitels 2011. gepa

Golfprofi Manuel Trappel beendet seine Karriere.

Bregenz Es war ein Entschluss, der einiger Überlegung bedurfte. „Dieser Prozess dauerte schon etwas“, gibt Golfprofi Manuel Trappel, der einen Schlussstrich unter seine Karriere zieht, zu. „Ich habe es gerne gemacht, deshalb war es ein innerlicher Kampf. Ich machte es vor dieser Saison davon abhängig, wie es läuft. Vor allem wie ich in der Qualifikation für die Europatour abschneide.“ Der Rücktritts-Entscheidung fehlt die große Wehmut und wird durch Gattin Lotte und Sohn Neo erleichtert. In einer Steuerberatungskanzlei gibt es für den 30-Jährigen die Chance, sich beruflich zu etablieren.

Der EM-Titel ragt heraus

Trappel begann im zarten Alter von neun Jahren mit dem Golfsport. „Ich habe Tennis gespielt und Judo gemacht. Das machte mir viel Spaß. Aber erst das Golfen hat mich dann fasziniert, dafür habe ich den richtigen Ehrgeiz aufgebracht.“ Den Weg zum Training nach Riefensberg in den Golfpark Bregenzerwald nahm er zuerst mit dem Bus in Kauf, später mit dem Moped. Wenn es von der Zeit her knapp wurde wich Trappel nach Lindau aus oder chipte im Garten. „Ich habe das alles nie als Belastung angesehen, weil ich es gern gemacht habe. Es konnte passieren, dass ich mich den ganzen Tag auf dem Golfplatz beschäftigt habe.“
2011 erlebte der Landesmeister von 2005, 2006 und 2008 seine ersten sportlichen Höhepunkte. In diesem Jahr holte er den österreichischen Meistertitel, feierte mit dem Sieg im Stechen bei der Europameistertschaft in Schweden seinen größten Erfolg. Dieser Titel war für Trappel mit der Einladung zu den British Open 2012 verbunden, außerdem wurde er in Österreich zum Golfer des Jahres gekürt.
Im Jahr darauf riskierte Trappel den Umstieg ins Profigeschäft. „So einen Karriereverlauf kann man nicht planen. Das ist ein schleichender Prozess. Als Kind hat man den Traum, gut zu werden. Dann geht es Stufe für Stufe weiter.“
Es sei nicht einfach gewesen, die Lager zu wechseln. „Die Belastungen als Profi sind wesentlich größer. Du spielst jede Woche ein Turnier, daneben musst du trainieren, es kommen die Reisestrapazen dazu.“ Dem Sohn der ehemaligen Weltklasse-Skirennläuferin Ingrid Eberle blieb ein Sieg verwehrt, ein zweiter Platz auf der Challenge-Tour in Ägypten hat sich aber eingeprägt. Die Runde seines Leben spielte er in Dänemark vor zwei Jahren mit neun Schlägen unter Par und einem seltenen Hole in One. Auch eine Runde mit 19 Schlägen unter Par heuer in St. Pölten bleibt Vorarlbergs Sportler des Jahres 2011 in guter Erinnerung.
Besseren Resultaten seien die eigene Konstanz und ein unglückliches Händchen bei der Wahl der Techniktrainer im Wege gestanden. „Golf ist ein Outdoorsport, das Spiel geht über vier Tage, das kommen einige Faktoren zusammen. Ich würde jetzt auch ein paar personelle Dinge anders angehen. Die Trainerentscheidungen waren nicht glücklich, rückblickend gesehen eigentlich sehr anstrengend und zermürbend.“ Erst in den vergangenen 18 Monaten habe er mit Phil de Busschere, dem Techniktrainer von Bernd Wiesberger einen Coach seines Vertrauens gefunden.
Wann er wieder auf den Golfplatz gehen wird lässt Trappel offen. „Ich kann mir in der Golfbranche schon ein paar Sachen vorstellen.“ Nicht allerdings einen Job als Trainer: „Golflehrer wäre definitiv nichts für mich.“