Marcel Hirscher hat noch keine Entzugserscheinungen vom Rennsport

Sport / 17.01.2020 • 20:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Marcel Hirscher war nicht nur beim VN-Sporttalk ein eloquenter Interview-Partner, auch im VN-Interview hatte der Champion etwas zu sagen.
Marcel Hirscher war nicht nur beim VN-Sporttalk ein eloquenter Interview-Partner, auch im VN-Interview hatte der Champion etwas zu sagen.

Im VN-Interview spricht der zurückgetretene Ski-Superstar über sein neues Leben nach der glanzvollen Karriere.

Lech Marcel Hirscher in Lech. Und das beim VN-Sporttalk. Selbst für den Nobelort am Arlberg war das kein Ereignis wie jedes andere. Im VN-Interview sprach der zurückgetretene achtfache Gesamtweltcupsieger, Olympiasieger und Weltmeister über seine Vergangenheit, seine Gegenwart und seine Zukunft. In Lech genoss er am Freitag aber vor allem eines: das Skifahren im freien Gelände.

Wie gut – oder auch nicht – haben Sie sich in Ihr Leben als Ex-Skirennläufer eingefunden?

Es geht mir gut, ich kann nicht klagen. Ich bin heute hier in Lech und war auch schon Skifahren. Halt ein bisschen anders als früher.

Wohin ist die ganze Energie, die ganze Kraft, die Disziplin und die ganze Akribie, mit der Sie Dinge angehen, nun geflossen?

Es gibt so viele andere Dinge, für die man all diese Eigenschaften braucht. Ich habe viele Hobbys, denen ich jetzt ausgiebig nachgehen kann. All das, was Sie erwähnt haben, kann ich für diese Hobbys auch gut gebrauchen. Da passt schon alles.

Gibt es bereits Momente, in denen Ihnen das Rennfieber abgeht?

Ich darf sagen, dass das bis jetzt noch nicht der Fall ist. Mich hat es noch nie gejuckt, wenn ich ein Skirennen gesehen habe. Ich weiß nicht, wie es weitergeht. Aber bis zum jetzigen Zeitpunkt ist das meine Wahrnehmung.

Wie kommen Sie mit dem Rummel um Ihre Person zurecht? Können Sie eigentlich auch einmal unbelästigt Ski fahren?

Also ich war heute in Lech beim Skifahren so weit oben, dass da keine Menschen waren. Die einzigen Lebewesen, die da oben getroffen haben, waren ein paar Böcke, und die haben mich in Ruhe gelassen. Es ist unglaublich. Jetzt hat mein Leben bisher fast nur aus Skifahren bestanden, aber ich habe mit meinen 30 Jahren erst die dritte Skitour gemacht. Bei einem der ersten Schwünge durfte ich übrigens heute auch erfahren, wie sich eine Rolle vorwärts anfühlt.

Sie müssen wohl unzählige Anfragen für allerhand Termine und Interviewanfragen bekommen und vieles absagen. Warum haben Sie die Anfrage für diesen Sporttalk angenommen?

Da gibt es einen einfachen Grund. Ich wollte heute in Lech Ski fahren. Deswegen bin auch sehr gerne zu dieser Veranstaltung hierhergekommen.

Zu den Skirennen, vor allem in Österreich, könnten Sie ja kommen. Werden Sie beim Hahnenkammrennen nicht dabei sein?

Was soll ich da? Die werden mich dort heuer ja auch nicht brauchen können. Nein, ich gehe nicht nach Kitzbühel.

Man könnte sich vorstellen, dass der Verband oder ehemalige Teamkollegen gerade in der jetzigen Situation gerne den einen oder andern Tipp von Ihnen hätten?

Es hat noch keine Anfragen in diese Richtung gegeben. Ich weiß auch nicht, ob meine Tipps einem anderen helfen würden. Was für mich früher gut und richtig war, muss es nicht unbedingt für einen anderen sein. Ich wurde bisher auch noch nicht um Rat gefragt. Nicht vom Verband, nicht von einem Läufer.

Ist eine Tätigkeit beim ÖSV für Sie irgendwie auf dem Radar?

Nein, ist es definitiv nicht.

Was haben Sie mittelfristig für Pläne?

Ich habe mich in letzter Zeit mit einigen möglichen Projekten vertraut gemacht, die ich vielleicht umsetzen möchte. Aber was das konkret ist, möchte ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht verraten.

Sie waren heute in Lech Ski fahren. Was für Verbindungen zu Vorarlberg haben Sie überhaupt?

Natürlich gibt es da vor allem meinen Physiotherapeuten Alexander Fröis, mit dem ich viel zusammen war. Dann kann ich mich an ein FIS-Rennen erinnern, das ich als Jugendlicher einmal in Vorarlberg gefahren bin. Auch hatte ich über einen bestimmten Zeitraum einmal eine private Verbindung nach Vorarlberg. Die bleibt jedoch mein Geheimnis.

Wie haben Sie Marc Girardelli in Ihrer Kindheit und Jugend wahrgenommen?

Ich kann mich erinnern, dass Marc im Kaunertal einmal die Siegerehrung bei einem Schülerrennen vorgenommen hat. Es hat mir schon sehr imponiert, dass ein solcher Star wie Marc zu einem kleinen Schülerrennen kommt. Aber ich war damals noch ein Stöpsel. Ich glaube, meinen Vater hat das damals noch mehr beeindruckt.