Geld aus Landeskasse rettet Austria Lustenau

Sport / 23.04.2021 • 05:50 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Geld aus Landeskasse rettet Austria Lustenau
Das Land Vorarlberg und die Gemeinde Lustenau kommen der Austria monetär zu Hilfe. GEPA PICTURES/ OLIVER LERCH

Um den Traditionsverein vor dem Zwangsabstieg zu retten, schießen Land und Gemeinde Lustenau jeweils 100.000 Euro zu.

Lustenau Und plötzlich ist alles sehr schnell gegangen: Am späten Nachmittag des 22. April 2021 haben das Land Vorarlberg und die Gemeinde Lustenau den Fußballtraditionsklub Austria Lustenau, beim Ansinnen die Lizenz über den Weg zum Protestkomitee zu erhalten, nicht im Regen stehen gelassen. Denn der finanzielle Kraftakt der Grün-Weißen ein „zu hundert Prozent finanziertes Budget“ (Bernd Bösch) nach Wien zu schicken, war nur über finanzielle Zusagen von Land und Gemeinde möglich.

<span class="copyright">apa</span>
apa

“Wir haben gemeinsam mit der Gemeinde eine Überbrückungshilfe gegeben.”

Markus Wallner, Landeshauptmann Vorarlberg

Budgetäre Entlastung

Austrias Finanzchef Christoph Wirnsperger bestätigte gegenüber der VN, dass jeweils 1oo.ooo Euro von Gemeinde und Land geflossen sind. Bei dem Gemeindegeld handelt es sich um einen Verzicht der Stadionmiete für die nächste Spielzeit. Zurückbezahlt muss vonseiten der Austria nichts werden. Bezüglich der monetären Hilfe vom Land erklärt Wirnsperger, „dass es lediglich wie eine Unterstützung für Unternehmen in Coronazeiten anzusehen ist. Das Land erkennt an, dass wir als Austria unverschuldet um die Lizenboni umfallen. Denn man ist der Meinung, dass die Fortschritte beim Stadionbau ausreichend und geeignet für diese gewesen wäre. Eine Hilfestellung, denn man will nicht, dass uns als Verein der Hahn wegen dieser Sache abgedreht wird“.

Lustenaus Bürgermeister Kurt Fischer und Austrias Vorstandssprecher Bernd Bösch anlässlich dessen Wahl im Jahr 2019.<span class="copyright">hartinge</span><span class="copyright">r</span>
Lustenaus Bürgermeister Kurt Fischer und Austrias Vorstandssprecher Bernd Bösch anlässlich dessen Wahl im Jahr 2019.hartinger

Mehr als 700.000 Euro

Fakt ist aber auch, dass der Austria für ihre Unterlagen nicht nur 460.000 Euro auf die Ausfinanzierung des Vereinsbudgets (2,1 Millionen Euro) fehlten, sondern über 700.000. Und die Bundesliga wollte vom Klub jegliche Unterlagen sehen, die diese Finanzierung auch bestätigen. „Bis dato reichte es bei Linzenzanträgen wenn man 60 Prozent des Budgets nachweisen konnte. Nur glaubte dies eben der Ausschuss nicht und wollte, dass wir zu 100 Prozent nachweisen, dass wir dieses Budget auch stemmen können“, so Wirnsperger. Das fehlende Geld hat man nun laut des Vortsandsmitgliedes beisammen, einer Zulassung sollte nichts im Wege stehen. Zusammen mit Freunden, Gönnern und Sponsoren, rund 100.000 Euro an zusätzlichen Sponsorbeträgen neben bereits bestehenden konnten in der letzten Woche eingeholt werden, und eben Land und Gemeinde soll der Zwangsabstieg nun abgewehrt werden. Dazu kommen aber auch noch Haftungen vom gesamten Vorstand. Wie hoch diese sind, wollte Wirnsperger nicht verraten.
Auch Bernd Bösch, Vorstandssprecher der Austria, bestätigte, dass die budgetäre Entlastungshilfe seitens der Gemeinde und des Landes wichtiger Bestandteil für die Erbringung der geforderten Unterlagen war. Laut Bürgermeister Kurt Fischer handelt sich dabei aber um kein Geldgeschenk, sondern vielmehr um eine „Sonderförderungshilfe“, die in einem Gemeindevorstandsbeschluss auch einstimmig abgesegnet wurde. Diese Vorgangsweise sei, so Fischer, stets in Absprache mit dem Land passiert. Gleichzeitig ließ er durchblicken, dass es nach Ende der Lizenzierungsphase ein Gespräch geben werde, in dem Land, Gemeinde und Klub die Details hinsichtlich der budgetären Vorleistungen zu klären haben.

“Es handelt sich nicht um ein Geldgeschenk, sondern um eine Sonderförderungshilfe.”

Kurt Fischer, Bürgermeister Lustenau

100.000 Euro als Sicherstellung

Landeshauptmann Markus Wallner bestätigt die Unterstützung. „Das ist richtig. Wir haben gemeinsam mit der Gemeinde eine Überbrückungshilfe gegeben.“ Man habe in der Not geholfen, damit der Verein die Lizenz erhält. „Der Verein muss aber den größeren Teil erbringen.“ Er bestätigt auch die Summe. „Es geht um 200.000 Euro, die sich das Land und die Gemeinde aufgeteilt haben.“ Die offene Frage lautet dabei, ob es überhaupt benötigt wird. „Der Verein ist in der finanziellen Not jetzt einmal gesichert. Nun ist die Gemeinde am Zug, sie muss das Flutlicht errichten.“
Erklärungsbedarf ist seitens der Austria nach dem 27. April, dem Tag der Lizenz-Entscheidung, also mit Sicherheit gegeben. Diesbezüglich ging Bernd Bösch bereits in Vorarbeit, in dem der 60-Jährige von der Wichtigkeit der „wirtschaftlicher Stabilität“ spricht und davon, dass die aktuellen Verbindlichkeiten in den kommenden Jahren weiter reduziert werden sollen und dass die Kooperation mit Ahmet Schäfer und dessen Firma Core Sports Capital dem Verein langfristig „sehr hilft“. Hinsichtlich der Finanzierung der nunmehr nachgebesserten Lizenzunterlagen habe man seitens der Austria stets offen kommuniziert, stellt er klar. Auch, was Land und Gemeinde betreffe. Dennoch will er festhalten, dass rund drei Viertel der nunmehr nachweislich belegten mehr als 700.000 Euro durch den Verein, dank der Unterstützung von Gönnern und frühzeitig unterschriebenen Sponsorverträgen, aufgebracht werden konnten. VN-mkr-cha-mp