Manchmal war es sogar zu schnell
In der vergangenen Saison haben die Damen beim Weltcup-Start die heißen Kohlen aus dem Feuer geholt. Heuer sind es erfreulicherweise die Herren. Bei den ersten Speedevents in Lake Louise war es ein richtiger Genuss, den Doppelsieg mit Matthias Mayer und Vincenz Kriechmayer zu verfolgen. Und auch im Super-G war die Bilanz erfreulich.
In Beaver Creek dann, auf einer wesentlich selektiveren Strecke, gab es wieder Podiumsplätze und gute Mannschaftsresultate. Doch mussten wir im Kampf um den Sieg der Schweiz und Norwegen den Vortritt lassen. Da gab es einfach ein paar Läufer, die in den entscheidenden Passagen weniger Fehler machten. Wobei man erwähnen sollte, dass die Kursetzung im ersten Super-G sehr fragwürdig war. Die vielen Ausfälle und Fehler gingen dieses Mal ganz klar auf das Unvermögen des Kurssetzers. Man setzt bei solchen Geschwindigkeiten keine Tore auf Übergänge oder Kanten. Sowas ist unverantwortlich und sehr gefährlich. Aber trotzdem hatten unsere Stars keine optimalen Läufe, und das wirkte sich klar in der Endzeit aus. Grund waren meiner Meinung nach strategische Fehler: Falsche Einschätzung nach dem Training und der Rennbesichtigung.
Ein Kunststück, denn auf dieser Strecke ist es kaum möglich, alles im Voraus zu planen. Der Läufer muss sich während der Fahrt ständig anpassen und Entscheidungen treffen, weil man selten auf seiner Ideallinie fahren kann. Die Belastungen in den völlig vereisten Kurven sind so gewaltig, dass es normal ist, wenn man um ein bis zwei Meter versetzt wird. Und dadurch verändert sich dann automatisch die ganze Linie für die folgenden Tore. Und das sollte man noch ohne jeglichen Zeitverlust korrigieren.
Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt.
Das ist Rennsport vom Feinsten.
Denn ohne Risiko hätten Hermann Maier und Marcel Hirscher auch nicht so viel gewonnen.
Und die Saison hat ja erst begonnen. Das lässt auf mehr hoffen.
„Der Läufer muss sich während der Fahrt ständig anpassen und Entscheidungen treffen, weil man selten auf seiner Ideallinie fahren kann.“
Marc Girardelli
sport@vn.at
Marc Girardelli zählt mit fünf Gesamt-Weltcupsiegen zu den erfolgreichsten alpinen Rennläufern im Skizirkus.
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