Deshalb verspürt “Izzi” keine Leere, sondern noch mehr Motivation

Sport / 13.02.2022 • 17:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Deshalb verspürt "Izzi" keine Leere, sondern noch mehr Motivation
Die Goldmedaille ist in diesen Tagen ständiger Wegbegleiter. Niklas Stadler

Der Olympiasieg verändert vieles, jedoch nicht den Menschen Alessandro Hämmerle.

Peking Gemeinsam haben sie den 10. Februar 2022 für Vorarlberg vergoldet, doch es wird noch ein wenig dauern, bis die beiden Olympiasieger Alessandro „Izzi“ Hämmerle und Johannes Strolz gemeinsam feiern dürfen. Denn der SBX-Gewinner („Wir haben uns noch nicht gesehen, er wohnt in einem anderen Olympiadorf“) besteigt am Dienstag den Flieger Richtung Heimat und wird sich den Slalom-Auftritt seines Kumpels aus Warth in den Morgenstunden vom Mittwoch im Fernsehen ansehen.

Sportlich endeten für Hämmerle seine dritten Winterspiele mit Platz 13 im Mixed-Teambewerb, zusammen mit der Niederösterreicherin Pia Zerkhold (23). Seine Reaktion danach („Es tut mir schon sehr weh, muss ich sagen. Ich bin so ein ehrgeiziger Trottel, das gibt‘s nicht“) beschreibt bestens den empathischen Menschen und den ambitionierten Sportler. Fast entschuldigend meinte er nach dem Rennen in Richtung Zerkhold, die Stelle betreffend, an der sie zu kurz war. „Ich habe ihr geraten, sie soll ein bissl mehr absorbieren. Dann fahre ich heute im Heat und merke: Es ist echt viel Schnee drinnen, es ist viel langsamer als im Training. Der Fehler geht also genauso auf meine Kappe.“ Im VN-Interview verriet er zudem, dass ihm die Freundschaft zum Spanier Eguibar den Weg zu einer Vermarktungsagentur – blizz communications – ebnen könnte.

Einfach gefragt: Wie war der Morgen danach?
Ich habe kaum geschlafen, habe in der Nacht noch einmal alles verarbeitet. Am Morgen lag die Goldmedaille noch immer am Nachtkästchen und ich dachte mir: Sie ist noch da, es ist wahr! Es ist jedoch noch immer schwer, es richtig zu begreifen. Ich fühle noch immer die Emotionen in mir.

Wie muss man sich diese Emotionen vorstellen? Etwa so, dass Sie den Finallauf in der Nacht noch einmal gefahren sind?
Das ist in der Tat so. Ich bin ein Mensch, der sehr analytisch denkt. Ich wusste, dass eine Attacke (Anm. d. Red.: gegen Éliot Grondin) hinten raus schwierig werden kann und ich die Chance im Mittelteil der Strecke nutzen musste. Rückblickend bin ich froh, diese Möglichkeit am Schopf gepackt zu haben.

Ist in Ihnen das Bewusstsein, Großes geschafft zu haben, schon präsent?
Ich glaube, sie hätten mich in Vorarlberg auch ohne Medaille wieder einreisen lassen (lacht). Ich meine damit, drei Gesamtweltcupsiege sind auch nicht ohne. Da sollte man schon die Kirche im Dorf lassen. Aber ich habe gemerkt, dass ein Olympiasieg etwas anderes ist. Eine Goldmedaille zu holen am Tag X bei Winterspielen, die nur alle vier Jahre stattfinden, ist speziell. Da braucht es auch Glück. Ich bin dankbar, dass ich die Chance hatte, fit an den Start zu gehen und Vollgas geben zu können.

Sie haben im Moment des Triumphs vielen Menschen für die Unterstützung gedankt.
Der Sieg hat viele Namen und ist eine Belohnung für alle im Team, abseits und auf dem Schnee.

Als Snowboarder stehen Sie in Österreich im Schatten der Skisportler. Macht das sogar das Leben leichter?
Ich denke schon. Skifahrer werden medial mehr bombardiert und müssen sich oftmals schützen. Das wirkt vielleicht nicht immer nett, ist jedoch wichtig, um sich auf das Wesentliche konzentrieren zu können.

Ein Olympiasieg kann jedoch das Leben eines Snowboarders verändern. Brauchen Sie jetzt einen Manager?
Zufällig habe ich mich schon im Oktober mit Vertretern einer Agentur in München unterhalten. Der Kontakt kam dank meines Kumpels Lucas Eguibar (Anm. d. Red.: SBX-Weltmeister 2021 aus Spanien) zustande. Lucas ist ein Freund von Ex-Bayern-Spieler Javi Martínez und der wird von „blizz communications“ vermarktet. Ich hoffe, die Zusammenarbeit klappt.

Sie und Ihre Brüder haben früher ja selbst für den SV Gaschurn Fußball gespielt. Was glauben Sie: Schafft Altach den Klassenerhalt und die Austria den Aufstieg?
Ehrlich gesagt, schaue ich mehr deutsche Bundesliga oder Champions League. Doch ich drücke beiden Klubs die Daumen.

Zurück zum Snowboardcross. Erinnern Sie sich an Ihr erstes Weltcuprennen?
Sicher, es war in Lech (Anm. d. Red.: 201o). Das Team wohnte in einem Viersternehotel in Lech und ich dachte nur: Wenn das der Weltcup ist, will ich auch dahin.

Teamleader war damals ein gewisser Markus Schairer.
Ein besonderer Mensch und Freund. Er hat großen Anteil an meinen Erfolgen. Vom Training mit ihm habe ich sehr profitiert. Wenn ich heute meine Läufe analysiere, dann ähnelt meine Technik sehr jener von Mäki.

Welche Ziele gibt es noch für einen Olympiasieger?
Viele! Ich verpüre keine Leere, wenn Sie das meinen. Pierre Vaultier und seine Rekorde (Anm. d. Red.: sechster SBX-Gesamtweltcupsieger, 22 Weltcuperfolge) sind Antrieb genug. Mein Vorteil ist, dass ich gute oder schlechte Erfahrungen schnell abhake.

Ihre Mutter ist gebürtige Italienerin, Ihr Vater Lustenauer und Sie sind in der Schweiz geboren. Und Sie fühlen sich als . . .
. . . Montafoner. Italienisch verstehe ich ein bisschen und mit dem Lustenauer Dialekt tue ich mir leichter als mit dem Schweizer.

Ein Letztes noch: Ihr Bruder Luca baut ein Haus. Darf er mit Ihrer Hilfe rechnen?
(lacht) Der Bau ist nicht mein Ding. Aber Kraft hätte ich genug: Vielleicht kann ich mich da ein wenig nützlich machen.