Eishockey mit Herz, das hat Del Curto überzeugt

Sport / 13.05.2022 • 07:45 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Arno Del Curto bringt Emotionen in die Kabine und auf die Bank des Nationalteams.<span class="copyright">g</span><span class="copyright">e</span><span class="copyright">p</span><span class="copyright">a</span>
Arno Del Curto bringt Emotionen in die Kabine und auf die Bank des Nationalteams.gepa

Schweizer Kulttrainer Del Curto motiviert Österreichs Spieler bei der WM.

Schwarzach „Mit Köpfchen durch die Wand.“ Das Buch von Arno Del Curto ist in der Schweiz aktuell ausverkauft. Vielleicht, weil es der Eishockey-Kulttrainer unseres Nachbarlandes um ein Kapitel verlängern möchte. Um jenes seines Engagements bei der Eishockey A-WM in Finnland mit der österreichischen Nationalmannschaft. Der 65-jährige gebürtige St. Moritzer zierte sich zuerst, sah sich aber dann doch verpflichtet, seinem Freund Roger Bader (57) mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

„Arno ist einer der Co-Trainer bei unserer Mannschaft. Er ist der Motivator.“

Roger Bader, Teamchef Österreich

Auf dem linken Fuß erwischt

„Das Thema Eishockey ist für mich definitiv abgeschlossen.“ So steht es im letzten Absatz des Buches von Del Curto. „Vielleicht, weil ich eine affengeile Zeit erlebt habe.“ Als er erstmals von Bader eingeladen wurde, beim ÖEHV-Team mitzuhelfen, ortete er diese Bereitschaft nachher als Missverständnis: „Roger hat mich auf dem linken Fuß erwischt, als ich ihm in St. Petersburg beim Kongress des Internationalen Verbandes zugesagt habe. Das war ein einmaliges Erlebnis.“ Sein Zusatz: „Österreich hat mich überrascht. Die jungen Spieler haben so viel Herz, sie werden international noch von sich hören lassen.“
Eishockey mit Herz. Das ist es, was Del Curto ein Leben lang seinen Teams predigte. Wie zum Beispiel in Davos. Der fünfmalige Schweizer Trainer des Jahres und Europas Coach des Jahres 2009 führte den Bündner Klub zu sechs Meistertitel und zum Sieg beim Spengler Cup.

Langjährige Männerfreundschaft

Del Curto und Bader, das ist eine Männerfreundschaft fürs Leben. Beide nennen als einen ihrer Lehrmeister Alpo Suhonen, den finnischen Operndirektor, Ausnahmetrainer und zwischen 2012 und 2017 Sportdirektor des österreichischen Verbandes. In nächtelangen Diskussionen, so schreibt Del Curto in seinem Werk, entwarf er mit Suhonen eine „Makrophilosophie, die auf vielen Erkenntnissen zur menschlichen Natur beruht, vor allem aber ein breites Spektrum abdeckt, die dazu beitrugen, dass sich die Spieler weiterentwickeln konnten.“
Das Ziel der Weiterentwicklung ist es auch, die Del Curto bei der rot-weiß-roten Auswahl antreibt. 1992 schaffte er mit Bader als Assistent beim ZSC die große Überraschung, als man das hochfavorisierte Lugano aus dem Play-off kegelte. Bader implementiert seit 2014 erfolgreiche Bausteine der Eidgenossen, aber auch die anderer erfolgreicher Systeme, ins heimische Eishockey. Mit De Curto fand er für die WM eine kongeniale Ergänzung in seinem Betreuerstab. „Er ist einer unser Co-Trainer“ meinte Bader, angesprochen auf die Aufgaben von Del Curto. „Er ist der Motivator, bringt Emotionen in die Kabine und auf der Bank.“

Ansprachen und Daumen hoch

Und das mit Leib und Seele. In Schwenningen, beim letzten Test vor der WM gegen Deutschland (1:3), tigerte er vor Drittelbeginn vor den Spielern auf und ab, hatte für jeden eine positive Ansprache. Von der Bank aus gibt es hin und wieder ein Daumen hoch von Del Curto n Richtung Eis. Aber er korrigiert auch während des Spiels umgehend den nicht gelungen Einsatz eines Spielers.
Als Co-Trainer – neben dem frischgebackenen Vater Markus Peintner, Philipp Lukas und Torhütertrainer Reinhard Divis – bekommt er wie alle anderen Teammitglieder vom Eishockeyverband ein Taggeld ausbezahlt. Das r hin und wieder heimlich den Nationalteamhelfern im Hintergrund zusteckt.

Der „Donau-Vulkan“

In Schwenningen wollte Del Curto nichts über die Aufgaben beim öEHV-Team verraten. „Ich darf nichts sagen, sprechen wir nach der WM“, übte sich der sonst so Redseelige, der mittlerweile dem Golfspiel frönt und in seiner Heimat an einem großen Bauprojekt beteiligt ist, in Schweigen. Nicht, weil er nichts zu sagen hätte. Sondern weil ihm die mediale Aufregung in der Schweiz nicht geheuer ist. Mit dem Comeback für das Team Austria provoziert er bei den Eidgenossen viele neue Schlagzeilen. Wie jene, in der er als „Donau-Vulkan“ im „Operetten-Eishockey“ bezeichnet wurde.
Wenn sich Del Curtos Charakterzüge bei der WM in Finnland aufs Nationalteam umsetzen lassen darf sich Eishockey-Österreich freuen: „Spektakuläre Spiele, Emotionen, Leidenschaft, Spaß und Power“ sind jene Noten, die er in seinem Buch als prägende Grundlagen seiner Eishockey-Gesinnung beschreibt.