Ein herbstlicher Weltcupstart
Gerade rechtzeitig kamen die Temperaturen in Sölden auf ein Niveau, um einen großartigen Weltcupstart zu garantieren. Der Sommer und Herbst waren für die Vorbereitung der Athleten hingegen nicht optimal. Sehr warme Verhältnisse auf den Gletschern nötigten fast alle Mannschaften in die südliche Hemisphäre auszuweichen, die glücklicherweise den besten Winter aller Zeiten gesegnet war.
Beim ÖSV läuft es grad nicht so rund mit der Vorbereitung auf Sölden. Steffi Brunner und Stefan Brennsteiner haben sich diese Woche im Schnalstal verletzt, beide müssen passen.
Österreichs heißeste Eisen fühlt sich hingegen in der Form seines Lebens. Manuel Feller, der sich intensiv auf den Riesenslalom vorbereitete, strotzt vor Selbstvertrauen. Er will endlich auch in dieser Disziplin dort ankommen, wo er im Slalom schon lange ist. Aber er weiß genau, dass an der Weltspitze die Luft sehr dünn ist. Die anderen, die ihm den Platz an der Sonne streitig machen, sind harte Kämpfer, die nur das maximale Risiko kennen. Die jungen Norweger mit Atle Lie Mc Grath, Lucas Braathen und vor allem Teamleader Henrik Kristoffersen. Interessant dürfte hier auch die Frage sein, wie Kristoffersen mit den neuen Skiern von Marcel Hirscher zurecht kommt.
Die Franzosen wollen ihre mässige letzte Saison ausbügeln und neben dem Slowenen Zan Kranjec sind vor allem die Schweizer gefährlich. Allen voran der Dominator des letzten Winters, Marco Odermatt. Die Aussage eines Konkurrenten, der ihn neulich am Gletscher beobachtet hatte, sagt alles: „Das Skifahren hat er noch nicht verlernt, leider.“
Bei den Damen sind die Italienerinnen sehr stark. Vor allem Marta Bassino will es heuer noch mal wissen und den grossen Damen der letzten Jahre, Mikaela Shiffrin und Petra Vhlova, den Kampf ansagen. Zum erweiterten Favoritenkreis in Sölden zählen Sara Hector, Tessa Worley und Kathi Liensberger. Obwohl die Trainier nicht sicher sind, ob Kathi wirklich schon in Top-Form ist. Aber auch eine Liensberger mit 80 prozentiger Leistung kann für eine Top-10 Platzierung gut genug sein. Aus Vorarlberg könnten die beiden Magdalenas (Egger und Kappaurer) eine Außenseiterrolle spielen. Für die jungen Mädels wäre eine Qualifikation für den Finallauf schon ein tolles Ergebnis. Alle Topathleten und -innen mussten mal klein anfangen – und vielleicht heißt ja eine mal Magdalena.
„Österreichs heißestes Eisen im Riesentorlauf fühlt sich in der Form seines Lebens. Manuel Feller strotz vor Selbstvertrauen.“
Marc Girardelli
sport@vn.at
Marc Girardelli zählt mit fünf Gesamt-Weltcupsiegen zu den erfolgreichsten alpinen Rennläufern im Skizirkus.
Kommentar