Neues Jahr, neue Chancen
Holprige Starts in eine Weltcup-Saison gab es des Öfteren. Doch heuer ist es bei Österreichs Frauen prekär. Denn schon in Levi polterte der Trainer „Absolut inakzeptabel!“.
Fünf Wochen sind verstrichen und es hat sich an der Situation wenig verändert, außer ein paar kleinen Lichtblicken bei den Speed-Damen in Nordamerika.
Ein Team von professionellen Trainern und Betreuern ist, ob der vielen Schlappen, ratlos und kann keine konkreten Gründe dafür angeben. Auch die Läuferinnen selbst stehen völlig neben der Spur und wissen sich keinen Rat.
Wie kann so ein kollektiver Misserfolg in einer solchen Mannschaft überhaupt passieren?
Ich erinnere mich, dass es bei mir, aber auch bei etlichen anderen Topläufern, immer wieder Phasen gab, in denen nichts vorwärts ging. Längere Trainingsphasen ohne Vergleich zu anderen Athleten verleiten zu Fehlern. Man versucht instinktiv alles zu optimieren, weil man einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz herausarbeiten möchte. Auch in Bezug auf Material, dessen Präparation oder hinsichtlich neuer Techniken. Mit winzigen Schritten entfernt man sich so immer weiter von dem, was wirklich schnell ist zwischen den Toren.
Es gibt 1000 Bücher über Techniken, wie man das perfekte Skifahren lernt. Doch kein einziges, wie man schnell den Hügel runterkommt. So kam es dann, dass ich bei Rennen aufkreuzte mit der vollen Gewissheit, alle in Grund und Boden zu fahren. Nachdem ich dann auf Zurbriggen oder Tomba zwei Sekunden – pro Durchgang!– verloren hatte, dämmerte mir, dass ich mich wieder einmal völlig verstiegen hatte. Ich wusste anfangs auch nie, woran es gelegen hat. Aber ich wusste immer, dass ich den Fehler an der Basis suchen musste.
Solche Katastrophen sind im Sport normal. Man sollte sie nutzen, sein Gedankengebäude neu zu ordnen und sich an der Basis, besser gesagt an der Physik, zu orientieren. Skifahren ist im Grunde sehr einfach. Wer weniger bremst, ist schneller. Der letzte Slalom am Semmering war für Kathi Liensberger zwar ein Desaster, doch wer die Zwischenzeiten nach dem großen Fehler gesehen hat weiß, dass sie trotzdem auf dem richtigen Weg ist.
Marc Girardelli
sport@vn.at
Marc Girardelli zählt mit fünf Gesamt-Weltcupsiegen zu den erfolgreichsten alpinen Rennläufern im Skizirkus.
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