„Ein Schwiegersohn wie aus dem Bilderbuch“

Auf EM-Shootingstar Constantin Möstl warten vor dem Wechsel noch viele Höhepunkte.
Hard Der Siegerpokal bei der EURO 2024 in Deutschland ging zum vierten Mal in der Geschichte an Frankreich. Die Auszeichnung des Shootingstars ging aber nach Österreich: Mit seinen insgesamt 81 Paraden und der überragenden Quote von knapp 36 Prozent trug Goalie Constantin Möstl maßgeblich zum rot-weiß-roten Höhenflug und mit Rang acht zur Egalisierung der besten EM-Endplatzierung bei. Mit seiner bescheidenen und zugleich witzigen Art eroberte der 23-jährige Wiener bei den zahlreichen Interviews und TV-Auftritten im Sturm die Herzen der Sportfans in der Alpenregion. „Consti ist ein bodenständiger und ehrlicher Typ. Er ist ein absoluter Vorzeigesportler und Mensch – im Prinzip ein Schwiegersohn wie im Bilderbuch“, betonte Conny Wilczynski.

Zum Restart in der HLA-Meisterliga empfangen Constantin Möstl und der Alpla HC Hard am Samstag (19 Uhr) Linz. Steurer
Begabung geerbt
Für den 136-fachen Teamspieler und ehemaligen Wuzzlerkönig, der seit Jahren als TV-Experte arbeitet, ist der kometenhafte Aufstieg seines langjährigen Schützlings bei Westwien keine Überraschung. „Ich kann mich noch gut an ein Gespräch vor drei Jahren erinnern. Da kam ,Consti‘ zu mir und erklärte mir, dass er sich mit der Position des dritten Goalies bei uns nicht zufriedengeben will und hinterfragt, ob er nicht den Verein wechseln soll. Ich habe ihm den Rat gegeben, er soll sich durchbeißen. Er habe das Potenzial, nicht nur Nummer eins bei Westwien, sondern auch im Nationalteam zu werden.“
Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Youtube angezeigt.
Die Vorliebe und Begeisterung für den Handballsport wurde dem EM-Shootingstar sprichwörtlich in die Wiege gelegt. Schon Vater Werner war Goalie, wurde mit Westwien in den 90er-Jahren viermal Meister und zweimal Cupsieger und absolvierte 103 Länderspiele.

Insgesamt viermal, so oft wie kein anderer Spieler, wurde Constantin Möstl bei der EURO 2024 als Man of the Match ausgezeichnet. GEPA

Vom Feldspieler zum Tormann
An eine besondere Anekdote erinnert sich Wilczynski besonders gerne. „Als ich 2011 zu Westwien zurückgekommen bin, war ,Consti‘ schon ein Talent. Allerdings spielte er damals noch im Rückraum. Bei einem Turnier in Slowenien hat dann der Einsergoalie kurzfristig abgesagt, der damalige Jugendnationaltrainer überredete Möstl, dessen Part zu übernehmen, und seit damals hat er die Position nicht mehr gewechselt.“ Bei einem der zahlreichen Interviews bei der EURO in Deutschland bestätigte Möstl die Geschichte und betonte: „Ich glaube, als Feldspieler hätte ich mit Sicherheit nicht hier gespielt.“


Den ersten großen Erfolg im Handball verbuchte der Absolvent des ORG Maroltingergasse, eines Gymnasiums für Leistungssportler, mit dem Sieg bei der Schul-WM 2018 in Katar. Mit dabei im damaligen Siegerteam auch Lukas Hutecek, ab Sommer Clubkollege von Möstl beim TBV Lemgo Lippe.
Als nächster Höhepunkt folgte am Ende der letzten Saison der Gewinn des emotionalen HLA-Titels mit Westwien, ehe der Traditionsverein den Spielbetrieb im Männerbereich einstellte.

Vor seinem Wechsel nach Deutschland, laut Möstl die Erfüllung eines Jugendtraums, warten auf den 23-jährigen Wiener neben der Olympia-Quali und dem WM-Play-off auch noch die Aufgaben mit dem Alpla HC Hard. Zum Auftakt empfangen die roten Teufel am Samstag (19 Uhr) Linz. „Vor der EURO haben alle vom Sohn von Werner Möstl gesprochen. ,Consti‘ hat bei der EM diesen Schatten abgelegt, sich eine eigene Persönlichkeit geschaffen. Ich bin überzeugt, er wird alles dafür tun, damit sein einjähriges Engagement am Bodensee so ein krönendes Ende findet wie bei seinem Stammverein. Er hat bei der EM bewiesen, dass er ein Unterschiedspieler sein kann“, so Wilczynski.
