Ein Altacher Abend für die Geschichtsbücher

Rheindörfler bezwingen Meister Sturm Graz nach Verlängerung mit 3:1 und stehen erstmals im Halbfinale des ÖFB-Cup.
Altach Der SCR Altach hat Fußballgeschichte geschrieben. Mit einem 3:1-Erfolg nach Verlängerung gegen den amtierenden Meister Sturm Graz zogen die Rheindörfler erstmals in ihrer Klubgeschichte ins Halbfinale des Uniqa ÖFB-Cups ein. In einem intensiven, über weite Strecken hochspannenden Viertelfinale setzten sich die Vorarlberger am Ende verdient durch und sorgten für einen denkwürdigen Abend im Schnabelholz
Die Ausgangslage vor der Partie war kurios. Fabio Ingolitsch, noch bis Dezember Cheftrainer des SCRA, saß nun auf der Trainerbank der Grazer. Einen Vorteil aus seiner genauen Kenntnis der Altacher wollte Ingolitsch im Vorfeld allerdings nicht ableiten – auch, weil bei den Hausherren mit Ognjen Zaric ein neuer Chefcoach das Kommando übernommen hatte, dessen Gedankengänge man kaum kenne. Für Zaric selbst war es ein besonderer Moment: Er stand erstmals als Cheftrainer eines Profiklubs in Österreich an der Seitenlinie. Eine weitere spezielle Geschichte schrieb Paul Koller, der eine Woche zuvor noch offiziell bei Altach unter Vertrag gestanden war und erst am Donnerstag seinen Wechsel nach Graz vollzogen hatte – inklusive Startelfeinsatz für Sturm nach nur einer Trainingseinheit.

Zaric setzte auf eine eingespielte Altacher Formation, Lukas Jäger ersetzte den abgewanderten Koller. Sturm musste auf Kapitän Jan Gorenc Stankovic verzichten, dafür stand Otar Kiteishvili , Goldtorschütze in der Europa League, wieder in der Startelf.
Altach begann mutig und ohne Scheu vor dem Favoriten. Die Hausherren waren präsenter, aggressiver in den Zweikämpfen und bestimmten über weite Strecken den Rhythmus, ohne sich zunächst klare Torchancen zu erarbeiten. Sturm blieb vor allem über Umschaltmomente gefährlich, insgesamt neutralisierten sich beide Teams aber nahezu auf allen Positionen. Das Fehlen von Stankovic war bei den Grazern deutlich spürbar, offensiv blieb Sturm im ersten Durchgang erstaunlich harmlos.

Altach kam kurz vor der Pause der Führung sehr nahe. Nach einer Hereingabe von Sandro Ingolitsch kam Patrick Greil im Strafraum zum Abschluss, Sturm-Goalie Daniil Khudiakov parierte stark. Sekunden später musste der Grazer Schlussmann auch gegen Yann Massombo (41.) eingreifen. Eine Altacher Führung wäre zu diesem Zeitpunkt mehr als verdient gewesen, dennoch ging es mit einem aus Grazer Sicht schmeichelhaften 0:0 in die Kabinen.
Fussball, uniqa ÖFB-Cup, Viertelfinale
SCR Altach – SK Sturm Graz 3:1 n.V: (1:1,0:0)
Altach, Schnabelholz, 4154 Zuschauer, SR Julian Weinberger
Torfolge: 53. 1:0 Greil, 71. 1:1 Kayombo, 102. 2:1 Hrstic
Gebe Karten: Zaric (Trainer), Milojevic bzw. Oermannm Koller
Gelb-rote Karte: 79. Oermann (wiederholtes Foulspiel)
SCR Altach: Stankovic; Ingolitsch (117. Benjamin), Milojevic, Zech, Jäger, Ouedraogo; Demaku (91. Fetahu), Bähre, Massombo (91. Oswald); Greil (111. Gorgon), Diawara (29. Mustapha/80. Hrstic)
Sturm Graz: Khudiakov; Gazibegovic, Aiwu, Oermann, Koller (70. Hödl) , Karic; Weinhandl (105. Rozga), Horvat (70. Beganovic/91. Malic) , Kiteishvili; Malone (81. Geyrhofer), Jatta (70. Kayombo)
Nach dem Seitenwechsel ging es furios weiter. Kiteishvili traf Lukas Jäger im Strafraum, Schiedsrichter Julian Weinberger zeigte sofort auf den Punkt. Greil scheiterte zunächst an Khudiakov, setzte aber energisch nach und drückte den Abpraller zum 1:0 über die Linie (53.). Das Tor öffnete die Tür zum historischen Halbfinale weit.
Sturm reagierte prompt. Kiteishvili zwang Altach-Goalie Martin Stojanovic mit einem Heber zu einer Glanztat (55.), kurz darauf parierte der Schlussmann auch einen Kopfball von Tomi Horvat. Wenige Sekunden später verfehlte Luca Weinhandl eine Horvat-Flanke nur knapp. Auf der Gegenseite musste Khudiakov erneut gegen Greil retten. Die Partie wogte nun hin und her, Chancen folgten im Minutentakt.

Altach blieb am Drücker und wollte die Entscheidung, Sturm-Coach Ingolitsch reagierte mit einem Dreifachwechsel. Und der zeigte Wirkung. Nach einem Querpass von Axel Kayombo konnte Stojanovic zunächst noch gegen Malone retten, beim Abpraller war Kayombo aber zur Stelle und stellte auf 1:1 (71.).
Die Begegnung wurde zunehmend hitziger. In der 79. Minute sah Sturms Oermann nach wiederholtem Foulspiel Gelb-Rot, Altach agierte fortan in Überzahl. Zaric brachte mit Srdjan Hrstic eine frische Offensivkraft. Die große Chance auf das 2:1 hatte Massombo, der nach perfektem Zuspiel von Greil alleine auf Khudiakov zulief, jedoch am überragenden Grazer Tormann scheiterte (83.). Nach 90 Minuten stand es 1:1 – Verlängerung.

Dort setzte Altach alles auf eine Karte. Mit Moritz Oswald und Anteo Fetahu brachte Zaric zusätzlichen Schwung. Fetahu hatte früh eine gute Möglichkeit, sein Schuss wurde noch abgefälscht, bei der anschließenden Ecke verpasste Ouedraogo knapp. Besser machte es Hrstic: Eine Flanke von Ouedraogo verwertete der Serbe per Kopf zum 2:1 und verwandelte das Schnabelholz in ein Tollhaus (102.).

Nur zwei Minuten später setzte Hrstic das nächste Ausrufezeichen. Er eroberte im Mittelfeld den Ball, leitete selbst den Angriff ein und bediente schließlich Greil mustergültig. Der Salzburger hatte keine Mühe, auf 3:1 zu stellen (105.). Sturm konnte in Unterzahl nicht mehr reagieren und musste sich geschlagen geben. Zudem musste Khudiakov verletzt vom Feld, da die Wechsel bereits ausgeschöpft waren, beendete Gazibegovic die Partie im Tor.

Altach feierte einen historischen Triumph. In einem über 120 Minuten geschlossenen und leidenschaftlichen Auftritt besiegten die Zaric-Schützlinge den amtierenden Meister völlig verdient. Für Neo-Coach Ognjen Zaric war es ein Traum-Einstand, für Ex-Coach Fabio Ingolitsch hingegen ein bitterer Abend – gerade angesichts des hohen Stellenwerts des ÖFB-Cups in Graz.