Ein Statement-Sieg der Seahawks

Martin Pfanner über Super Bowl LX: Deshalb sicherte sich Seattle (29:13) gegen New England den NFL-Titel.
San Francisco Schon Stunden vor der offiziellen Eröffnung von Super Bowl LX ist der etwa 500 m vom Levi’s Stadium entfernte Sicherheitsring rund um die Spielstätte in Santa Clara, Kalifornien, auf der Innenseite von Tausenden Football-Fans bevölkert. Für die Strapazen und Kosten, die Menschen auf sich nehmen, um dem Hochamt des American-Football-Sports beizuwohnen, soll immerhin jede Minute ausgekostet werden.
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Selbst wenn Tickets dem Vernehmen nach kurz vor Spielbeginn um ca. 2.500 Dollar zu haben waren, so lagen die Preise direkt nach der Endspielqualifikation von New England und Seattle – also zu jener Zeit, wo die Nachfrage aus den beiden Final-Fanlagern am akutesten bzw. größten ist – bei bis zu 10.000 Dollar. Pro Ticket, versteht sich.



Super-Bowl-Sunday markierte so ganz nebenbei auch den ersten Tag seit dem letzten Heimspiel der eigentlichen Hausherren (Anm. d. Red.: San Francisco 49ers) und damit seit dem dritten Jänner 2026, an dem der Rasen überhaupt von Spielern betreten werden durfte. Der Untergrund für die Partie war bereits 2024 (!) im gut zwei Autostunden vom Santa Clara entfernten Ort Livingston angepflanzt worden. Fast 7.500 Quadratmeter Edelrasen wurden verlegt, um eine im wahrsten Sinne des Wortes perfekte Grundlage für Super Bowl LX zu bilden.

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Trotz bester Voraussetzungen – auch was die Witterung betraf – enttäuschte das Spiel über weite Strecken. Weil es über drei Viertel ein zähes Hin und Her war, in dem die Defensive der Seahawks aber immer die richtige Antwort auf die Offensivbemühungen New Englands hatte. Beim Stand von 12:0 zu Beginn des vierten Viertels war die Tendenz schon klar, schlussendlich gaben zwei Touchdowns von Seattle (einer in der Offense, einer durch die Defense) dann die Marschroute entsprechend vor. Ein Erfolg, der letztlich deutlicher war, als das Ergebnis suggeriert, und als Statement Seattles gewertet werden muss.



Der zweite Super-Bowl-Sieg in der 50-jährigen Teamgeschichte der Seahawks wird in der National Football League (NFL) in jedem Fall genau analysiert bzw. seziert werden. Während ganz generell das Pendel in den letzten Jahren immer mehr in Richtung Offense ausgeschlagen hatte und es wichtig war, möglichst einen Franchise-Quarterback und einen begabten Offensiv-Coach zu haben, so war es mit Seattle-Cheftrainer Mike McDonald ausgerechnet ein Spielleiter aus der Defensive, der noch dazu mit einem vor wenigen Jahren von den Medien bereits abgeschriebenen Quarterback (Anm. d. Red.: Sam Darnold) den Titel holen konnte. Die Lehren aus dem Triumph der Seahawks: Mit kluger Personalpolitik und exzellentem Coaching ist auch so der ganz große Coup möglich.


Wichtig für die hochpolitische, sich aber gern als völlig unpolitisch gebende NFL: Eklats sind ausgeblieben. Weder die amerikanische Punk-Rock-Formation Green Day als Vorband noch Bad Bunny als Main-Act der Halbzeitshow übten direkte Kritik am US-Präsidenten. Bad Bunnys Botschaft am Ende seines Auftritts “Das Einzige, das mächtiger als Hass ist, heißt Liebe” wird Super Bowl LX genauso überdauern wie das Fahnenmeer aller Länder auf dem amerikanischen Kontinent. Ein eigens designter Football, den der puerto-ricanische Interpret in die Kamera hielt, hatte dazu passend die verbindende Botschaft “Together we are America” eingebrannt.


Und während die Pressekollegin neben mir ihre Rückschau auf Super Bowl 60 gerade von ChatGPT fertigstellen lässt, darf ich mich bei Ihnen, liebe Leser:innen, ganz ohne Einsatz von künstlicher Intelligenz bedanken. Für die vielen Rückmeldungen zu der Super-Bowl-Berichterstattung in den VN.
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