Österreich kann es auch in Unterzahl

ÖFB-Elf fliegt mit einem Erfolgserlebnis im Gepäck ins WM-Quartier nach Kalifornien.
Wien Im Duell mit WM-Teilnehmer Tunesien feierte Österreich nicht nur einen sportlichen Erfolg (1:0), sondern auch einen moralischen Sieg. Zeigte das Team doch, dass man Rückschläge nicht nur wegstecken kann, sondern auch bei einer nicht ganz so glanzvollen Vorstellung als Sieger vom Platz zu gehen vermag. Wichtige Erkenntnisse für den Trainerstab vor dem anstehenden Großereignis Weltmeisterschaft, wo ja vordergründig das Resultat eine zentrale Rolle spielt.

In seinem 45. Spiel auf der rot-weiß-roten Trainerbank musste Teamchef Ralf Rangnick kurz vor Spielbeginn noch eine Umstellung vornehmen, die auch maßgeblich das System seiner Elf beeinflusste. Denn der für die Startelf aufgebotene Christoph Baumgartner verletzte sich beim Aufwärmen und blieb in der Kabine. Für den aggressiven Pressingspieler bot Rangnick mit Michael Gregoritsch einen klassischen Mittelstürmer auf. Damit fehlten dem Spiel der Österreicher neben Geschwindigkeit auch die Sololäufe des Leipzig-Legionärs. Zumindest über links wurden diese Attribute von Konrad Laimer ausgeglichen, kam der Bayern-Legionär doch als Linksverteidiger zum Einsatz.

ÖFB Länderspiel
Testspiel
Österreich vs Tunesien 1:0 (0:0)
Wien, Ernst Happel Stadion, 35.100 Zuschauer, SR Jérémie Pignard (FRA)
Tor: 63. 1:0 Sabitzer
Gelbe Karten: 57. Gharbi (Tunesien), 76. Danso (Österreich/beide Foulspiel)
Rote Karte: 37. Laimer (Österreich/Handspiel, Verhindern einer Torchance)
Österreich (4-2-3-1) Alexander Schlager – Posch (80. Prass), Lienhart (46. Friedl), Alaba (46. Danso), Laimer- Seiwald, Xaver Schlager (62. Wanner) – Schmid (46. Chukwuemeka ), Gregoritsch (46. Mwene), Sabitzer – Arnautovic (46. Kalajdzic)
Tunesien (4-2-3-1) Chamakh – Valery, Talbi, Rekik, Abdi – Khedira (82. Saad), Skhiri – Ben Slimane (62. Ayari), Hannibal Mejbri (78. Mahmoud), Gharbi (64. Tounekti) – Chaouat (62. Elloumi)
Ausgerechnet Laimer sorgte jedoch dafür, dass Rangnick noch während der ersten Halbzeit ein zweites Mal taktische Korrekturen vornehmen musste. Denn der 29-Jährige sah nach 37 Minuten die Rote Karte, nachdem ihn zuvor der französische Unparteiische wegen Handspiels mit Gelb bestraft hatte. Weil sich der VAR einschaltete, korrigierte Jérémie Pignard seine Entscheidung und entschied auf Rot für das Vergehen, Verhinderung einer Torchance, als letzter Mann.

Ein echter Härtetest
Es lief also nicht rund für Rot-Weiß-Rot in Halbzeit eins. Eine Verletzung des wohl wichtigsten Offensivspielers, ein Ausschluss gegen Laimer und dann auch noch viel Glück, weil Tunesien dreimal nur die Torumrandung traf. Fast schien es, als hätte man den Gegner unterschätzt. Eine Einschätzung, die auch der in Tunesien geborene Lassaad Chabbi, teilte. Der Coach, der mit seiner Familie seit Jahrzehnten in Vorarlberg lebt und derzeit in Bahrain einen Club betreut, hatte schon im Vorfeld im Gespräch mit den VN gewarnt. “Tunesien ist nicht Jordanien und fußballerisch nicht zu vergleichen. Bei Tunesien spielen die meisten Profis in Europa, bei Jordanien zumeist in Asien. Fußball in Nordafrika ist qualitativ besser.” Und wirklich: In der Startelf waren mit Goalie Chamakh und Stürmer Chaouat nur zwei Spieler vom tunesischen Meister Club Africain, dem Exclub von Chabbi, aufgeboten. Alle anderen sind bei Vereinen in England, Frankreich oder auch Deutschland unter Vertrag.

Mit fünf Neuen ging es in die zweite Hälfte und mit dem Versuch, trotz eines Spielers weniger am Feld, die freien Räume zu suchen und zu bespielen. Damit war auch klar, dass mehr Bewegung im Spiel sein musste. Die Tunesier blieben bei ihrer Spielweise, Österreich den Ball zu überlassen und dann schnell umzuschalten. Die erste Möglichkeit ergab sich dennoch für die Heimischen, als der eingewechselte Sasa Kalajdic nach einem Sabitzer-Pass mit seinem Abschluss nur knapp das Tor verfehlte (48.)

Sabitzer war es dann auch, der eiskalt mit einem Flachschuss den Führungstreffer erzielte und so für eine heiße Atmosphäre im Ernst-Happel-Oval sorgte. Die Vorarbeit hatte Stefan Posch nach einem Sololauf geliefert (63.). Es war das Resultat einer sichtbaren Leistungssteigerung. Mehr Wille, mehr Laufbereitschaft und auch effizienteres Handeln im Strafraum – so gewann Österreich nicht nur mehr Spielanteile, sondern beherrschte das Spiel selbst in Unterzahl. Und das mit einem eingewechselten Paul Wanner, der in seinem dritten Länderspiel kurz vor Schluss noch das 2:0 auf den Beinen hatte (92.).
